05.01.2004 · UMTS, der Mobilfunk der dritten Generation, wird das beherrschende Telekommunikationsthema im Jahr 2004. Aus Angst vor Fehlstarts führen die Netzbetreiber UMTS nur stufenweise ein. Erste Tests sind aber vielversprechend.
UMTS, der Mobilfunk der dritten Generation, wird das beherrschende Telekommunikationsthema im Jahr 2004. Nach drei Jahren Diskussion um teure Lizenzen, fehlerhafte Technik und verschobene Starts führen die vier verbliebenen Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 die neue Handy-Technik in diesem Jahr - beinahe heimlich und leise - ein. Zum Jahreswechsel mußten alle Netzbetreiber die Lizenzauflage erfüllen, mindestens ein Viertel der Bevölkerung mit UMTS-Diensten zu versorgen. Die Netze sind zwar angeschaltet, doch noch fehlen Handys und Dienste für die Kunden. Auf einen genauen Starttermin für das Endkundengeschäft möchte sich nach vielen Verschiebungen niemand festlegen.
Die neuen Dienste werden daher Schritt für Schritt getestet und eingeführt. Zur Computermesse Cebit im März werden wohl die ersten UMTS-Handys im Umlauf sein, auch wenn das Massengeschäft erst gegen Jahresende in Schwung kommen dürfte. Zu groß ist die Angst in der Branche vor einem Fehlstart oder gar einer Blamage, wie sie die Deutsche Telekom und Daimler-Chrysler gerade mit dem Lastwagenmautsystem erleben.
Halbe DSL-Geschwindigkeit
Die ersten Tests mit dem UMTS-Netz machen der Branche aber Mut. Zum Beispiel hat Vodafone UMTS-Karten an Geschäftskunden verteilt. Damit lassen sich Daten in UMTS-Geschwindigkeit auf ein Laptop laden. Im Test sind Übertragungsraten von rund 280 Kilobit je Sekunde erreicht worden. Das entspricht etwa der halben Geschwindigkeit der kabelgebundenen DSL-Internetzugänge und wäre ein Riesenschritt für die Entwicklung des mobilen Internet. Die Frage, wie schnell UMTS später in der Praxis wirklich sein wird, läßt sich mit diesem Test allerdings nicht beantworten. Denn die neuen Netze sind bis auf wenige Testnutzer leer. Da die Übertragungsraten davon abhängen, wie viele Nutzer in einer Mobilfunkzelle gleichzeitig Kapazität benötigen, wird die Nagelprobe erst unter echten Bedingungen erfolgen.
Schwierigkeiten machen noch die neuen UMTS-Handys. Zu klobig, zu kurze Akku-Lebensdauer und zu viele Verbindungsabbrüche lautet die Kritik an den neuen High-Tech-Spielzeugen von Nokia, Motorola und Siemens. Das Problem der Ingenieure: In den Geräten muß Technik für zwei Mobilfunkgenerationen untergebracht und miteinander verknüpft werden. Neben UMTS müssen die Handys auch weiterhin den alten Standard GSM beherrschen, da die Netzbetreiber UMTS zuerst in den Ballungsgebieten ausbauen. Bis die neue Technik auch in den ländlichen Regionen verfügbar sein wird, werden viele Jahre vergehen. Da die Geräte aber überall funktionieren sollen, ist noch viel Entwicklungsarbeit nötig.
Suche nach der „Killer-Applikation“
Aber nicht nur die Ingenieure zerbrechen sich den Kopf über die neue Handy-Generation. Auch die Marketing-Abteilungen wissen noch nicht so recht, welche neuen Datendienste bei den Kunden ankommen. Den Kunden sollen vor allem Multimedia-Nachrichten, Videotelefonie und Handy-Spiele schmackhaft gemacht werden.
Für Multimedia-Nachrichten (MMS) reichen die heutigen Netze aber aus. Zudem ist fraglich, ob der Versand der grobkörnigen Bilder wirklich die hohen Erwartungen der Netzbetreiber erfüllt. Bisher nutzt nur ein kleiner Teil der Verbraucher sein Kamerahandy auch tatsächlich für den Versand der Fotos. Um die technische Basis zu verbreiten, kurbeln viele Netzbetreiber den Absatz dieser Handys mit hohen Subventionen an. "Viele Netzbetreiber bieten diese Geräte mit Vertrag zum Nulltarif an", sagt Rachel Lashford vom britischen Marktforschungsunternehmen Canalys. Selbst technisch anspruchsvolle Geräte wie das T610 von Sony-Ericsson werden mit Vertrag schon für einen Euro in den Markt gedrückt. Die Netzbetreiber wollen sich Marktanteile für das künftige UMTS-Geschäft sichern.
Für Handy-Spiele in ihrer heutigen Form wird UMTS ebenfalls nicht unbedingt gebraucht. Erst wenn sogenannte Multiplayer-Spiele mit mehreren Spielern in Mode kommen, wären schnelle permanente Datenverbindungen notwendig. Hier zeigt sich ein Ansatzpunkt für die Netzbetreiber: Das Geschäft mit den Handy-Spielen entwickelt sich zur Zeit sehr rasch, und die meist jugendlichen Spieler zeigen sich bisher wenig preissensibel. Mobile Spielekonsolen wie das Nokia H-Gage könnten den Markt in Bewegung bringen.
Mobile Datenübertragung noch sehr teuer
Ein weiteres Experimentierfeld für die Netzbetreiber sind Pauschaltarife für die Datenübertragung. Die beiden kleinen Netzbetreiber E-Plus und O2 haben solche Flatrates seit einigen Monaten im Angebot. Sie geben den Nutzern die Chance, ihre Mobilfunkrechnung im Griff zu halten und böse Überraschungen am Monatsende zu vermeiden. Trotz einer kräftigen Preissenkung im vergangenen Jahr ist die mobile Datenübertragung immer noch ein teures Vergnügen: Zum Beispiel verlangt Marktführer T-Mobile für die Übertragung einer 1 Megabyte großen Datenmenge im GPRS-Verfahren zwischen 1,5 und 9 Euro. Zum Vergleich: Die DSL-Anbieter verlangen für die gleiche Datenübertragung im Festnetz etwa 0,3 Cent. Auch Multimedia-Nachrichten sind ein teurer Spaß: Bis zu 1,29 Euro kostet der Versand eines Schnappschusses im Inland. Urlaubsgrüße aus dem Ausland können leicht mehr als zwei Euro kosten. Marktkenner werfen den Mobilfunkern daher eine prohibitive Preisgestaltung vor.
Sollte das Geschäft mit den Datendiensten nicht in Schwung kommen, bleibt den Netzbetreibern aber noch die Sprachübertragung als Geschäftsfeld. Immer mehr lokale und regionale Festnetzgespräche werden zur Zeit durch Handy-Telefonate ersetzt. Die UMTS-Netze schaffen die nötigen Kapazitäten, um Kunden mit günstigen Angeboten zur Aufgabe ihres Festnetzanschlusses zu bewegen, wie es in anderen Ländern schon üblich ist. "Happy-Hour-Tarife", wie sie Vodafone zur Zeit anbietet, sind erst Vorboten für das Werben um die Festnetzkunden der Deutschen Telekom.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.386,08 | +0,68% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2530 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | −0,34% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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