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MySpace-Manager Katz: "In zwei Jahren wird MySpace die größte Internetseite Deutschlands sein"

23.07.2007 ·  T-Online überholen, E-Mail-Dienste kannibalisieren, Werbekunden überzeugen - Travis Katz, der das internationale Geschäft der Online-Gemeinschaft MySpace verantwortet, will in nur zwei Jahren den deutschen Markt aufrollen.

Von Holger Schmidt
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Als Medienmogul Rupert Murdoch die Online-Gemeinschaft MySpace vor zwei Jahren für 580 Millionen Dollar erwarb, rieb sich die Medienbranche wegen des hohen Preises verwundert die Augen. Aus der Verwunderung ist längst Bewunderung für seinen Spürsinn geworden, denn MySpace zählt mit heute 110 Millionen Nutzern in 18 Ländern zu den größten Internetseiten der Welt. Sechs Milliarden Dollar sei MySpace wert, sagte Murdoch schon Ende des vergangenen Jahres, und sogar mit elf Milliarden Dollar wäre die Gemeinschaft beim jüngst angedachten Tausch gegen Yahoo-Anteile bewertet worden.

„Das Internetportal der nächsten Generation“

Nun will MySpace den deutschen Markt aufrollen und schon in zwei Jahren T-Online von der Spitze verdrängen. Als Wettbewerber hat das Unternehmen nämlich nicht die deutschen Netzwerke wie StudiVZ oder Xing im Auge. "Der fundamentale Ansatz von MySpace war nie, eine soziale Gemeinschaft zu bilden, sondern das Internetportal der nächsten Generation, das sich am sozialen Leben der Nutzer orientiert und damit die bisherigen Portalansätze auf den Kopf stellt. Wenn wir von Wettbewerbern sprechen, denken wir in Deutschland daher an Yahoo oder T-Online. Unser Anspruch ist, die größte Internetseite in Deutschland zu werden, also T-Online zu überholen. Dafür geben wir uns zwei Jahre. In den Vereinigten Staaten sind wir bereits die Nummer 1", sagte Travis Katz, der das internationale Geschäft von MySpace verantwortet, dieser Zeitung.

Kein Teenager-Netzwerk

Die Nutzer von MySpace sind meistens jung, aber nicht so jung, wie oft vermutet werde, sagte Katz. Der Ruf eines Teenager-Netzwerks sei falsch. "Der durchschnittliche Nutzer ist 24 Jahre alt; die Spannbreite geht von 11/12 Jahren bis in die älteren Zwanziger. Die Geschlechter sind exakt gleich vertreten. Der Altersdurchschnitt in Deutschland ist etwas höher als in den Vereinigten Staaten. Aber auch dort sind drei Viertel der Nutzer älter als 18 Jahre."

Mit dem Start in Deutschland ist er zufrieden. "Die deutsche Community hat MySpace besser angenommen, als wir es erhofft haben. Wir haben unser lokales Angebot hier im September 2006 gestartet. Die Zahl der Nutzer ist seitdem auf 4 Millionen gestiegen und legt jeden Monat etwa 15 Prozent zu", sagte Katz. Die Nutzer haben im Mai 618 Millionen Seiten aufgerufen; dieser Wert wachse mit durchschnittlich 25 Prozent im Monat, sagte Katz. Zum Vergleich: T-Online hat zurzeit 13,5 Millionen Nutzer und 2,1 Milliarden Seitenaufrufe im Monat, wächst aber nicht mehr.

E-Mail-Dienste kannibalisieren

Das sei typisch für den Markt, denn Web 2.0 kannibalisiere die klassischen Portale. "In den vergangenen zwölf Monaten haben wir AOL, Yahoo und MSN in den Vereinigten Staaten überholt. Parallel zu unserem Wachstum sind die Zugriffe auf diese Portale gesunken. Wir werden reine E-Mail-Dienste tendenziell ersetzen. Junge Nutzer senden keine E-Mails mehr, denn Communities bieten viel bessere, interaktivere Möglichkeiten der Kommunikation. Das E-Mail-Geschäft wird von den sozialen Netzwerken kannibalisiert", sagte Katz.

