17.07.2006 · Yahoo-Gründer Jerry Yang geht davon aus, daß sich der Schwerpunkt der Online-Nutzung auf das Handy verlagert. Das Unternehmen reagiert darauf mit neuen Angeboten, genau wie Hauptkonkurrent Google.
Von Holger Schmidt„Chief Yahoo!“ steht schlicht auf seiner Visitenkarte. Jerry Yang ist zwar strenggenommen nicht mehr der Chef des Internetportals Yahoo, aber als Chefstratege spielt Mitgründer Yang immer noch eine dominante Rolle unter den inzwischen mehr als 10.000 Mitarbeitern bei Yahoo. Er ist für die Visionen in dem Internetunternehmen zuständig. Eine Antwort auf die Frage nach dem großen Trend im Internet fällt ihm daher leicht: „Mobilität. In sechs Jahren wird der Großteil der Internetnutzung nicht mehr auf dem Personalcomputer stattfinden, sondern auf dem Handy. Die Zukunft ist das drahtlose Internet - damit die Menschen es überall und jederzeit nutzen können“, sagte Yang in Berlin.
Yang steht mit seiner Meinung nicht alleine. Auch Erzrivale Google setzt immer stärker auf das Handy. „Für Google haben mobile Dienste eine extrem hohe strategische Bedeutung. Google-Produkte wie News, Mail oder Maps können schon auf Mobiltelefonen genutzt werden. Wir sehen im Mobilfunkmarkt beträchtliche Wachstumschancen. In einigen Ländern hat das Mobiltelefon schon den PC überholt, wenn es um den Zugang zu Informationen geht“, sagte Googles Nordeuropa-Chef Philipp Schindler dieser Zeitung.
Verknüpfung von Handy und Internet
Die Chancen der Internetfirmen, nach dem PC-Bildschirm auch die Handys zu erobern, stehen nicht schlecht. Denn die Handy-Netzbetreiber haben in diesem Feld versagt. Ihre Kunden fragen die abgeschlossenen Datendienste der Netzbetreiber wie T-Mobile oder Vodafone kaum nach, sondern wollen lieber die gewohnten Funktionen aus dem Internet auch mobil nutzen. T-Mobile ist mit dem Dienst Web'n'Walk, der die Google-Suche auf ein Mobiltelefon überträgt, in diese Richtung gegangen.
Yahoo verknüpft daher Internet und Handy eng miteinander. Die Nutzer sollen E-Mails, die im Internet-Postfach eintreffen, gleich auch auf den Handys lesen und beantworten können, den eigenen Web-Kalender jederzeit griffbereit haben, Fotos schießen und direkt ins Internet stellen. Nachrichten oder Börsenkurse sollen ebenfalls automatisch den Weg auf den Handybildschirm finden. Im Gegensatz zu Google setzt Yahoo dabei auf das Push-Prinzip, das schon dem Blackberry zum Durchbruch verholfen hat: Neue Nachrichten werden nicht erst auf Anfrage vom Netzwerkrechner übermittelt, sondern direkt aufs Handy gefunkt.
Nokia und Motorola mit Yahoo-Software
Für das Projekt „Yahoo Go“ baut Yang auf einen Deutschen: Marco Börries, einst als deutscher Bill Gates gefeiert, hatte nach dem Verkauf seiner Softwarefirma Star Division das Unternehmen Verdisoft gegründet und genau die Software entwickelt, die Yahoo für die Übertragung seiner Internetdienste auf das Handy gesucht hat. Kurzerhand hat Yahoo dann Verdisoft übernommen und Börries gleich mit verpflichtet. Heute gehört Börries als „Senior Vice President Connected Life“ zu den Topmanagern des Internetkonzerns.
Einen ersten großen Coup hat Börries schon gelandet: Die beiden größten Handyhersteller Nokia und Motorola, die zusammen mehr als die Hälfte des Weltmarktes beherrschen, werden die Yahoo-Software auf ihren Handys installieren. „Im vierten Quartal kommt eine Version von Yahoo Go heraus, die auf 80 Prozent der Handys von Nokia und Motorola vorinstalliert sein wird“, sagte Börries.
