04.02.2007 · Mobil telefonieren kann man mittlerweile für zehn Cent pro Minute. Zwei Firmen haben die Tarife gesenkt, die anderen Anbieter werden nachziehen. Doch Vorsicht: Günstige Verträge haben oft einen Haken.
Von Patrick BernauJetzt fallen sie wieder, die Preise für Mobilfunk-Gespräche. E-Plus hat vorgelegt: zehn Cent pro Minute in jedes Netz und zehn Euro Mindestumsatz. Der Anbieter Drillisch zog nach, und zwar mit seinen Marken Alphatel und Victorvox: 9,9 Cent pro Minute, dafür mit einem schlechteren Takt. Bisher lagen solche Tarife bei rund 15 Cent pro Minute in alle Telefonnetze.
Die neuen Tarife sind attraktiv: Verträge mit hoher Grundgebühr und Handy-Flatrates lohnen sich nur noch für Leute, die sehr viel telefonieren: Wer nur ins Festnetz anruft, muss das schon länger als drei Stunden im Monat tun, damit die Flatrate billiger ist. Und wer oft in andere Handynetze telefoniert, für den sind die Zehn-Cent-Angebote ohnehin konkurrenzlos günstig.
„Die großen Anbieter müssen nachziehen“
So wird es wohl weitergehen. „Wir sind in einer Phase, in der sich der Markt verselbständigt hat und die großen Anbieter nachziehen müssen“, sagt Telekommunikationsexperte Dan Bieler vom Marktforschungsunternehmen IDC. Der Geschäftsführer des Verbands der Telekom-Konkurrenten VATM, Jürgen Grützner, erwartet, dass die Preise fürs mobile Telefonieren in diesem Jahr noch schneller sinken als im vergangenen. Dabei sind die Preise schon 2006 um rund vier Prozent in die Knie gegangen - die Mehrwertsteuer-Erhöhung ist da schon eingerechnet.
In diesem Jahr wird die Europäische Union für eine neue Preissenkung sorgen. Sie will den Anbietern vorschreiben, die teils horrenden Preise für Telefonate im Ausland zu senken. Doch schon vorher dürfte es weiter abwärtsgehen. Denn in Deutschland gibt es inzwischen mehr Handy-Nummern als Einwohner. In der Branche herrscht darum ein harter Wettbewerb. Die Kunden können sich freuen: Dass es weiter nach unten geht, daran zweifelt kein Anbieter.
Achtung vor dem Haken
Doch Vorsicht: Je billiger in einem Tarif die Kosten pro Minute werden, desto größer muss der Haken an anderer Stelle sein. Das gilt auch für die Tarife, die in den nächsten Wochen noch kommen. Dafür gibt es einen einfachen Grund mit einem hässlichen Namen: Terminierungsentgelte. Das ist der Preis, den Vodafone an T-Mobile zahlen muss, wenn ein Vodafone-Kunde einen von T-Mobile anruft: dafür, dass T-Mobile das Gespräch durch sein Netz leitet. Diese Entgelte legt die Bundesnetzagentur fest, sie liegen seit November bei neun bis zehn Cent pro Minute - ohne Mehrwertsteuer. Auf Dauer werden sie wohl weiter sinken, das nächste Mal aber frühestens im Herbst.
Wenn ein Anbieter schon vorher einen Zehn-Cent-Tarif anbietet, zahlt er bei Gesprächen in andere Netze drauf. Das muss er irgendwo wieder hereinholen. Eine Lösung: Er berechnet seinen Kunden teurere Preise an anderen Stellen, an denen es nicht so auffällt. Wer ein Handy mit einem der neuen Billigtarife hat, muss deshalb ständig auf der Hut sein. Ein Beispiel dafür ist O2. Die Firma liegt gerade im Streit mit einigen Kunden, weil sie die Preise für 0180-Nummern deutlich angehoben hat. Rechtsanwalt Jürgen Malberg vom Telefonkosten-Berater TCS Sobotka empfiehlt, die Verträge außerordentlich zu kündigen und die Rechnungen für die Zeit nach der Kündigung nicht zu zahlen. O2 spricht seinen Kunden dieses Kündigungsrecht ab.
Kunden sollten über einen Wechsel nachdenken
Auch bei den neuen Zehn-Cent-Tarifen gibt es Eigenheiten, über die sich Kunden ärgern: SMS kosten zum Beispiel 20 Cent. Das ist recht teuer, bei Discount-Tarifen gibt es die Kurznachrichten schon fast zum halben Preis (siehe Tabelle). Außerdem muss sich jeder, der so einen Vertrag abschließt, auf zwei Jahre festlegen. In einem Jahr könnten die Preise aber noch einmal deutlich niedriger sein als bei den Billigtarifen von heute - davon profitieren Kunden dann nicht mehr. Bei solchen Billigtarifen gibt es auch kein Handy dazu. Wer eines haben will, muss bei E-Plus monatlich fünf oder zehn Euro mehr bezahlen - wie viel, kann der Kunde sich aussuchen. Der Zehn-Euro-Tarif lohnt dabei kaum: Zählt man die monatlichen Kosten und die Handypreise zusammen, ist meist das Fünf-Euro-Angebot das günstigere.Wer kein anspruchsvolles Handy braucht, kann sich auch gut anderswo nach einem Handy ohne Vertragsbindung umsehen, zum Beispiel im Internet oder bei Handy-Discountern.
Die Discounter sollte sich sowieso jeder ansehen, der beim Telefonieren sparen möchte. Denn viele Handynutzer haben noch ein altes Gerät in der Schublade. Wer das wieder herausholt und über einen Handy-Discounter betreibt, zahlt monatlich nichts zusätzlich und nutzt trotzdem die Discounter-Tarife. Die können nämlich für bestimmte Situationen deutlich günstiger sein als die Tarife im Laufzeit-Vertrag: für SMS zum Beispiel oder für Telefonate zwischen zwei Freunden beim selben Discounter. Mit so einer Kombination lohnen sich die neuen Zehn-Cent-Tarife richtig.
Wer nur ein Handy hat, sollte über einen Wechsel nachdenken - vor allem diejenigen, die schon länger als ein Jahr denselben Prepaid-Tarif nutzen. Denn die Alttarife sind meist deutlich teurer als die neuen. Will man bei einem Anbieter bleiben, der bisher noch keinen billigen Tarif auf den Markt gebracht hat, lohnt es sich wahrscheinlich zu warten, bis der seine Preise ebenfalls senkt. Doch Vorsicht bei Laufzeitverträgen mit Grundgebühr: Wer die nicht drei Monate vor Ablauf kündigt, hat sie oft wieder für ein Jahr am Hals.
Patrick Bernau Jahrgang 1981, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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