30.10.2005 · Die Kabelgesellschaften rüsten ihre Netze schneller auf als geplant, womit der Telekom eine immer mächtigere Konkurrenz erwächst. Der Preiskampf um DSL-Anschlüsse verschärft sich.
Schneller als ursprünglich geplant rüsten die Kabelgesellschaften ihre Fernsehkabelnetze für Internet und Telefon auf: Kabel Deutschland, Kabel BW (Baden-Württemberg), Iesy (Hessen) und Ish (Nordrhein-Westfalen) werden bis zum Jahresende 5,8 Millionen Haushalte auch mit Internet und Telefon versorgen können, gab der Deutsche Kabelverband bekannt. Bisher sollten bis zum Jahresende 4,8 Millionen Haushalte angeschlossen werden.
„Es sind die Kabelnetzbetreiber, die jetzt die bisherige Schlußlicht-Stellung Deutschlands im Breitband-Wettbewerb aufbrechen, in dem sie erstmals eine echte Alternative zum DSL-Monopol schaffen. Denn spätestens 2011 hängt das Produktivitätswachstum laut OECD auch in Deutschland zu einem Drittel vom Zugang zum breitbandigen Internet ab“, sagte der Präsident des Deutschen Kabelverbands, Rüttger Keienburg. Die Zahl der Breitbandnutzer stieg in Deutschland im ersten Halbjahr 2005 um 16 Prozent auf acht Millionen.
„Aufrüstung unseres Netzes aggressiv fortsetzen“
Die Kabelnetzbetreiber halten sich zugute, auch Haushalte in ländlichen Regionen mit schnellen Internetzugängen zu versorgen, in denen es bisher keine DSL-Verbindungen gibt. „Wir haben ambitionierte Ausbaupläne und werden die Aufrüstung unseres Netzes im kommenden Jahr aggressiv fortsetzen“, sagte Kabel-Deutschland-Sprecher Carsten Tilger. Auch das Marketing ist aggressiver geworden: In Hessen geht Iesy inzwischen im Haustürgeschäft auf Kundenfang.
Der Markteintritt der Kabelgesellschaften erhöht abermals den Druck auf die DSL-Anbieter, die nach dem heftigen Preiskampf zur Jahresmitte schon mit niedrigeren Margen auskommen müssen. Nun steht offenbar die nächste Runde im Preiskampf bevor: Marktführer T-Online hat seine Pauschaltarife für DSL und Internettelefonie auf jeweils rund 10 Euro im Monat gesenkt, um nicht noch mehr Marktanteile zu verlieren.
Denn im dritten Quartal hat der schärfste Konkurrent United Internet abermals gegen die Telekom-Tochtergesellschaft gepunktet: „Die von unserem Vorstandsvorsitzenden Ralph Dommermuth in Aussicht gestellte Zahl der DSL-Kunden zwischen 1,52 und 1,53 Millionen zum Ende des dritten Quartals haben wir erreicht“, sagte Sprecher Marcus Schaps. Das bedeutet, daß United Internet zwischen 180.000 und 190.000 Neukunden gewonnen hat und damit ähnlich viele wie im zweiten Quartal.
Kostenvorteile der Kabelgesellschaften
Der Infrastrukturwettbewerb zwischen Kabelgesellschaften und DSL-Anbietern gewinnt an Spannung, denn Kabel Deutschland, Kabel BW, Ish und Iesy können Internetzugänge mit geringeren Kosten anbieten als die Telefongesellschaften. Diesen Vorteil geben die Unternehmen inzwischen an ihre Kunden weiter: Preisführer Kabel Deutschland bietet das Gesamtpaket aus Telefon- und Internetanschluß, einem Internet-Pauschaltarif und 600 Minuten Ferngespräche in das deutsche Festnetz für gut 34 Euro im Monat an. Die DSL-Anbieter können da zur Zeit nicht mithalten: Zwischen 45 und 50Euro kostet das Paket bei T-Online, Freenet und 1&1.
Während sich der Preiskampf in der Öffentlichkeit meist auf die Anschlüsse und den Internetzugang konzentriert, herrschen bei den Telefontarifen noch große Unterschiede. Kunden im falschen Telefontarif können ihren Preisvorteil im Internet schnell wieder verlieren. Zum Beispiel berechnet Kabel Baden-Württemberg für Ferngespräche in das deutsche Festnetz 6,5 Cent je Minute in Hauptzeit, während Internet-Telefonieanbieter 1 Cent je Minute berechnen. Auch 1&1 hat einen Ausreißer in seinen Tarifen: Für ein Gespräch in das westeuropäische Ausland berechnet das Unternehmen 9 Cent je Minute, etwa das Fünffache des üblichen Call-by-Call-Niveaus in Deutschland.
Um die Telefonkosten zu deckeln, empfiehlt sich für Vieltelefonierer daher ein Telefon-Pauschaltarif: Knapp 10 Euro verlangen T-Online, Freenet, 1&1, Hansenet und Versatel für unbeschränkte Tele 2, Arcor, Kabel Deutschland und Kabel Baden-Württemberg verlangen für diese Flatrate für knapp 20 Euro. Telefonate in das deutsche Festnetz. Telefonate in Handynetze oder ins Ausland kosten in allen allen Pauschaltarifen allerdings extra.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.386,39 | +0,70% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2526 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 106,92 $ | −0,32% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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