14.05.2006 · Keine Angst mehr vor astronomisch hohen Handy-Rechnungen nach dem Urlaub. Europäische Anbieter haben Preissenkungen von bis zu 60 Prozent angekündigt. Sie reagieren damit auf verstärkten Druck der EU.
Die Nutzung des Mobiltelefons im Ausland wird deutlich billiger. Damit könnten die hohen Handyrechnungen, die nach einem Urlaub schon so manchem Kunden den Spaß an der Reise verdorben haben, bald der Vergangenheit angehören. Bisher werden Preise von bis zu 2 Euro je Telefonminute abgerechnet, wenn das Handy im Ausland genutzt wird.
Nachdem vor einigen Tagen Vodafone und T-Mobile radikale Preissenkungen angekündigt haben, hat jetzt auch O2 nachgezogen. Nach Angaben von O2-Deutschlandchef Rudolf Gröger werden die Preise für ankommende und abgehende Gespräche im europäischen Ausland um bis zu 60 Prozent sinken. So biete O2 seinen Kunden künftig einen „Sommeroption“ genannten Tarif, der in der Zeit vom 1. Juli bis 16. September kostenlos gebucht werden kann.
Ähnlichen Konditionen wie im Inland
In diesem Zeitraum sollen Handygespräche im Ausland nur noch 59 Cent je Minute kosten - egal in welchem Netz im Urlaubsland telefoniert wird. Bei der zweiten Variante können die Kunden ab Herbst in einem selbstgewählten Land für einen Monat Gespräche zu ähnlichen Konditionen wie im Inland führen. Ankommende Telefonate werden dabei gar nicht mehr berechnet. Allerdings ist für diese Variante ein Basispreis im einstelligen Eurobereich geplant, dessen Höhe Gröger am Freitag noch nicht mitteilte.
Vodafone plant hingegen eine Senkung der Preise für die Auslandsgespräche um rund 40 Prozent bis zum April 2007. Dann sollen die durchschnittlichen Kosten für diese Telefonate mit dem Handy von derzeit etwa 90 Cent auf 55 Cent je Minute fallen. Zudem können die Kunden im Ausland jetzt schon zu ähnlichen Kosten wie in Deutschland telefonieren, wenn sie den kostenlosen Tarif „Reiseversprechen“ buchen. Hier werden allerdings je Gespräch zusätzlich 75 Cent berechnet, und der Tarif gilt nur in bestimmten Mobilfunknetzen im Ausland.
T-Mobile hatte schon im Februar eine Verringerung der Handykosten im Ausland von rund 30 Prozent für die deutschen Kunden zum 1. Juni des laufenden Jahres angekündigt. Dabei können die Kunden ganzjährig 30 Gesprächsminuten für 10 Euro buchen, die dann im EU-Ausland und in Kroatien abtelefoniert werden können - egal in welchem Netz der Kunde gerade eingebucht ist. Daraus ergibt sich ein rechnerischer Minutenpreis von 33 Cent.
Keine freiwillige Senkung der Tarife
Die Absenkung der Tarife für Gespräche im Ausland erfolgt allerdings keineswegs freiwillig. Die EU-Kommission sitzt den europäischen Anbietern schon seit fast zwei Jahren im Nacken und fordert eine deutliche Senkung der auch als Roamingpreise bezeichneten Tarife für die Handynutzung im Ausland. In den vergangenen zwei Monaten hatte die für Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding den Druck erhöht und gefordert, die Preise für diese Gespräche auf das Niveau der Inlandstarife zu senken.
Für ankommende Gespräche im Ausland sollten die Kunden sogar gar nicht mehr zur Kasse gebeten werden, fordert die Kommissarin und will dies im Juli in einer EU-Verordnung regeln. Ein Sprecher von Reding erklärte am Freitag, die Initiativen der Unternehmen gingen nicht weit genug, da zum Beispiel die im Ausland ankommenden Gespräche bei den meisten Tarifen weiterhin berechnet würden.
O2-Chef Gröger hingegen sagte: „Es gibt deutliche Hinweise, daß sich die Branche bewegt. Eine Regulierung durch die EU ist daher nicht notwendig.“ Ähnlich äußerte sich auch Fritz Joussen, Vorsitzender der Geschäftsführung von Vodafone in Deutschland: „Unsere Angebote gehen weit über das hinaus, was die EU-Behörden beim Roaming verfolgen.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.386,08 | +0,68% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2530 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | −0,34% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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