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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Mobilfunk und Festnetz Netzwerkmarkt steht vor dem Kampf um Großaufträge

 ·  Die Zusammenlegung der Netzwerksparten von Siemens und Nokia ist ein logischer Schritt im Rahmen der Konsolidierung, die seit rund einem Jahr auf diesem Markt tobt. Dafür spricht auch die Kürze der Zeit, in der die Vereinbarung erarbeitet worden ist.

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Die Zusammenlegung der Netzwerksparten von Siemens und Nokia ist ein logischer Schritt im Rahmen der Konsolidierung, die seit rund einem Jahr auf diesem Markt tobt. Dafür spricht auch die Kürze der Zeit, in der die Vereinbarung erarbeitet worden ist. "Die Verhandlungen haben nur drei Wochen gedauert", erklärte Joe Kaeser, der neue Finanzvorstand der Siemens AG, am Rande der Präsentation des neuen Gemeinschaftsunternehmens in Frankfurt.

Es sollte also schnell gehen. Spätestens nachdem sich die Wettbewerber Alcatel und Lucent zu dem neuen Marktführer zusammengetan haben, mußte auch Siemens reagieren, um seine deutlich unterhalb der von Konzern-Chef Klaus Kleinfeld vorgegebenen Renditeziele operierende Netzwerksparte zu stärken. Dies ging nur mit einem Partner ähnlicher Größe und Ausrichtung. Mit Motorola wurde offenbar verhandelt - mit Nokia kam man zueinander. Daß lag sicherlich auch an der Einsicht der Finnen, daß ein reiner Anbieter von Mobilfunkausrüstung künftig nur noch eine sehr viel geringere Chance in den Ausschreibungen der Telekommunikationsunternehmen haben wird.

Mit einem Schlag in die Oberliga

Das Gemeinschaftsunternehmen steigt mit einem Schlag in die Oberliga der Netzwerkausrüster auf und qualifiziert sich damit eher für die sehr großen Aufträge, die jetzt vor allem in den aufstrebenden Volkswirtschaften Indien und China zur Vergabe anstehen. In diesen Regionen, aber auch in Rußland und Südamerika werden in den kommenden Jahren Milliardenbeträge in den Aufbau von vor allem neuen Mobilfunknetzen investiert. Da aber auch diese Netze heute schon zu einem gehörigen Teil aus Festnetzkomponenten bestehen, werden die Anbieter bessere Karten haben, die alle Komponenten aus einer Hand liefern können. Dies konnte Nokia - dessen Hauptgeschäft noch immer die Mobiltelefone sind - bisher nicht. Daher ist der Zusammenschluß nach Ansicht von Fachleuten auch für Nokia sinnvoll, obwohl der Konzern eine deutlich höhere Marge als Siemens im Netzwerkgeschäft erzielt und jetzt zunächst einmal die harte Restrukturierung des neuen Gebildes bewältigen muß.

Video: Telekommunikationsbranche bekommt neuen Netzwerkriesen

Eine weitere Triebfeder für den Zusammenschluß dürfte auf beiden Seiten das aggressive Vordringen der asiatischen Wettbewerber auf den Markt für Netzwerkausrüstung sein. Obwohl Siemens- Chef Klaus Kleinfeld während der Präsentation keine Namen nannte, wurde dennoch klar, daß chinesische Unternehmen wie Huawei oder ZTE den etablierten Anbietern in Europa und den Vereinigten Staaten das Leben jetzt schon schwer machen und ihnen künftig noch härter zusetzen werden.

30 Prozent preiswerter als die Konkurrenz

Huawei hat derzeit zwar noch kaum einen wirklich großen Auftrag außerhalb Chinas erhalten, wird von den Mobilfunkbetreibern, die ihre Netzkosten angesichts sinkender Margen in ihrem Stammgeschäft deutlich reduzieren müssen, immer aufmerksamer beobachtet. Der Grund ist einfach: Die Geräte des chinesischen Anbieters sind rund 30 Prozent preiswerter als die der Konkurrenz. Ein Argument, dem sich inzwischen auch die europäischen Netzbetreiber nicht mehr verschließen können. Zudem genießen die Produkte inzwischen auch einen guten Ruf - obwohl der Vorwurf des "reverse engineering", des Nachbaus von Geräten der Konkurrenz, immer wieder erhoben wird. Rund die Hälfte der 35000 Mitarbeiter von Huawei beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben in Forschung und Entwicklung.

Entsprechend dieser Konkurrenz müssen auch die anderen Anbieter auf dem Weltmarkt ihre Kostenstrukturen anpassen und dafür auch Größenvorteile nutzen.

Neben der schnell wachsenden Zahl der Mobilfunknutzer, die immer mehr Netzkapazität verlangen, ist vor allem in Europa die Aufrüstung der Netze auf Breitbandgeschwindigkeit einer der Treiber für den Umsatz der Branche. Dies gilt für die Mobilfunknetze - hier lauten die Schlagworte UMTS und die sehr viel schnellere Nachfolgetechnik HSDPA - ebenso wie für das Festnetzgeschäft. Dabei steht der Ausbau der DSL-Anschlüsse im Vordergrund, deren Zahl in allen europäischen Staaten hohe Wachstumsraten ausweist. In dem DSL-Geschäft ist Siemens neben Alcatel einer der Hauptlieferanten der europäischen Telekommunikationsunternehmen. Nokia ist hingegen im schnellen Mobilfunk gut aufgestellt.

Noch ernsthaftere Gedanken als bisher müssen sich jetzt allerdings die verbleibenden kleineren Anbieter wie Nortel oder auch Motorola machen, die im Netzwerkgeschäft inzwischen eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Quelle: F.A.Z., 20.06.2006, Nr. 140 / Seite 16
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