13.11.2006 · Gespräche vom Festnetz in die Handynetze zählen zu den teuersten Telefonaten. Bis zu 23 Cent je Minute werden verlangt. Aber jetzt purzeln die Preise. Die Festnetzgesellschaften wollen die vom Regulierer angeordnete Kürzung an ihre Kunden weitergeben.
Von Johannes WinkelhageEs sind mit die teuersten Inlandstelefonate überhaupt: Für Gespräche vom Festnetz in die Mobilfunknetze verlangen die großen Anbieter 15 bis knapp 23 Cent je Minute von ihren Kunden. Das aber soll sich jetzt ändern. Die Tarife sollen sinken. Das jedenfalls möchte Matthias Kurth, der Präsident der Bundesnetzagentur. Er folgt damit einer Vorgabe der Europäischen Kommission, die schon seit längerem solche Schritte von der deutschen Regulierung gefordert hatte.
In den vergangenen Jahren hatten sich die Mobilfunkanbieter in Deutschland in Verhandlungen mit den Festnetzgesellschaften - vor allem mit der Deutschen Telekom - ohne den Regulierer auf die Preise für die Zusammenschaltung der Netze geeinigt. Nachdem in diesem Jahr aber E-Plus diese Einigung blockiert hatte, war ein Eingreifen der Bundesnetzagentur vorprogrammiert. Kurth hat jetzt seine neue Rolle als Regulierer im Mobilfunk genutzt und den Mobilfunkanbietern eine Preissenkung von 20 Prozent für diese Terminierungsentgelte verordnet. Diese Preise zahlen die Festnetzanbieter für die Ablieferung ihrer Gespräche in die Mobilfunknetze. Gleiches gilt für Gespräche zwischen den unterschiedlichen Mobilfunknetzen. Diese Entgelte sind unter anderem der Grund dafür, daß die Gespräche in die Mobilfunknetze bei den meisten großen Anbietern immer noch teurer sind als die Telefonate vom Handy selber.
20 Prozent weniger
Bisher konnten die D-Netze (T-Mobile und Vodafone) 11 Cent je Minute für die Weiterleitung der Festnetzgespräche an den Mobilfunkkunden kassieren. Dieser Preis soll vom 23. November an auf 8,8 Cent sinken. Im Gegensatz zu T-Mobile hat Vodafone zwar noch keinen Bescheid über die Höhe der künftigen Entgelte erhalten. Es wird aber damit gerechnet, daß auch für diesen Anbieter aus Düsseldorf die 8,8 Cent gelten werden. Gespräche in die E-Netze (E-Plus oder O2) werden von Ende November an mit 9,9 Cent je Minute zu Buche schlagen. Bisher waren hier 12,4 Cent je Minute fällig.
Weder Regulierungsbehörde noch die Mobilfunkunternehmen aber können darüber entscheiden, ob die Preise für den Endkunden jetzt tatsächlich nach unten gehen. Allein die Festnetzgesellschaften legen fest, ob sie diese Verbesserung ihrer Einkaufskonditionen an den Kunden weitergeben. Bisher war es keinesfalls üblich, daß die Mehrheit der Unternehmen die niedrigeren Kosten gegenüber den Mobilfunkanbietern an ihre Kunden weitergegeben hat.
Preisvorteile werden an Kunden weitergegeben
Diesmal aber erklärt sich offenbar die große Mehrheit der Anbieter bereit, die Kunden profitieren zu lassen. So heißt es zum Beispiel von Arcor-Sprecher Stephan Albers in Eschborn: "Wir prüfen die vom Regulierer angeordneten Preisreduzierungen und werden diese, wie in der Vergangenheit auch, an unsere Kunden weitergeben." Bisher kosten die Telefonate in die deutschen Mobilfunknetze bei Arcor noch stattliche 21,9 Cent.
Albers spielt damit auch auf die Preissenkungen der vergangenen zwei Jahre an. Sowohl Ende 2004 als auch Ende 2005 hatten die Mobilfunkunternehmen - damals noch ohne Nachhelfen des Regulierers - Preissenkungen von jeweils rund 15 Prozent vereinbart. In den Jahren zuvor hatten sich die Terminierungsentgelte auf einem stabil hohen Niveau gehalten.
Auch Telekom will Tarif senken
Auch bei der Deutschen Telekom, die den weitaus größten Teil der Minuten vom Festnetz in die Handynetze vermittelt, will man offenbar im Sinne des Kunden entscheiden. Wie Marc Sausen von der Festnetzsparte T-Com sagte, habe die Deutsche Telekom die Entscheidung der Bundesnetzagentur zur Kenntnis genommen und prüfe sie derzeit. Wie in der Vergangenheit auch sei geplant, Kostensenkungen auf der Vorleistungsseite an die Kunden weiterzugeben. Bisher kosten die Gespräche bei der T-Com 20,6 Cent in die D-Netze und 22,8 Cent in die E-Netze.
