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Mobilfunk „Jeder sechste wird nur noch mobil telefonieren“

04.06.2006 ·  T-Mobile-Chef Philipp Humm spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über sinkende Gebühren fürs Telefonieren, geschenkte Handys, die Zukunft des mobilen Fernsehens und den langsamen Abschied von der Festnetz-Telefonie.

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T-Mobile-Chef Philipp Humm erzählt im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über sinkende Gebühren, geschenkte Handys, die Zukunft des mobilen Fernsehens und den langsamen Abschied von der Festnetz-Telefonie.

Herr Humm, T-Mobile gibt es seit dieser Woche auch im Supermarkt. Stürzen Sie sich jetzt als Marktführer ins Billiggeschäft?

Es gibt ein Billigsegment in Deutschland. Das ist Fakt. Da kann man mitmachen oder am Zaun von außen zuschauen. Wir haben entschieden, aktiv zu sein, und haben mit Rewe einen attraktiven Partner.

Werden wir bald alle billig telefonieren?

Der zahlenmäßige Effekt der Discounter ist überschaubar. Selbst wenn die 30 Prozent aller Prepaid-Karten verkaufen, sind das keine sieben Prozent vom Gesamtumsatz der Branche. Wichtiger ist der psychologische Effekt: Der Mobilfunk verliert sein Teuer-Image.

Gut für den Kunden, schlecht für Ihren Umsatz. Wie reagieren Sie darauf?

Das ist zunächst doch positiv. Andere Märkte haben gezeigt, niedrigere Preise können zu mehr Nutzung führen. Man muß dem Kunden aber zugleich größere Pakete anbieten. Der Kunde bezahlt also einmal, quasi eine Flatrate, und telefoniert damit, ohne sich ständig Gedanken zu machen. So macht er am Ende zwar den gleichen Umsatz, kann aber dafür viel mehr telefonieren.

Werden nicht schon genug Banalitäten am Mobiltelefon ausgetauscht?

Nein. Es wird noch viel zu wenig telefoniert in Deutschland! Der durchschnittliche Deutsche telefoniert im Monat etwa 40 Minuten mobil, der Amerikaner circa 800 Minuten.

Da praktisch jeder Deutsche ein Handy besitzt, liefern sich die Mobilfunker einen Verdrängungswettbewerb - mit der Folge, daß wir die Handys immer noch geschenkt bekommen, obwohl Sie die Subventionen der Geräte längst streichen wollten.

Das haben wir so nicht gesagt. Wir haben gesagt, die Subventionen für Prepaid-Handys sollten weg. Das haben wir auch getan. Wir haben im Vergleich zum Vorjahr unsere Akquisitionskosten um 15 Prozent gesenkt.

Trotzdem kosten viele Handys immer noch einen Euro.

Den Preis können wir den Kunden immer bieten - vorausgesetzt sie geben im Gegenzug ein Nutzungsversprechen ab. Wer im Monat nur für zehn Euro telefoniert, kann natürlich nicht erwarten, daß wir ihm ein 400 Euro teures Handy für einen Euro mitgeben.

Vodafone und O2 locken mit einem Komplettpaket: Handy plus DSL-Anschluß. Verhindert der Spartenegoismus bei der Deutschen Telekom ein entsprechendes Angebot?

Im Gegenteil. Die anderen haben bisher nur Ankündigungen vorgelegt, bei der Telekom bekommen Sie schon längst Festnetz, Internet und Mobilfunk aus einer Hand.

Dazu muß ich mit jeder Telekom-Sparte einen extra Vertrag abschließen. Was, wenn ich das nicht will? Wenn ich nur eine Rechnung will statt drei?

Die Menschen sind verschieden. Nicht jeder will eine einzige Rechnung. Es ist auch nicht immer praktisch. Für DSL und Handy haben sich zum Beispiel im Markt unterschiedliche Vertragslaufzeiten etabliert. Priorität hat guter Service zu gutem Preis. Außerdem bieten wir kombinierte Produkte, etwa unseren mobil@home-Tarif. Da telefonieren Sie zu Hause und im Umkreis von zwei Kilometern mit dem Handy zu Festnetzraten.

Damit wollten Sie binnen eines Jahres eine Million Kunden gewinnen. Schaffen Sie das?

Dieses Ziel werden wir voraussichtlich übererfüllen. Unser @home-Produkt läuft wie geschnitten Brot. Wir hatten schon nach dem ersten Quartal 515.000 Kunden.

Vermutlich haben etliche davon ihr Festnetz gekündigt. T-Com verliert pro Monat 200.000 Kunden. Wie sehr schmerzt dieser konzerninterne Kannibalismus?

Von Kannibalisierung kann man so nicht sprechen. Die weitaus meisten Neukunden haben sich für die @home-Option zusätzlich zum Festnetzanschluß entschieden. Zudem haben in Deutschland keine fünf Prozent der Haushalte ausschließlich ein Mobiltelefon. In Österreich liegt die Quote bei 20 Prozent. Zudem wäre es aus Konzernsicht auch besser, der Kunde bliebe im Gesamtkonzern, als daß er zu einem der anderen Mobilfunker wechselt.

Wird bald auch jeder fünfte Deutsche nur noch mobil telefonieren?

Wir werden uns wohl dem europäischen Durchschnitt annähern, der liegt bei etwa 15 Prozent der Haushalte ohne Festnetz.

Brüssel kritisiert die Mobilfunker für die überteuerten Gebühren bei grenzüberschreitenden Telefonaten. Wie stark werden Sie die Urlaubstarife noch senken?

Wir haben die Preise bereits deutlich reduziert. Mit fünf europäischen Netzbetreibern haben wir uns jetzt freiwillig zu signifikanten Senkungen entschlossen.

Der EU-Kommission geht das noch nicht weit genug.

Wir haben erst diese Woche unsere Endkundenpreise für das Telefonieren im Ausland um bis zu 34 Prozent gesenkt. Für zehn Euro bekommt der Kunde 30 Minuten. Das entspricht einem Minutenpreis von nur noch 33 Cent im EU-Ausland. Die EU-Kommission sollte die Bemühungen der Netzbetreiber würdigen.

Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen sind die Mobilfunker jetzt auf Handy-TV gekommen. Wie viele Leute erreichen Sie damit heute?

Im diese Woche gestarteten Pilotversuch ein paar tausend. Der gemeinsame Test der vier Mobilfunkbetreiber soll zeigen, wie gut Fernsehen auf dem Handy funktioniert, wie gut man auf so einem kleinen Bildschirm sehen kann.

Und wann wird das Angebot flächendeckend eingeführt?

Das hängt von diversen Interessengruppen ab, von Brüssel, Berlin, den Landesmedienanstalten, den öffentlich-rechtlichen Sendern. Politisch ist das Thema noch nicht vollständig ausgestanden.

Werden Sie auch ein eigenes Programm anbieten?

Nein, wir bauen keinen TV-Sender auf. Wir bleiben, was wir sind: ein Netzanbieter. Wir werden aber über Kooperationen auf einigen Kanälen exklusiven Content anbieten.

Das Gespräch führte Georg Meck

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 04.06.2006, Nr. 22 / Seite 45
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