14.03.2007 · Damit das Internet-Fernsehen kein Flop wird, ändert die Telekom ihre Strategie und rüstet ihr bestehendes DSL-Netz auf. Auch die Preise sollen bald fallen. Doch der Anbieter hat mit großen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Und die Konkurrenz schläft nicht.
Von Holger Schmidt, HannoverDie Deutsche Telekom ändert ihre Strategie für das Internet-Fernsehen. Künftig sollen die 130 Fernsehsender, die über schnelle Internetverbindungen übertragen werden, nicht mehr nur in wenigen Metropolen, sondern in knapp 800 Städten angeboten werden. „Bis Ende 2007 können 17 Millionen Haushalte in unserem Land das Internet mit einem dreifachen Angebot aus Telefon, Internet und Fernsehen nutzen“, sagte Timotheus Höttges, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom, im Vorfeld der Computermesse Cebit in Hannover. Auch die Preise sollen bald fallen, kündigte Höttges an.
Bisher hatte die Telekom das Fernsehangebot genutzt, um Kunden für ihr neues, rund 3 Milliarden Euro teures VDSL-Glasfasernetz zu begeistern. VDSL kann derzeit Daten mit mindestens 25 Megabit je Sekunde übertragen, doch soll die Übertragungsrate später sogar 50 Megabit erreichen. Nach Branchenschätzungen waren bisher erst rund 20.000 Kunden bereit, für den superschnellen Internetanschluss inklusive Fernsehangebot rund 100 Euro im Monat zu zahlen.
Damit das Internet-Fernsehen kein Flop wird, rüstet die Telekom nun ihr bereits bestehendes DSL-Netz in 750 Städten für die Übertragung von bewegten Bildern auf. Auch das Glasfasernetz soll bis Ende 2008 auf 50 Städte erweitert werden. Bisher ist es erst in einem Dutzend Städten vorhanden.
„Bis dahin muss das Internet-Fernsehen stabil laufen“
Die Übertragung der Programme über das Internet steckt noch in den Anfängen. Neben der Telekom ist bisher nur der Konkurrent Hansenet in einigen Städten in dem jungen Markt aktiv und hat 10.000 Kunden gewonnen. Bis Jahresende soll die Zahl aber auf 100.000 steigen. „Mit dem Ausbau des Angebots auf die größten deutschen Städte wie Berlin wollen wir vor allem die Kunden in den Metropolen an uns binden“, sagte Harald Rösch, Geschäftsführer von Hansenet in Deutschland. Allerdings fehlt Hansenet der Fußball als Zugpferd im Angebot. Der Ball rollt bisher exklusiv im Internet-Fernsehen der Telekom.
Konkurrent Arcor hat den Markteintritt mehrfach verschoben, will nun aber im Sommer loslegen. Die Verhandlungen mit den Fernsehsendern seien sehr mühsam, sagte der Arcor-Vorstandsvorsitzende Harald Stöber. „Die Kabelgesellschaften bekommen die analogen Programme kostenlos, aber wir sollen dafür zahlen“, beklagte sich Stöber. „Das bedeutet einen Wettbewerbsnachteil von 7 bis 8 Euro je Anschluss; das sehe ich nicht ein“, sagte er der F.A.Z.
Für ihn wird sich das Schicksal des Internet-Fernsehens frühestens 2009 entscheiden. „Wenn das Analogfernsehen im Jahr 2010 abgeschaltet wird, stehen die Menschen vor der Entscheidung, für welches neue System sie sich entscheiden. Bis dahin muss das Internet-Fernsehen stabil laufen“, sagte Stöber.
Kein Telefonanschluss vonnöten
Der Internet-Zugangsdienstleister 1&1 will zwar heute noch kein klassisches Fernsehsignal im Netz übertragen, bereitet sich aber das Internet-Fernsehen vor. „Unsere neue Settop-Box kann auch Internet-Fernsehen empfangen. Wir rüsten unsere technische Plattform auf, damit wir 2010 dabei sind, wenn der Markt verteilt wird“, sagte Robert Hoffmann, Vorstandsmitglied von 1&1, der F.A.Z. 1&1 vertreibt in seinem Portal Maxdome zurzeit Filme und Serien mit seinem Partner Pro Sieben Sat.1. „Wir sprechen aber auch mit den öffentlich-rechtlichen Sendern über Filme in Maxdome“, sagte Hoffmann.
Der Einstieg der Telefongesellschaften in das Internet-Fernsehen ist als Abwehrstrategie gegen das Vorpreschen der Fernsehkabelnetzbetreiber zu verstehen, die ihre Netze auch für Telefon und Internet ausbauen. Marktführer Kabel Deutschland hatte Ende des vergangenen Jahres 267.000 Kunden gewonnen, die Fernsehen, Internet und Telefon aus einer Hand nutzten. Kabel Baden-Württemberg kommt auf 110.000 Kunden. Diese Kunden benötigen keinen Telefonanschluss mehr und gehen den Telefongesellschaften verloren.
„Drei etablierte Plattformen“
Obwohl die Telekommunikationsgesellschaften kräftig investieren, glauben Branchenkenner nicht, dass sich das Internet-Fernsehen schnell durchsetzen wird. „In Deutschland gibt es mit Kabelfernsehen, Satellit und terrestrischem Fernsehen bereits drei etablierte Plattformen für die Übertragung von Fernsehsignalen“, sagt Arno Wilfert von der Unternehmensberatung Arthur D. Little. „Wir gehen deshalb derzeit nicht davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren deutlich mehr als 10 Prozent der Haushalte über Internet-Fernsehen versorgt werden.“ Zudem drückt das gute Angebot an frei empfangbaren Programmen auf die Zahlungsbereitschaft der Zuschauer.
Das Internet-Fernsehen der Telekom kämpft zudem noch mit großen technischen Schwierigkeiten, wie die Stiftung Warentest meint: „Angesichts dieses Preises enttäuscht die Technik. Der T-Home-Anschluss der Telekom ist zwar superschnell, doch vieles funktioniert noch nicht“, urteilten die Tester vor wenigen Wochen und zählten dann eine lange Mängelliste auf.
Die Übertragung des Fernsehsignals auf moderne Plasma- oder LCD-Fernseher funktioniere nicht richtig. Zudem sei T-Home nur mit einem Fernsehgerät empfangbar; auf einem zweiten Fernseher im Haus bleibe der Bildschirm schwarz. Schon nach 15 Stunden Aufnahme in hochauflösender Qualität sei die Festplatte des Videorekorders voll. Und die Technik für die Aktualisierung der Software sei von vorgestern, lautet die Kritik der Warentester, die zudem drei Monate auf ihren Anschluss warten mussten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.386,39 | +0,70% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2526 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 106,92 $ | −0,32% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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