14.02.2005 · In Europa kommen im Durchschnitt rund 80 Mobilfunkverträge auf 100 Einwohner - eine durchaus beachtliche Marktdurchdringung. Die Branche kann deshalb nur wachsen, wenn sie den Umsatz pro Kunde steigert.
Die Unternehmen der Mobilfunkbranche, die sich in dieser Woche zur Messe 3GSM World in Cannes treffen, stellen sich eine Frage: Wie kann der Durchschnittsumsatz pro Mobilfunk-Kunde gesteigert werden? Diese in der Branche als Arpu (Average Revenue per User) bezeichnete Größe wird zum Schlüssel der künftigen Mobilfunkentwicklung. Hierin liegt auf den gesättigten Märkten der Industrieländer eine der wenigen kurz- und mittelfristigen Chancen für weiteres Wachstum.
In Europa kommen im Durchschnitt rund 80 Mobilfunkverträge auf 100 Einwohner - eine durchaus beachtliche Marktdurchdringung, die die Grenzen des Kundenwachstums deutlich macht. Daher bleibt nur die Steigerung des Durchschnittsumsatzes pro Kunde, um den Mobilfunkgesellschaften weiterhin anständige Zuwächse zu sichern.
Die neue Mobilfunkwelt könnte jetzt kommen
Dabei setzen die Gesellschaften vor allem auf mobile Datendienste wie das Abrufen von E-Mails, das Herunterladen von Musik auf das Handy sowie Navigations- und Informationsangebote für ihre mobilen Kunden. Immer stärker rücken auch multimediale Handyspiele in den Focus der Branche, bei denen schon heute teilweise mehrere Spieler mit ihren Geräten gleichzeitig in eine Spielumgebung integriert werden. Dies belegt auch die deutlich gestiegene Präsenz der Anbieter solcher Spiele während der Messe in Cannes.
Die Voraussetzungen für das auf diesem Wege angestrebte Wachstum sind geschaffen. Die UMTS-Netze sind aufgebaut, entsprechende Handys liegen in ausreichender Stückzahl vor, und die technischen Kinderkrankheiten sind bewältigt. Eigentlich könnte es jetzt losgehen mit der neuen Mobilfunkwelt, von der die Branche spätestens seit der Versteigerung der UMTS-Lizenzen im Jahr 2000 träumt.
Paketangebote für die Privatkunden
Die Netzbetreiber haben - neben dem begrenzten Kundenwachstum - einen weiteren guten Grund, ihren Kunden die mobilen Datendienste schmackhaft zu machen. Die Anbieter in den Märkten mit hoher Anschlußdichte stehen vor einem Preiskampf in der Sprachübertragung, ihrem bisherigen Kerngeschäft. Die Minutenpreise für Handygespräche sinken schon heute kontinuierlich. Auch die Entgelte, die den Netzbetreibern von den Festnetzgesellschaften für die Durchleitung (Terminierung) der Gespräche zu den Mobilfunkkunden gezahlt werden, sind reduziert worden. Vor allem im lukrativen Geschäftskundensegment sind die Verhandlungsspielräume über die Minutenpreise für Sprachtelefonie sowie die Volumentarife für die Datenkommunikation kräftig unter Druck geraten.
Immer mehr Anbieter gehen dazu über, Paketangebote für ihre Privatkunden zu schnüren, bei denen sich die effektiven Minutenpreise denen des Festnetzes langsam annähern. Ziel ist es dabei, den Preisverfall im Sprachsegment dadurch abzufedern, daß in den Verträgen eine Mindestabnahme vereinbart wird, die nicht auf den nächsten Monat übertragbar ist. Ziel dieser Strategie ist es allerdings, die Kunden dazu zu bewegen, das Mobiltelefon stärker in der häuslichen Umgebung zu nutzen und dadurch dem Festnetz Gesprächsminuten abzujagen. Hierin sehen die Mobilfunkanbieter eine Chance, den Verfall der Gesprächspreise durch ein steigendes Volumen zu kompensieren.
