06.02.2006 · Für Plattenkonzerne ist die Kooperation zwischen Sony-BMG und dem DSL-Zugangsanbieter Playlouder ein Pakt mit dem Teufel. Denn die Kunden des Anbieters können Dateien von Sony beliebig tauschen.
Für die Traditionalisten im Musikgeschäft ist es ein Pakt mit dem Teufel: Der Plattenkonzern Sony-BMG kooperiert seit Mitte 2005 mit dem britischen DSL-Zugangsanbieter Playlouder. Dessen Kunden dürfen untereinander alle Songs, die von Sony-BMG vertrieben werden oder wurden, in beliebigen Dateiformaten legal untereinander tauschen. Die Zeche für die von Sony-BMG abgesegnete Tauschbörse bezahlt der Provider Playlouder, der auf diesem Weg neue Kunden gewinnen will. Die Musikproduzenten werden also an den DSL-Gebühren beteiligt.
Die Vereinbarung ist ein Novum im Musikgeschäft, haben die Plattenkonzerne doch bisher Online-Tauschbörsen wie Gnutella oder E-Donkey, mit deren Hilfe die Nutzer kostenlos Lieder hin- und herschieben, mit allen juristischen Mitteln bekämpft. Schließlich hat vor sechs Jahren Napster, die erste Internet-Tauschbörse, den Niedergang des angestammten CD-Geschäfts eingeleitet.
CD liefert weiterhin meisten Teil des Umsatzes
Das Beispiel Playlouder zeigt, daß die Musikbranche nach langem Zögern damit begonnen hat, offensiv nach neuen Einnahmequellen im digitalen Musikvertrieb zu suchen, um die beträchtlichen Rückgänge im traditionellen CD-Geschäft auszugleichen. Dabei experimentieren die Konzerne auch weiterhin mit Abo-Modellen für Musik. Während der Kunde etwa im Apple-Musicstore beim Download ein Musikstück als digitale Datei erwirbt und beliebig lange nutzen kann, ist beim Abo der Zugriff zeitlich beschränkt. Kündigt der Nutzer die Mitgliedschaft, hat der Musikfan keinen Zugang mehr zur virtuellen Jukebox.
Doch die Musikmanager versuchen auch, die altvertraute Silberscheibe weiterzuentwickeln. Kein Wunder, liefert die CD, die seit mehr als 20 Jahren auf dem Markt ist, doch noch immer den weitaus größten Teil der Umsätze. Im vergangenen Jahr führte die deutsche Musikindustrie die sogenannte Dual Disc ein. Diese ist eine Kombination aus CD und DVD und liefert zur Musik auch Filmmaterial über den Künstler, etwa Hintergrundreportagen oder Interviews.
Experimente mit gestaffelten CD-Preisen
Vorreiter Sony-BMG hofft damit auch verstärkt ältere Kundengruppen ansprechen zu können, die für die Plattenkonzerne als Käufer immer wichtiger werden. Weil die Dual Disc erst wenige Monate im Handel ist, läßt sich bisher aber noch nicht recht abschätzen, wie erfolgreich die Innovation im weiterhin schwierigen Musikmarkt ist.
Schon seit 2004 experimentieren die Musikkonzerne in Deutschland mit gestaffelten Preisen für CDs. Universal Music und Sony-BMG stellen manche ihrer Neuveröffentlichungen in unterschiedlichen Ausführungen in die Regale der Plattenläden: Die Kunden können sich zwischen der billigen Basisvariante und einer mit üppigem Begleitmaterial ausgestatteten Luxusvariante entscheiden. Der niedrigere Einstiegspreis für die Basisversion soll vor allem Musikfans, denen die Tonträger zu teuer geworden sind, zurück an die Kassen der Einzelhändler locken.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.386,39 | +0,70% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2526 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 106,92 $ | −0,32% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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