Deutschland sieht er dabei erst am Anfang seiner Entwicklung. "In den weit fortgeschrittenen Märkten wie den Vereinigten Staaten und Großbritannien rufen die Nutzer im Durchschnitt 1000 Seiten im Monat auf. In vergleichsweise jungen Märkten wie Deutschland und Frankreich ruft jeder Nutzer im Durchschnitt 600 Seiten je Monat auf. Die Menschen brauchen etwas Zeit, ihr Netzwerk aufzubauen", sagte Katz. Der Fokus in Deutschland liege daher klar auf Wachstum, weniger auf Umsatz. Deshalb beginnt MySpace erst jetzt mit der Vermarktung seiner Seite.

Markenkampagnen statt Bannerwerbung

Das Management-Team, das zurzeit zwölf Angestellte umfasst, soll dafür in den kommenden sechs Monaten verdreifacht werden - und muss erst einmal Aufklärungsarbeit leisten. "Die Möglichkeit, auf MySpace zu werben, ist fundamental neu. Das gab es vorher im Internet nicht. Wir erlauben Unternehmen, soziale Gemeinschaften um ihre Marken herum zu bilden, so dass die Nutzer die Marken bekannt machen und mit ihnen verbunden sind. Viele Werber sind inzwischen der Meinung, MySpace sei eine der effektivsten Werbeplattformen im Internet, da der direkte Kontakt mit Kunden möglich sei. Es hat uns allerdings einige Zeit gekostet, den Werbern zu erklären, was sie auf MySpace tun können. In Deutschland müssen wir diese Aufklärungsarbeit erst noch leisten, da sich unsere Werbung doch stark von klassischer Bannerwerbung unterscheidet", sagte Katz. Für eintausend Kontakte müssen Werbekunden zwischen 5 und 25 Euro zahlen.

Klickraten sind niedrig

Vorbehalte gegen die Werbung auf MySpace sieht er in den entwickelten Märkten nicht mehr. "Die Klickraten sind niedrig - zugegeben. Aber man kann die Klickraten nicht mit normalen Portalen vergleichen, denn die Nutzung in Communities ist zehn- oder zwanzigmal höher als in Portalen. 80 Prozent der Fortune-500-Unternehmen werben auf MySpace", sagte der ehemalige McKinsey-Berater. Das Kleinanzeigengeschäft sei für ihn nicht so wichtig. "In Amerika werden die Kleinanzeigen zwar intensiv genutzt, aber das ist kein Wachstumstreiber in Deutschland", sagte Katz.

Konkrete Angaben zum Umsatz darf er nicht treffen. "Zum Umsatz kann ich nur sagen, dass die 900 Millionen Dollar, die wir von Google für die drei Jahre bekommen haben, nicht der größte Teil unserer Werbeerlöse sind." Google hatte den Betrag gezahlt, um für drei Jahre als alleinige Suchmaschine auf MySpace eingebunden zu sein. Damit allein hatte Murdoch den Kauf schon finanziert.

750 Millionen Dollar Umsatz

Katz' Angaben decken sich mit Analystenschätzungen, die MySpace auf etwa 40 Millionen Euro Umsatz im Monat taxieren. Bis zum kommenden Jahr werde sich der Wert verdoppeln - bei sehr hohen Margen, sagte Richard Grennfield von Pali Research. Im einem Jahr werde der Umsatz rund 750 Millionen Dollar betragen, erwartet Greenfield.

Allerdings ist auch MySpace kein Selbstläufer. Murdoch sagte in einem Interview auf die Frage, ob alle Zeitungsleser zu MySpace abwanderten, die Leser gingen leider alle zu Facebook. Die ehemalige Studentengemeinschaft, die inzwischen allen offensteht und das Vorbild für StudiVZ war, wächst zurzeit deutlich schneller als MySpace und hatte im Mai schon 47 Millionen Besucher. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat seine Gemeinschaft für Entwickler geöffnet. Die Nutzer integrieren deren Programme nun in ihre Seiten, wovon Facebook stark profitiert.

Facebook abwehren

Katz kann sich vorstellen, dass MySpace sich ebenfalls öffnet. "Facebook zeigt eine Liste mit den Anwendungen, die sich die Nutzer installieren können. Wir schauen uns das sehr genau an und überlegen, ob wir auch eine solche Liste einrichten sollen", sagte Katz. Einen Verdrängungswettbewerb gegen Facebook erwartet er nicht. "Wir glauben nicht, dass der Gewinner in diesem Markt alles bekommt. Die Menschen werden unterschiedliche Communities nutzen, abhängig von ihrer Lebenssituation."

Quelle: F.A.Z., 09.07.2007, Nr. 156 / Seite 19
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