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Nervige Klingelei Verbraucherschützer mobilisieren gegen Telefonwerbung

31.08.2007 ·  Täglich gehen von Call Centern etwa 900.000 unerwünschte Anrufe aus. Dabei werden die Verbraucher am Telefon mit Kaufverträgen überrumpelt. Verbraucherschützer fordern nun, einen geplanten Gesetzentwurf zu verschärfen.

Von Konrad Mrusek
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Kaufverträge bei unerwünschter Telefonwerbung sollten erst dann wirksam werden, wenn sie in schriftlicher Form bestätigt werden. Das verlangen die Verbraucherzentralen. Sie fordern das Bundesjustizministerium auf, einen geplanten Gesetzentwurf zu verschärfen. Bisher sind im Entwurf zur Novelle des Wettbewerbsrechts lediglich Bußgelder vorgesehen gegen Call Center, die sich über das Verbot unerwünschter Telefonwerbung hinwegsetzen oder ihre Rufnummer gesetzeswidrig unterdrücken, so dass Kunden nicht gegen die Anrufer vorgehen können.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband verlangt nun, dass auch Verträge bei solchen Anrufen für nichtig erklärt werden. Seit drei Jahren ist nach dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) Telefonmarketing nur dann erlaubt, wenn der Kunde vorher mit diesem sogenannten „cold call“ einverstanden ist. Trotzdem werden bei solchen Telefonaten geschlossene Verträge wirksam, wenn nicht innerhalb einer zweiwöchigen Frist Einspruch erhoben wird.

„Einladung zum Rechtsbruch“

„Diese Einladung zum Rechtsbruch muss unterbunden werden“, forderte Gerd Billen, der Vorstand des Bundesverbandes, in Berlin. Bußgelder allein würden nicht ausreichen, um in dieser Branche weiße und schwarze Schafe voneinander zu scheiden und Bürger vor „nervigen Anrufen“ zu bewahren.

Der Verband verwies auf eine Umfrage, die er von der Gesellschaft Forsa erstellen ließ. Danach unterstützen 98 Prozent der Befragten die Forderung nach einer Unwirksamkeit der Verträge, wenn diese nicht schriftlich bestätigt werden. 86 Prozent fühlen sich durch Werbeanrufe belästigt. Jeder Zweite ist der Ansicht, dass die Zahl dieser Anrufe zugenommen hat.

Täglich 900.000 unerwünschte Anrufe

Nach einer Schätzung der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg gibt es täglich 900.000 unerwünschte Anrufe von Call Centern. Nach der Forsa-Studie macht die Telekommunikationsbranche am häufigsten Telefonwerbung, gefolgt von Lotterien und Gewinnspiel-Unternehmen. Gerade Gewinnspiele sind eine beliebte Methode, um im Kleingedruckten das Einverständnis zur Telefonwerbung einzuholen. „Tausende Verbraucher klagen darüber, dass sie allenfalls Informationsmaterial angefordert und dennoch eine Vertragsbestätigung erhalten haben“, sagt Ronny Jahn von der Verbraucherzentrale Berlin.

„Wir sind nicht gegen jede Art von Telefonmarketing“, versicherte Billen. „Doch es ist penetrant, wie die Branche teilweise vorgeht.“ Er berichtete von einem 82 Jahre alten Mann, der 50 Anrufe erhielt, dabei nie nein sagen konnte und dessen Kaufverpflichtungen die Tochter dann mit 150.000 Euro summierte. „Wir werden überschüttet von Beschwerden“, sagte Billen. Er widersprach dem Vorsitzenden des Call Center Forum Deutschland, Manfred Stockmann, dass es in der Branche nur wenige schwarze Schafe gebe. Die Branche wächst schnell. Man schätzt, dass die rund 5500 Call Center Ende 2007 bereits 420.000 Mitarbeiter haben werden. Wegen ihres schlechten Images wollen die Unternehmen nun einen Ehrenkodex schaffen und 2008 eine Beschwerdestelle einrichten.

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