15.01.2007 · Der Einstieg von Apple ins Mobilfunkgeschäft wird die Konkurrenten nicht unter sofortigen Druck setzen. Zumindest für den deutschen Markt ist das iPhone einfach zu teuer. Die Messlatte für die Wettbewerber wird es mit seiner Benutzerführung aber hoch legen.
Von Johannes Winkelhage und Roland LindnerDer Einstieg von Apple in den internationalen Mobilfunkmarkt setzt zwar nicht die gesamte Industrie unter sofortigen Druck, bringt aber zusätzlichen Wettbewerb in das Segment der hochpreisigen Alleskönner unter den Handys. Davon sind die auf diesem Feld starken Unternehmen, darunter der Marktführer Nokia, besonders betroffen. Vor allem der sehr hohe Endkundenpreis für das iPhone setzt diesem Wettbewerbseffekt nach Ansicht von Marktbeobachtern aber Grenzen.
Das mittlere und untere Segment des Marktes, die bisher das größte Wachstum aufweisen, werden demnach kaum vom Auftreten des iPhone berührt werden. Zwar erscheint das Ziel von Steve Jobs, mit dem iPhone zunächst einen Anteil von rund 1 Prozent am Handymarkt oder 10 Millionen verkaufte Geräte zu erreichen, für Branchenbeobachter durchaus realistisch. Es wird diesen Markt aber nicht auf den Kopf stellen. „Das iPhone wird die fundamentale Struktur der Mobilfunkindustrie und deren Herausforderungen nicht substantiell ändern“, sagt auch Charles Golvin, Analyst beim Marktbeobachtungsunternehmen Forrester Research. „Es wird ein Nischenprodukt bleiben. Die gute Benutzerführung und der berührungssensitive Bildschirm legen die Messlatte für die Wettbewerber in diesen Kategorien aber hoch“, fügt er hinzu.
„Für Europa wäre eine Variante mit UMTS passender“
Bleibt der hohe Preis. Auf den Internetseiten der deutschen Netzbetreiber sind zum Beispiel heute kaum Geräte zu finden, die auch nur annähernd an die Preisvorstellung von bisher 499 bis 599 Dollar heranragen, die das iPhone in den Vereinigten Staaten kosten soll. Viele Kenner gehen daher davon aus, dass sich das iPhone auf dem deutschen Markt zu diesem Preis nur sehr schwer verkaufen lassen wird. Die meisten Kunden seien zu sehr durch die Subventionen der Hersteller verwöhnt, heißt es in der Branche. Sie würden einen solchen Preis für ein Gerät kaum akzeptieren, das zudem bisher noch nicht einmal mit dem Mobilfunkstandard UMTS ausgestattet sei, der ein schnelleres Surfen im Internet ermöglichen würde.
„Für den Start in Europa wäre eine Variante des iPhone, die den schnellen Mobilfunkstandard UMTS unterstützt, passender als die jetzige Version“, erklärt auch David McQueen, Analyst beim Marktbeobachter Informa Group. Eine Subventionierung im großen Stil aber scheint sich Apple zumindest in den Vereinigten Staaten bisher zu verbitten. Im Vergleich mit den von Cingular derzeit angebotenen Geräten - mit ähnlichem Funktionsumfang - wird das iPhone mit Abstand das teuerste Angebot und scheint entweder gar nicht oder nur minimal subventioniert zu sein. In der Branche wird daher darüber spekuliert, dass sich der Anbieter aus Cupertino seine Verkaufszahlen für den klassischen Musikspieler iPod nicht durch ein Billigangebot der Mobilfunkanbieter kaputtmachen lassen und seine klassische Hochpreisstrategie auch im Mobilfunk fortsetzen will.
Handyverträge subventionieren Gerätepreis
Dabei bekommen - ähnlich wie in Deutschland - auch die Verbraucher in Amerika subventionierte Handys, wenn sie einen Vertrag über mehrere Jahre abschließen oder nach dessen Ablaufen erneuern. Cingular bietet zum Beispiel mit einem Zwei-Jahres-Vertrag das flache Motorola-Handy Razr V3 für 79,99 Dollar an, dessen Grundpreis auf 279,99 Dollar beziffert wird. Manche Modelle wie das Motorola L6 (Grundpreis 274,99 Dollar) gibt es ganz umsonst. Auch das iPhone soll nur in Verbindung mit einem Zwei-Jahres-Vertrag verkauft werden, wenn es im Juni in den Vereinigten Staaten auf den Markt kommt. Dadurch entstehen dem Nutzer zusätzliche monatliche Kosten von mindestens knapp 40 Dollar, auf die noch diverse Steuern und sonstige Abgaben zu entrichten sind.
Normalerweise finanzieren die Preise für diese Mindestabnahmemengen die Subventionen, die der Netzbetreiber bei dem Verkauf des Gerätes gewährt. Cingular würde also beim Verkauf des Gerätes zu dem hohen Preis von dem Verzicht auf die Subvention profitieren und hat daher ebenso wie Apple Interesse an einem Verkauf ohne Zuschüsse.
Exklusivvereinbarungen mit Netzbetreibern
Besser als in Deutschland sehen die Chancen für das Gerät allerdings in den europäischen Märkten aus, die heute schon ohne Handy-Subventionen arbeiten. Dazu gehören unter anderem Italien oder Finnland. Dort sind Handypreise, wie sie beim iPhone daherkommen etwas einfacher durchsetzbar, da sich die Verbraucher daran gewöhnt haben für ihr Mobiltelefon mehrere hundert Euro zu zahlen.
Apple hat zudem Exklusivität für sein iPhone mit Cingular vereinbart, wie es heißt, auf mehrere Jahre hinaus. Exklusivvereinbarungen zwischen Handyherstellern und Netzbetreibern sind in Amerika weit verbreitet, aber meist nur über einen Zeitraum von einigen Monaten. Als zum Beispiel der Blackberry Pearl, die neueste Version des Mobiltelefons mit E-Mail-Funktion, im September auf den Markt kam, war es zunächst nur bei T-Mobile zu haben. Seit Dezember gibt es das Gerät auch bei Cingular. Diese Form der Exklusivität wird teilweise auch in Deutschland gepflegt, währt aber auch hier meist nur einen kurzen Zeitraum oder beschränkt sich generell auf einige Funktionen des Produktes. Spekulationen in der Branche nannten Ende der vergangenen Woche die spanische Telefónica mit ihrer Mobilfunktochtergesellschaft O2 als einen Kandidaten für eine solch exklusive Partnerschaft.