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Mozilla-Chefin Mitchell Baker im Gespräch „Die Firefox-Nutzerzahl wächst weiter - trotz Google“

 ·  Sie haben Microsoft aus der Reserve gelockt: Die Mozilla-Stiftung stieß mit Firefox den Softwareriesen vom Browser-Thron. Und auch vor Google Chrome ist Mozilla-Chefin Mitchell Baker nicht bange - trotz der eigenen Verstrickungen zum Suchmaschinengiganten.

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Die Mozilla Stiftung hat sich mit Microsoft angelegt. Mit Erfolg: Ihr Browser Firefox hat das Monopol des Internet Explorer gebrochen. Mitchell Baker, Aufsichtsratsvorsitzende der Mozilla Stiftung, erklärt, worauf es im Browser-Markt jetzt ankommt und warum sie den neuen Konkurrenten Google Chrome gelassen sieht.

Frau Baker, Sie haben den Softwareriesen Microsoft aufgeweckt. Nach Jahren des Stillstands entwickelt Microsoft seinen Browser Internet Explorer (IE) weiter. Beunruhigt Sie das?

O nein, wir sind glücklich, wenn die Menschen vom Internet Explorer 6 auf den Explorer 7 umsteigen. IE 7 ist zwar nicht so gut wie der Firefox, aber immerhin schon mal sicherer als der IE 6.

Warum wechseln Internetnutzer den Browser? Sicherheit, Geschwindigkeit, Zusatzfunktionen?

Oh, es gibt immer Push-und-Pull-Faktoren. Der wichtigste Faktor ist, dass der Internet Explorer 6 so ein schrecklicher Browser ist. Der IE 7 ist schon besser, aber der IE 8 schaut nicht wirklich innovativ aus. Für einen Wechsel spricht die Sicherheit, weil die Menschen mit dem IE6 die Kontrolle über ihren Rechner verloren haben. Auch der leichte Zugang zur Suche über die Suchbox. Diese Funktion hat erst Firefox eingeführt.

Google hat seinen Browser Chrome vorgestellt. Befürchten Sie, dass die Tech-Gemeinde jetzt weiterzieht?

Es gibt sicher einige Tech-Begeisterte, die Chrome ausprobieren. Vor allem wegen der Geschwindigkeit. Aber unsere Nutzerzahlen steigen trotz Chrome weiter. Der Marktanteil des Firefox in Deutschland liegt schon über 40 Prozent. Die Community ist sehr aktiv hier. Viele Mozilla-Entwickler kommen aus Deutschland.

Stört es Sie, dass die Mozilla Stiftung 80 Prozent ihrer Einnahmen von Google über die Einbindung des Suchfensters bekommt? Macht das nicht abhängig?

Zuerst: Wir sind Wettbewerb gewohnt. Als wir gestartet sind, hatte Microsoft mit seinem Internet Explorer einen Marktanteil von mehr als 95 Prozent. Viele sagten uns damals, niemand gewinne Marktanteile gegen einen Monopolisten. Zweitens: Unsere Beziehung zu Google ist außergewöhnlich gut. Ich sehe daher kein Problem darin.

Was sind die nächsten Schritte in der Browser-Entwicklung?

Geschwindigkeit. Auf diesem Feld hat der Wettbewerb angefangen und wird auch die nächste Zeit bestimmen. Zumal die Applikationen, die im Browser laufen, immer komplexer werden. Zudem wird die Möglichkeit, die persönlich wichtigen Informationen aus dem Browser direkt auf den Computer zu transportieren, ebenfalls wichtiger werden.

Welches Firefox Add-on mögen Sie am liebsten?

Ubiquity. Es bringt mehr Funktionen in den Browser. Ein Beispiel: Man kann eingeben „Suche auf Amazon nach einem Buch und sende das Ergebnis an Person X“. Die einzelnen Schritte, auf Amazon zu gehen, den Link zu kopieren und anschließend den Link zu versenden, entfallen dann. Ubiquity ist eher ein Experiment, um diese Arbeitsschritte einfacher zu machen. Ubiquity spart enorm Zeit.

Wird Cloud Computing den Browser-Markt beeinflussen? Schließlich haben Microsoft und Google eine Cloud, Mozilla nicht.

Microsoft hat lange die Vorteile eines integrierten Systems aus einer Hand gepriesen. Ich glaube, die Menschen wollen das nicht. Sie wollen sich die besten Produkte aussuchen. Wir sehen uns daher in einer guten Position.

Befürchten Sie, dass Google Mozilla die Applikationsentwickler für seinen eigenen Browser abwirbt?

Nun, es wird sicher einen Wettbewerb um die Entwickler geben, aber wir sind in einem kompetitiven Umfeld, seitdem wir gestartet sind. Ich glaube nicht, dass Google alle bekommen wird.

Mozillas E-Mail-Programm Thunderbird ist lange nicht so erfolgreich wie der Firefox. Warum?

Thunderbird ist das richtige Programm für einige Millionen Menschen. In Thunderbird 3 werden wir einige Innovationen sehen, die sicher Freunde finden werden.

Wann wird Thunderbird 3 fertig sein?

Im ersten Halbjahr.

Welche neuen Funktionen gibt es?

Die Möglichkeit, Add-Ons einzubinden, wird viel einfacher werden.

Und die mobile Firefox-Variante?

Selber Zeitplan: Die mobile Variante kommt im ersten Halbjahr.

Gilt das auch für die Android-Variante?

Das kann ich noch nicht sagen.

Nützliche Erweiterungen für den Firefox

Der Firefox-Browser kann um Zusatzfunktionen, sogenannte Add-ons, nach Belieben erweitert werden. Die rund 2800 Add-ons können von der Mozilla-Seite im Internet (https://addons.mozilla.org/de/firefox) heruntergeladen werden. Hier eine kurze Liste nützlicher Erweiterungen:

Adblock Plus

Sehr effektiver Werbeblocker, der graphische Werbung zum größten Teil automatisch blockiert. Seiten werden schneller geladen.

NoScript

Ein Add-on für mehr Sicherheit: Das automatische Ausführen von Java-Script oder Java wird unterbunden. Allerdings werden auch viele Videos nicht mehr angezeigt.

PDF Download

Konvertiert Internetseiten in PDF-Dokumente und erleichtert den Umgang mit PDF-Formaten.

Cool Previews

Erlaubt die Vorausschau auf andere Internetseiten, ohne die aktuelle Seite zu verlassen. Eignet sich vor allem, um schnell durch viele Suchergebnisse zu navigieren.

Google Preview

Erlaubt die Vorschau auf Suchergebnisse in Google- und Yahoo-Suchen, ohne die Seiten einzeln aufzusuchen.

Surf Canyon

Erleichtert das Finden der gesuchten Wörter auf den Internetseiten. Zudem lassen sich bevorzugte Internetseiten definieren und unbeliebte Seiten aussortieren.

Customize Google

Erweitert Google-Suche. Zum Beispiel können Ergebnisse anderer Suchmaschinen eingeblendet werden oder die Werbung ganz ausgeblendet werden.

GSpace

Erlaubt den Speicherplatz, den Google für E-Mails bereitstellt, auch für andere Dateien zu nutzen. Funktioniert dann wie eine Online-Festplatte. -Ubiquity Experimentelle Firefox-Erweiterung, mit der sich verschiedene Befehle verknüpfen lassen. Lieblings-Erweiterung der Mozilla-Chefin Mitchell Baker.

Das Gespräch führte Holger Schmidt.

Quelle: F.A.Z.
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