Für den Anbieter Versatel erklärte Sprecherin Marion Krause, die Tarife für die Gespräche in die Mobilfunknetze seien bei Versatel in den vergangenen Monaten schon auf 19 Cent gesenkt worden. Damit sei die jetzt erfolgte Absenkung der Entgelte schon vorweggenommen worden. Eine weitere Preisanpassung sei daher im Moment nicht geplant.
Selbst Hansenet will sich nicht lumpen lassen
Der Anbieter Hansenet, der bundesweit unter der Marke Alice bekannt ist, hat die Absenkung der Terminierungsentgelte in den vergangenen Jahren nicht an seine Kunden weitergegeben. Nach Angaben von Hansenet-Sprecher Carsten Nillies werde aber jetzt darüber nachgedacht, ob und wann eine Absenkung möglich sei. Hansenet berechnet bisher 22 Cent je Minute für die Gespräche zum Handy.
Dies zeigt, daß die Telefonate in den Mobilfunk bei den großen Anbietern immer noch relativ teuer sind. Das gilt jedenfalls für den Kunden, der eher selten in die Mobilfunknetze telefoniert. Die Deutsche Telekom, Arcor oder auch Hansenet haben allerdings Optionstarife im Programm, die für 4 bis 5 Euro im Monat deutlich niedrigere Preise für Telefonate in die Handynetze ermöglichen. Bei der Telekom sinken die Tarife damit auf 12,9 Cent je Minute bei Gesprächen in die D-Netze und 14,9 Cent in die E-Netze. Hansenet und Versatel nehmen bei der Buchung der Zusatzoption noch 15 Cent je Minute.
Call-by-Call ist trotzdem günstiger
Wer aber wirklich Geld sparen möchte, sollte sich auf die Vorwahlen spezialisierter Anbieter konzentrieren und das Call-by-Call-Verfahren nutzen. Hier sind die Preise deutlich niedriger. Die Tarife einiger Anbieter liegen mit 9 Cent je Minute derzeit sogar unter den bisher noch geltenden Terminierungsentgelten und können daher keinesfalls kostendeckend sein - was den Verbraucher nicht stören muß, solange die Verbindung zustande kommt. Diese Möglichkeit bleibt allerdings den Kunden verschlossen, die vollständig mit ihrem Telefonanschluß zu einem Wettbewerber der Telekom gewechselt sind. Diese Anbieter wie Arcor, Versatel oder Hansenet und die anderen Stadtnetzbetreiber lassen für ihre Kunden keine Anbietervorwahl, kein Call-by-Call zu.
Gleiches gilt für die Telefonate von einem Mobilfunknetz zum anderen. Auch hier sind die Kunden an die Tarife der Netzbetreiber gebunden, die die Terminierungsentgelte für die durchgeleiteten Gespräche an die Wettbewerber zahlen müssen. Bei Vodafone heißt es zu dem Thema, die jetzt erfolgte Absenkung sei mit einer Preissenkung im Oktober schon vorweggenommen worden. "In den aktuellen Minutenpaketen sind jetzt auch die Telefonate in die fremden Mobilfunknetze enthalten", sagte Vodafone-Sprecher Jens Kürten. Diese seien bisher getrennt berechnet worden, und es handle sich daher um eine Preissenkung. Ob die Verringerung der Terminierungsentgelte auch an die Kunden mit Alttarifen, die auf Minutenbasis abrechnen, weitergegeben würde, sei noch nicht entschieden.
Telekom: Wir sind schon günstig
Ähnliches gilt auch für T-Mobile. Wie Sprecher Stefan Zuber sagte, seien die Preise in den Minutenpaketen schon so niedrig, daß eine weitere Absenkung nach den neuen Terminierungsentgelten nicht erforderlich sei. Außerdem trage das Unternehmen schon die Erhöhung der Mehrwertsteuer in den aktuell vermarkteten Tarifen.
Für E-Plus sagte der Vorstandschef Michael Krammer, man werde die Kostensenkung für die Gespräche in andere Netze an die eigenen Kunden weitergeben. Wie dies genau geschehen solle, werde derzeit geprüft.
Schon mittelfristig rechnen Marktbeobachter nach der Entscheidung des Regulierers damit, daß die Preise für die Zusammenschaltung der Netze weiter sinken werden. So fordert der Branchenverband Breko schon seit längerem eine Absenkung auf rund 5 Cent, was nach Breko-Angaben einer "effizienten Leistungsbereitstellung" entspreche, die von der Regulierung bei ihrer Preisfestsetzung zugrunde gelegt werden solle. Auch der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) bezeichnete die Preissenkung als zu gering. Sie könne nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einem Gleitpfad sein, der weitere Reduzierungen bringen müsse.