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Musikindustrie Hits aus dem Netz - ganz legal

29.02.2004 ·  Immer wieder wurde der Start verschoben, jetzt soll im März auf der Cebit der Startschuß fallen: Die deutsche Musikindustrie präsentiert eine Plattform zum legalen Downloaden.

Von Carsten Knop
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Auf der Computermesse Cebit wird der Startschuß fallen. Bundeskanzler Gerhard Schröder wird am 18. März ein Musikstück aus dem Internet herunterladen und dabei gegen kein Urheberrecht verstoßen. Am ersten Messetag in Hannover will die Musikindustrie endlich ihr Versprechen wahr machen, den Raubkopierern auch in Deutschland eine legale Alternative entgegenzusetzen. Ihre gemeinsame Vertriebsplattform Phonoline funktioniert. Und die Vertriebspartner stehen fest: Die Einzelhandelskette Saturn und der Verkäufer von Konzerttickets, CTS Eventim, werden für einige Monate exklusive Partner von Phonoline sein.

"Wir werden zum Start 250 000 Musikstücke aus allen Genres zum Download anbieten", sagt Klaus-Peter Schulenberg, Vorstandsvorsitzender von CTS Eventim. Nach einiger Zeit soll der Katalog auf rund 700000 Stücke anwachsen. Alle großen Plattenkonzerne von Universal Music über die Bertelsmann-Musiksparte BMG bis hin zu Sony Music, Warner und EMI werden ihre Künstler über die Internetadresse "eventim-music.de" und das Online-Angebot von Saturn vermarkten. Der Preis eines Titels soll zwischen 1,19 Euro und 1,99 Euro liegen.

Ehrgeiziges Ziel

Das ruhige Gewissen, ein Stück legal aus dem Internet heruntergeladen zu haben, ist damit nicht ganz billig. "Der Download ist aber noch immer attraktiver als der Kauf einer ganzen CD, auf der oft ohnehin nur zwei oder drei Lieder interessant sind", sagt Schulenberg. Zudem: Wer alle Titel im Internet kaufen wolle, die sich auch auf einer CD finden lassen, werde dafür nicht mehr bezahlen als im Laden. "Es wird Paketangebote geben, deren Preise zwischen 9,99 und 16,99 Euro liegen werden."

Schulenberg ist davon überzeugt, daß sein Unternehmen der natürliche Partner für Phonoline ist. "Meine beiden Internetportale eventim.de und getgo.de, über die wir unsere Konzertkarten verkaufen, besuchen schon jetzt mehr als 40 Millionen Musikfans im Jahr. Diese Zahl wird sich 2004 verdoppeln." Das schaffe in Deutschland kein anderer Anbieter. Zudem biete CTS Eventim eine einzigartige Kombination: Konzerttickets und die Musik des jeweils besuchten Künstlers. "In der Zukunft hoffen wir, auch Konzertmitschnitte der von einem Ticketkäufer jeweils besuchten Veranstaltung und Titel, die es überhaupt nur bei uns geben wird, anbieten zu können." Dabei sollen gute Beziehungen zu Gruppen wie etwa U2 helfen. Noch im laufenden Jahr hofft Schulenberg 5 Millionen Musikstücke über das Internet zu verkaufen, räumt aber ein, daß dies wohl ein ehrgeiziges Ziel ist.

Historisches Ereignis

Für die deutsche Musikindustrie ist der Start von Phonoline - trotz bisher wenig beachteter Alternativangebote von Mediamarkt und World of Music (WOM) - ein historisches Ereignis, das schon oft angekündigt, dann aber immer wieder verschoben wurde. Ursprünglich sollte es zur Branchenmesse Popkomm im vergangenen Sommer losgehen. Doch stand damals noch nicht fest, wer die Technik des Angebots betreuen sollte. Später sicherte sich die Telekom-Tochtergesellschaft T-Com den Auftrag, verpaßte aber den Start zum Weihnachtsgeschäft. "Jetzt gibt es keine weiteren Verzögerungen mehr", verspricht Schulenberg.

Die im Internet gekauften Titel dürfen für den privaten Gebrauch kopiert und an Familienmitglieder oder auch Freunde weitergegeben werden. In die Titel, die im sogenannten MP3-Format abgegeben werden, ist allerdings ein Kopierschutz eingebaut, der je nach Künstler und Musikkonzern unterschiedlich restriktiv ist. Von CTS Eventim wird ein kostenloses Programm abgegeben, mit dem sich die Lieder abspielen, auf CD brennen oder auf ein tragbares Abspielgerät, einen MP3-Player, übertragen lassen.

Niedrigere Preise

In den Vereinigten Staaten können Musikfans bereits seit einem Jahr legal Musik aus dem Internet herunterladen - mit dem "iTunes Music Store"-Angebot des Computerkonzerns Apple. Der hat nach eigenen Angaben in dieser Zeit schon mehr als 30 Millionen Lieder zu einem Preis von einheitlich 99 Cent je Titel verkauft. "Wir halten an dem Ziel fest, den Musicstore noch in diesem Jahr auch in Europa anzubieten", sagt Alan Hely, der europäische Kommunikationschef von Apple. Apple werde jedoch keine Abstriche an der Benutzerfreundlichkeit gegenüber dem in Amerika so erfolgreichen Angebot zulassen. Unterdessen mehren sich die Anzeichen, daß zumindest in Großbritannien der "iTunes Music Store" nicht mehr lange auf sich warten läßt und der Preis je Titel deutlich unter dem von Phonoline liegen wird.

Anders als Apple-Mitbegründer Steve Jobs ist der Bremer Kaufmann Schulenberg niemand, der in einschlägigen Kreisen von Computer- und Musikenthusiasten bekannt wäre. Doch sollte Schulenberg deshalb nicht unterschätzt werden: CTS Eventim ist der zweitgrößte Verkäufer von Eintrittskarten für Konzerte und andere Großereignisse der Welt. Zu Schulenbergs Unternehmen gehören die Konzertagenturen Marek Lieberberg, Peter Rieger und mehr als 1300 Vorverkaufsstellen. CTS hat Partnerschaften mit Vodafone, T-Mobile, Yahoo, T-Online, eine strategische Allianz mit dem Konzertweltmarktführer Clearchannel - und will diese auch auf sein Musikdownload-Angebot ausdehnen. Zunächst gilt es aber, Kanzler Schröder als ersten Kunden zu gewinnen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.02.2004, Nr. 9 / Seite 31
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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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