Werbung statt Bezahlung
In einem zweiten Schritt verhandelt Börries mit den Netzbetreibern, über die in Europa immer noch der Großteil der Mobiltelefone in den Markt gelangt. „Wir sprechen mit den Netzbetreibern, welche Dienste wir den Kunden gemeinsam anbieten können und wie wir die Umsätze teilen können“, sagte Börries. Diese Zusammenarbeit bringe Yahoo zum Beispiel die Information, wo sich der Nutzer gerade befindet. Dies sei wichtig für lokale Dienste.
Nach seiner Ansicht denken die Netzbetreiber um: „T-Mobile hat mit Web'n'Walk den Schritt ins Internet gewagt, und auch Vodafone hat angekündigt, Vodafone Live zu öffnen.“ Yahoo wird ebenfalls die Türen zu Konkurrenzangeboten offenhalten: „Wir werden den Nutzern den Zugriff auf Dienste erlauben, die nicht von Yahoo kommen. Das ist sehr wichtig“, sagte Börries. Zum Beispiel können sich die Nutzer RSS-Feeds ihrer Lieblingszeitung auf das Handy senden lassen, um immer informiert zu sein.
Bei der Finanzierung der Dienste mit Handywerbung betritt Yahoo Neuland. „Die Bereitschaft der Menschen, für diese Dienste zu zahlen, ist relativ gering. Daher sind alle kostenpflichtigen E-Mail-Dienste auf den Handys bisher gescheitert. Wir setzen auf Handywerbung, die von den Nutzern auch akzeptiert wird. Ganz wichtig ist dabei: Die Werbung muß relevant sein - und einfach umzusetzen, zum Beispiel mit einer Rückrufoption. Die Nutzer auf dem Handy mit Pop-ups oder Unterbrecherwerbung zu bombardieren, wie es in der Anfangszeit im Internet versucht wurde, wird nicht funktionieren“, sagte Börries.
Schwerpunkt auf sozialer Relevanz
Die Werbung wird immer im Hintergrund übertragen, so daß die Nutzer nicht darauf warten müssen. Allerdings hat das Werbemodell einen Haken: Die Übertragungskosten für die Werbung trägt der Kunde. „Das ist Bestandteil der Nutzungsbedingungen. Wir erwarten aber, daß sich auch im Mobilfunk Pauschaltarife für die Datennutzung durchsetzen. Dieser Trend ist überall zu beobachten“, sagte Börries.
Eine Herausforderung ist die Übertragung der Suche auf das Handy. „Die Menschen werden in fünf Jahren mehr Suchanfragen mit ihrem Handy machen als mit dem Personalcomputer. Allerdings muß die Suche auf dem Handy ganz anders funktionieren: Wir müssen verstehen, was der Anwender sucht. Bei der Suche nach einem Unternehmen kann man zum Beispiel zuerst den Aktienkurs, dann aktuelle Unternehmensnachrichten und erst am Ende die normalen Suchergebnisse aus dem Internet anzeigen“, sagte Börries.
Im Gegensatz zu Google oder Microsoft lege Yahoo einen großen Schwerpunkt auf die soziale Relevanz der Suche: „Mit Hilfe persönlicher Daten wie dem Adreßbuch des Nutzers, einer Liste seiner Freunde oder favorisierten Internetseiten können wir relevante Suchergebnisse liefern. Zum Beispiel können wir ihm ein Restaurant empfehlen, das einer seiner Freunde schon einmal bewertet hat, da der Nutzer dem Freund sicher mehr glaubt als einem anonymen Restaurantführer. Das ist auch nötig, da auf dem kleinen Handybildschirm viel weniger Informationen angezeigt werden können als auf einem Computer-Bildschirm. Die erste Seite müsse die gesuchte Information liefern“, sagte Börries.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.386,39 | +0,70% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2526 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 106,92 $ | −0,32% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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