HSDPA - High Speed Downlink Packet Access
Die Arpu-Frage stellen sich keineswegs allein die Netzbetreiber, die in dem direkten Verhältnis zum Kunden stehen. Auch die Netzwerkausrüster denken kräftig darüber nach, welche Datendienste der Kunde denn in Zukunft - neben dem reinen Sprachverkehr - nutzen kann, um den Umsatz in die Höhe zu treiben.
Das Interesse der Ausrüster an dieser Frage ist simpel: Wenn die Kunden nicht mit der Nutzung der Datendienste beginnen, stagniert die Datenlast in den Netzen, und es gibt keine Notwendigkeit, die Kapazitäten zu erweitern oder gar die jetzt entwickelte noch schnellere Übertragungstechnik in den Mobilfunknetzen zu installieren. Diese Technik - in Fachkreisen wird sie mit dem Kürzel HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) bezeichnet - steigert die Übertragungsrate der Daten in den UMTS-Netzen abermals um ein Vielfaches und ermöglicht bessere Videoübertragung auf das Handy, das schnellere Herunterladen von Musik oder auch die komfortablere Datenkommunikation für Geschäftsleute mit den Netzen ihres Unternehmens. Einige Ausrüster werden in Cannes solche HSDPA-Netze aufbauen und im Test präsentieren.
Geräte beherrschen unterschiedliche Funkstandards
Die Handy-Hersteller haben ein konkretes Interesse daran, daß der Arpu in die Höhe getrieben wird. In den meisten Märkten haben sich die Kunden daran gewöhnt, daß sie Mobiltelefone zu einem Schleuderpreis von ihrem Netzbetreiber erwerben können. Diese Subvention kann sich nur der Mobilfunkanbieter leisten, der darauf zählen kann, daß der Kunde diesen Einsatz durch hohe Umsätze auch rechtfertigt. Dies wird künftig nur noch durch die Erschließung der zusätzlichen Umsatzpotentiale durch mobile Datendienste möglich sein. Entsprechend sind die modernen Handys mit allen Voraussetzungen zur Abfrage von E-Mails, dem Surfen im Internet und genug Speicherplatz für Musik oder Spiele ausgestattet.
Bei den Endgeräten zeigt sich allerdings noch eine weitere Tendenz. Es kommen immer mehr Geräte auf den Markt, die unterschiedliche Funkstandards beherrschen. Schon im vergangenen Jahr präsentierte Nokia ein Handy, das auch über eine W-Lan-Fähigkeit verfügt. In diesem Jahr werden viele andere Anbieter diesem Beispiel folgen. Mit diesen Geräten können die Nutzer, wenn sie sich zum Beispiel zu Hause oder am Arbeitsplatz im Funkbereich eines solchen W-Lan (Wireless Local Area Network) befinden, ihren Datenverkehr über dieses Funknetz abwickeln - was deutlich preiswerter ist als die Nutzung der Mobilfunknetze. Schon heute bieten Netzbetreiber wie T-Mobile ihren Kunden diesen Dienst mit eigenen W-Lans zum Beispiel an Flughäfen oder in Hotels an.
Das klassische Festnetztelefon wird überflüssig
Abgerechnet wird über die Mobilfunkrechnung. Dies bedeutet zusätzlichen Umsatz, da die Kunden an diesen Orten bisher eine Festnetzverbindung genutzt oder auf Datenkommuniaktion ganz verzichtet haben. Auf diesem Wege wird es mittelfristig möglich werden, daß Handy zur Telefonie über das Internet (Voice over IP) zu nutzen. Befindet sich der Kunde in einem W-Lan, kann er den dahinter liegenden Breitbandanschluß nutzen, um seine Telefonate auf der Basis des Internet-Protokolls zu führen. Spätestens dann wird das Handy - zur Freude seiner Hersteller - zum einzigen Kommunikationsgerät. Das klassische Festnetztelefon wird überflüssig. Ganz so weit ist es allerdings noch nicht. Die Messe in Cannes wird diese Tendenz aber deutlich zeigen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.386,39 | +0,70% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2526 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 106,92 $ | −0,32% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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