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Veröffentlicht: 16.01.2015, 17:26 Uhr

Naina-Debatte Wie ein Tweet eine Bildungsdebatte auslösen konnte

Es war nur eine banale Wahrheit auf 140 Zeichen von einer Schülerin. Trotzdem hat dieser Tweet eine Diskussion über Schule und Bildungsinhalte ausgelöst. Nun hat die Schülerin mit dem Twittern aufgehört.

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© dpa Wie gut ist Schule - und worauf sollte sie vorbereiten?

Es waren nur wenige Wörter, an einem Samstagabend dahingetippt, wie es so viele Teenager an jedem Abend tun. „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ Eine banale Wahrheit, doch die 17-Jährige Naina hat damit offensichtlich einen Nerv getroffen und eine große Diskussion ausgelöst.

Franz Nestler Folgen:

Bisher wurde dieser Tweet 15.000 mal retweetet und 27.000 mal favorisiert. Die junge Schülerin hat seit Montag mehr als 10.000 Follower hinzugewonnen, aktuell sind es 16.700 Follower. Schnell sind die Medien auf die junge Schülerin und ihre Nachricht aufmerksam geworden. Der Fernsehsender ProSieben war wohl das erste Medium, welches auf sie aufmerksam wurde und ihrem Tweet so einem Publikum von mehr als einer Million Menschen zugänglich machte. Danach folgte ein Riesen-Medien-Spektakel. Nahezu alle Medien – auch die F.A.Z. – nahmen diesen Tweet zum Anlass, um darüber zu diskutieren, was Bildung eigentlich leisten muss. Die Meinungen gingen weit auseinander: Manche wollten mehr Wirtschaft in der Schule, andere hatten Angst vor einer Überfrachtung der Lehrpläne. Selbst Bildungswissenschaftler meldeten sich zu Wort, und natürlich hatten auch Schüler dazu eine Meinung. Bildungspolitiker aller politischen Couleur gaben ihre Meinung dazu ab.

Für Naina war es wohl die spannendste Woche in ihrem Leben. Sie war beim großen Kölner DuMont-Verlag zu Gast, der unter anderem den Express, Kölner Stadtanzeiger und die Kölnische Rundschau verlegt und mit koeln.tv einen eigenen Fernsehsender hat. Am Mittwoch traf sie sich mit ihrer Rektorin zum Gespräch, medienwirksam natürlich mit der Bild-Zeitung, die ihr daraufhin eine halbe Seite widmete. Ihr vorläufiger Höhepunkt: Donnerstagabend war sie bei ihrer ganz persönlichen Lieblingssendung TV-Total, von der sie auch twitterte.

Doch warum genau hat gerade Naina mit solch einer banalen Wahrheit eine so durchschlagende Wirkung? Das ganze verrät viel über die Macht von Twitter, und darüber, wie Medien funktionieren. Zum einen die Form: Twitter eignet sich perfekt dazu, um einfache Wahrheiten darzustellen. Natürlich ist es auch eine Kunst, auf 140 Zeichen etwas Kluges oder Beachtliches zu posten – doch Naina hat es zumindest in diesem Tweet geschafft. Dazu hat der Tweet ein zentrales Thema, zu dem jeder eine Meinung hat und über das jeder sprechen kann: Schule. Jeder war in einer, jeder hat eine Meinung dazu.

Und zu guter Letzt: Naina erfüllt vieles, was die Medien lieben: Sie ist klug, wortgewandt und sieht gut aus. Was die Medien noch mehr lieben: Wenn Menschen etwas interessant finden. Wird etwas hundertfach oder gar tausendfach geteilt ist das für jeden Medienmacher und Journalisten ein untrügliches Zeichen dafür, dass das die Menschen bewegt. In einer Zeit, in der Klickzahlen eine starke Währung sind, führt das auch automatisch zu einer Berichterstattung über solche Tweets.

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Doch nun kommt langsam auch die Welle zurück. Im Internet beklagt sich Naina nun über den Hass, der auf sie zurückschlägt. Manche werfen ihr vor, sie habe den Tweet nur geklaut. Andere suchen uralte Nachrichten von ihr raus, die vielleicht politisch unkorrekt oder unreif waren – aber nichts­des­to­trotz einem Teenager völlig angemessen. Und so hat Naina zum Schluss leider eine sehr bittere Lektion gelernt: Alles was im Netz steht, wird ab einer gewissen Bekanntheit von manchen Menschen ausgeleuchtet. Und leider gibt es dann einige, die deshalb einen ganzen Kübel voll Spott, Hohn und auch Hass über einen Teenager auskippen. Naina hat sich deswegen vorerst von Twitter öffentlich zurückgezogen. Schade.

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