11.10.2006 · Noch in diesem Monat werden mehr als tausend Mitarbeiter des insolventen deutschen Mobiltelefonherstellers Benq Mobile ihren Arbeitsplatz verlieren. Eine Sprecherin des Insolvenzverwalters hat Informationen der F.A.Z. über den Stellenabbau bestätigt.
Mindestens tausend Mitarbeiter des insolventen deutschen Mobiltelefonherstellers Benq Mobile werden schon bald ihren Arbeitsplatz verlieren. Eine Sprecherin des Insolvenzverwalters Martin Prager bestätigte Informationen der F.A.Z. über die Größenordnung des geplanten Stellenabbaus. Die betroffenen Mitarbeiter sollen demnächst freigestellt werden, aber zunächst weiterhin Insolvenzausfallgeld erhalten, sagte sie.
Nach Informationen der F.A.Z. sind vor allem die Verwaltungsabteilungen überbesetzt. Auch die Produktion muß dem verringerten Volumen angepaßt werden. Deshalb wird erwartet, daß das Unternehmen noch in diesem Monat eine vierstellige Zahl der Beschäftigten freistellen wird. Um eine Kündigung handelt es sich noch nicht.
An diesem Donnerstag trifft sich der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Prager zu einem Gespräch mit den Arbeitsministern von Bayern und Nordrhein-Westfalen sowie Repräsentanten von Siemens und der IG Metall, um Möglichkeiten für eine Zukunft der rund 3.000 Beschäftigten von Benq Mobile auszuloten.
Massiver Stellenabbau wohl unumgänglich
Prager hat schon mehrmals darauf hingewiesen, daß er das Geschäft vom 1. Januar an nur fortführen kann, wenn das Unternehmen, das am 29. September einen Insolvenzantrag gestellt hat, Gewinne erzielt. Darauf muß er die verlustreiche Gesellschaft mit einer Umstrukturierung vorbereiten. Ein massiver Stellenabbau ist dafür offenbar unumgänglich. "Derzeit stehen alle Strukturen auf dem Prüfstand", sagte eine Sprecherin Pragers. Schritte für eine Restrukturierung würden so bald wie möglich angekündigt.
In vier von fünf Fällen müsse ein Insolvenzverwalter aus Zeitgründen schon im vorläufigen Verfahren einen erforderlichen späteren Personalabbau vorbereiten, sagte auf Anfrage Rechtsanwalt Eberhard Braun, ebenfalls ein Insolvenzverwalter. "Hinter den Kulissen muß man sofort mit Gesprächen mit dem Betriebsrat anfangen, zum Beispiel über einen Interessenausgleich." Kündigungen könnten jedoch erst nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ausgesprochen werden. Ein sogenannter schwacher vorläufiger Verwalter wie Prager sei dazu nicht befugt.
Hilfsfonds nicht ausreichend
Benq Mobile beschäftigt in der Zentrale in München rund 1.400 Mitarbeiter und an den niederrheinischen Standorten Kamp-Lintfort (Produktion) und Bocholt (Reparatur und Teile der Buchhaltung) etwa 1.600 Männer und Frauen. Selbst wenn sich ein Investor für das gesamte Unternehmen fände, sei ein starker Abbau von Arbeitsplätzen erforderlich, heißt es in der Branche. In der Personalabteilung in München seien zum Beispiel mehr als 50 Mitarbeiter angestellt, im Rechnungswesen 100 und in der Datenverarbeitung rund 80. An der Größe des Unternehmens gemessen, wäre die Hälfte ausreichend, wie zu hören ist. Offenbar hat der taiwanische Konzern Benq die Strukturen in dem früheren Handygeschäft von Siemens zumindest zum Teil beibehalten.
Das Gespräch an diesem Donnerstag von Politik, Gewerkschaft und Unternehmen kommt auf Initiative von Siemens zustande. Am "Runden Tisch" soll mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter die Möglichkeit erörtert werden, eine Beschäftigungseinheit von Benq Mobile Deutschland zu gründen. Sie soll den Beschäftigten, die ihren Arbeitsplatz verlieren, helfen, sich weiterzubilden und eine neue Stelle zu finden. Siemens will dafür 35 Millionen Euro aus einem Hilfsfonds zur Verfügung stellen. Angesichts der großen Zahl von Mitarbeitern, die ihre Stelle verlieren werden, dürfte dieser Betrag aber bei weitem nicht ausreichen.
Siemens richtet Jobbörse ein
Siemens hat unterdessen angekündigt, eine zentrale Koordinationsstelle für jobsuchende Mitarbeiter des insolventen deutschen Handy-Herstellers Benq Mobile einzurichten. In der Koordinationsstelle werden nach Angaben des Unternehmens vom Mittwoch Bewerber- und Anforderungsprofile der 2.000 aktuell in Deutschland offenen Stellen zeitnah zusammengeführt. Im Rahmen des elektronischen Matchings könne dann sehr schnell entschieden werden, wer für die Stellen entsprechend qualifiziert sei.
Die Voraussetzungen für das Verfahren seien durch den Insolvenzverwalter Martin Prager geschaffen worden. Danach müssen jobsuchende Mitarbeiter ihr Interesse an einer offenen Stelle bei Siemens zunächst bei der Leitung der Münchener Personalabteilung von Benq Mobile bekunden. Diese leite die Anfragen zur Bearbeitung an Siemens weiter. Auf diesem Weg werde das vertraglich festgelegte Abwerbeverbot nicht verletzt.
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