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Mobilfunk Für zehn Euro ins mobile Internet

08.09.2010 ·  Der scharfe Wettbewerb um das mobile Internet hat die Tarife in den vergangenen Monaten purzeln lassen. Der Preisrutsch sorgt für Nachfrageschub. Die vierte Mobilfunkgeneration LTE könnte davon profitieren. Sie ist allerdings noch teurer.

Von Holger Schmidt
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„Das mobile Internet ist zu teuer.“ Für 68 Prozent der Menschen, die ein internetfähiges Mobiltelefon haben, ist diese Aussage der Hauptgrund für den Verzicht auf das mobile Surfen, hat eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Fittkau & Maaß ergeben. Mehr als die Hälfte der Befragten will auch künftig nicht mobil ins Netz gehen. Die prohibitiven Tarife, mit denen einige Netzbetreiber ihre Kunden in der Frühphase des mobilen Webs erschreckt haben, wirken nach.

Dabei hat der scharfe Wettbewerb um das mobile Internet die Tarife in den vergangenen Monaten purzeln lassen. Wenn es nicht unbedingt das iPhone sein muss, dann gibt es heute für rund 10 Euro im Monat eine ordentliche Flatrate für das Surfen unterwegs - sogar ohne größere Fallstricke. Der Preisrutsch treibt die Nachfrage an. Beim Netzbetreiber Vodafone entscheidet sich inzwischen die Hälfte der neuen Vertragskunden für ein Smartphone. Bis zum Jahr 2012 könnte sich die Zahl der eingesetzten Smartphones in Deutschland von 9 auf 18 Millionen verdoppeln, erwartet TNS Infratest.

Schwung in das mobile Internet hat vor allem der Netzbetreiber O2 gebracht. Dank der Hilfe der spanischen Muttergesellschaft Telefónica haben die Münchner ihr Mobilfunknetz mit Milliarden aufgerüstet. Da O2 aber weit weniger Kunden hat als die Telekom oder Vodafone, sind im Netz große Kapazitäten frei. O2 kann daher vergleichsweise günstige Datentarife anbieten und auch anderen Anbietern wie Freenet oder Tchibo ihr Netz zur Verfügung stellen. Einige Konkurrenten mussten nachziehen.

„Im Test bei mobilen Datendiensten ein Kopf-an-Kopf-Rennen“

Günstige Tarife sind allerdings nur die halbe Miete, denn die Eignung der Mobilfunknetze für das mobile Internet schwankt stark. In einem aktuellen Test von Chip Online siegte die Deutsche Telekom in der Kategorie „mobiles Internet“ knapp vor Vodafone, während O2 ein gutes Stück zurücklag und E-Plus abgeschlagen auf dem letzten Platz landete. „Vodafone und die Deutsche Telekom lieferten sich im Test bei mobilen Datendiensten ein Kopf-an-Kopf-Rennen“, schreibt Chip Online. Die beiden Netzbetreiber haben in einzelnen Gebieten schon die schnelle UMTS-Variante HSPA+ im Einsatz, die Daten mit maximal 21 Megabit je Sekunde überträgt. Das ist theoretisch zwar schneller als die meisten Festnetzverbindungen, wird in der Praxis aber eher selten bis nie erreicht. Wer 3,6 oder gar 7,2 Megabit je Sekunde erreicht, kann sich in der Regel glücklich schätzen.

Dennoch gehen die durchschnittlichen Datenraten stetig hoch. „Hier liegt Vodafone sogar leicht vor der Telekom. Allerdings erwiesen sich die Internetverbindungen der Telekom insgesamt als stabiler, was dem Bonner Konzern den Sieg in der Datendisziplin und damit den Gesamtsieg sichert“, lautet das Fazit von Chip Online. Das Datennetz von O2 sei zwar recht gut ausgebaut, beim Übertragen von E-Mails und größeren Dateien könne es gut mit dem der Telekom und Vodafone mithalten. Die Tests zeigten aber auch, dass O2 beim immer wichtiger werdenden mobilen Surfen Websites deutlich langsamer ausliefert als die beiden großen Konkurrenten. E-Plus hat den Ausbau seines Datennetzes lange vernachlässigt und liegt nun im Rückstand.

Viele Anbieter drosseln die Übertragungsgeschwindigkeit

Bei der Wahl einer Daten-Flatrate für das Smartphone spielt neben dem Preis und der Netzqualität auch die Drosselung der Bandbreite eine Rolle. Um ihre Netzkapazitäten nicht zu überlasten, drosseln viele Anbieter die Übertragungsgeschwindigkeit, wenn ein bestimmtes Datenvolumen überschritten wird. Wer viel unterwegs im Netz surft, bekommt dann irgendwann im Laufe des Monats eine SMS von seinem Netzbetreiber, von nun an mit reduzierter Geschwindigkeit zu surfen. Das sind dann meist 64 Kilobit je Sekunde, was zum mobilen E-Mailen reicht, das Aufrufen von Websites aber quälend langsam machen kann.

Trotz der Drosselung sind Flatrates sehr beliebt. Allerdings nur bei den Nutzern, nicht bei den Netzbetreibern. Diese möchten das unbegrenzte Surfvergnügen am liebsten wieder abschaffen und durch Volumentarife ersetzen, die ihnen nicht nur eine genauere Kapazitätsplanung, sondern auch den Verkauf von Zusatzdiensten ermöglichen. Für einen besonders schnellen Transport von Videos wollen die Netzbetreiber gerne extra kassieren, ebenso wie für Videotelefonie. In den Netzen sind die technischen Grundlagen für die Priorisierung des Datenverkehrs schon eingebaut. Branchenkenner rechnen allerdings erst mit dem Start der Netze der vierten Generation (LTE) mit einem ernsthaften Versuch der Netzbetreiber, die Netzneutralität aufzuweichen. Verhindern könnte dies noch die Bundesregierung, die den Erhalt der Netzneutralität sogar in den Koalitionsvertrag geschrieben hat, oder ein scharfer Wettbewerb. Sollte beispielsweise O2 weiterhin Flatrates anbieten, während die Konkurrenten Telekom und Vodafone die Flatrates vom Markt nehmen, könnte dies eine Wechselwelle der Kunden auslösen.

Zunächst wird LTE aber nur als DSL-Ersatz eingesetzt

Den Markt beleben wird auch die vierte Mobilfunkgeneration LTE, die mobile Übertragungsraten bis zu 100 Megabit je Sekunde ermöglichen soll. Zunächst wird LTE aber nur als DSL-Ersatz eingesetzt. Die Telekom und Vodafone haben in diesen Tagen den Startschuss gegeben. Die Telekom hat ihren ersten LTE-Sendemast angeschaltet, braucht nach eigenen Angaben aber noch bis zum Jahr 2016, bis alle weißen Flecken auf der Breitband-Landkarte mit schnellem Internet versorgt sind. Vodafone will schon bis zum kommenden Jahr so weit sein und hat auch schon die ersten Tarife für LTE präsentiert, die für die Nutzung zu Hause gelten.

Die Kunden bekommen für knapp 40 Euro monatliche Grundgebühr einen Breitband-Zugang mit bis zu 7,2 Megabit je Sekunde und 10 Gigabyte Inklusivvolumen mit voller Übertragungsgeschwindigkeit. Wer monatlich 10 Euro mehr ausgibt, erhält maximal 21,6 Megabit und 15 Gigabyte Inklusivvolumen. Der Premium-Tarif kostet monatlich 69,99 Euro; dafür sollen die Daten dann auch mit 50 Megabit je Sekunde ins Haus fliegen. In diesem Tarif können 30 Gigabyte mit voller Geschwindigkeit übertragen werden. Erst danach wird das Tempo auf gemächliche 384 Kilobit je Sekunde reduziert.

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