Home
http://www.faz.net/-gqm-vxw3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Mobilfunk Billig telefonieren beim Discounter

29.10.2007 ·  Die Preise im deutschen Mobilfunk sind stark gefallen. Dennoch zahlen viele Kunden immer noch sehr hohe Minutenpreise. Das lässt sich durchaus ändern - wenn man auf ein subventioniertes Handy verzichtet.

Von Johannes Winkelhage
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Die Deutschen kaufen so viele Handys wie nie zuvor. Rund 37 Millionen Mobiltelefone werden 2007 nach Schätzungen des Branchenverbandes Bitkom über die Ladentheke gehen - weiterhin hoch subventioniert durch die Netzbetreiber. Diese holen sich diesen Zuschuss über die Grund- oder die Minutenpreise zurück. Am Ende zahlt der Kunde für das Handy, nur verteilt auf die Vertragslaufzeit.

Entsprechend stecken Millionen von Deutschen in Verträgen mit einer Laufzeit von zwei Jahren und vergleichsweise hohen monatlichen Kosten fest. Dabei kann Mobilfunk recht preiswert sein, wenn man zum Discounter wechselt und sich ein Handy anderweitig besorgt.

Bündelangebote oft teuer

Viele Verbraucher können mit einem zum Beispiel bei Ebay ersteigerten Handy in Verbindung mit einem Billigtarif sehr viel preiswerter fahren als mit der zweijährigen Bindung an ein Bündelangebot der großen Netzbetreiber. So liegen die niedrigsten Minutenpreise der Discounter inzwischen bei etwa 10 Cent. T-Mobile verlangt zum Beispiel in seinem Bündeltarif Relax 50 ohne Handy von seinen Kunden je Gesprächsminute mit 20 Cent schlicht das Doppelte. Bei Vodafone fällt die Vergleichsrechnung noch schlechter aus: Mehr als 21 Cent je Minute zahlt der Kunde rechnerisch für das kleinste Bündelangebot ohne Handy. Wenn der Kunde aber weniger als die 50 (T-Mobile) oder 60 (Vodafone) im Paket enthaltenen Minuten telefoniert, wird es entsprechend noch teurer, da sich der pauschale Grundpreis nicht verändert und nur auf weniger Minuten umgelegt wird.

Telefoniert der Kunde hingegen mehr, was sich alle Anbieter wünschen, wird es erst recht teuer: Bei Vodafone schlägt die Folgeminute mit 45 Cent und bei T-Mobile sogar mit 49 Cent zu Buche. Preisunterschiede also, die auf Dauer reichlich Spielraum für die Anschaffung eines nicht subventionierten Mobiltelefons lassen, zumal die Netzbetreiber diesen Tarifen ebenfalls kein Telefon beilegen.

Anbieterwechsel lohnt sich häufig

So hat sich das Preisniveau im deutschen Mobilfunkmarkt in den vergangenen Jahren deutlich nach unten bewegt. Die Kunden haben gelernt, dass es sich durchaus lohnt, den Anbieter zu wechseln - auch wenn man seine bisherige Rufnummer nicht immer mitnehmen kann. Gerade bei den Angeboten, die wie Fonic oder Bild Mobil derzeit Preisführer im Markt sind, ist diese Möglichkeit noch nicht gegeben. Es wird aber daran gearbeitet, diese Hürde zu beseitigen, heißt es bei den Anbietern.

Die Konzepte, mit denen die Discounter derzeit versuchen, sich untereinander abzugrenzen, setzen vor allem auf unterschiedliche Nutzungsgewohnheiten der Kunden. So kommen immer mehr Community-Tarife auf den Markt, die wie bei Aldi, sMobil oder Blau und Tchibo sehr preiswerte Gespräche zu anderen Kunden desselben Anbieters ermöglichen. Diese Kalkulation ist möglich und wahrscheinlich sogar lukrativ, da diese Telefonate das Netz des jeweiligen Betreibers nicht verlassen.

Preisuntergrenze Terminierung

Dies ist von großer Bedeutung, da netzübergreifende Gespräche direkte Kosten verursachen, da das Fremdnetz für die Ablieferung des Telefonates zum Kunden - was auch als Terminierung bezeichnet wird - ein Entgelt erhält. Diese Preise liegen für Gespräche in das T-Mobile- oder Vodafone-Netz bisher bei 8,8 Cent in der Minute, E-Plus und O2 erhalten 9,9 Cent für die Gespräche, die aus fremden Netzen bei ihren Mobilfunkkunden landen.

Diese Terminierungs-Preise markieren auch die Untergrenze, unter der ein wirtschaftliches Angebot für Telefonate zum Einheitspreis nicht mehr möglich ist. So liegen Bild und Fonic mit rund 10 Cent je Minute schon knapp an der Wirtschaftlichkeitsgrenze. Da für die Gespräche ins Festnetz aber nur ein Preis von weniger als einem Cent zu zahlen ist, sind Mischkalkulationen durchaus üblich.

Auf die Laufzeit achten

So kann teilweise auch erklärt werden, dass Debitel einen Einheitspreis von 5 Cent anbieten kann. Hinzu kommt, dass der Grundpreis von 2,95 Euro im Monat erhoben wird. Außerdem ist der Debitel Crash 5 nicht unbegrenzt verfügbar. So war es am Anfang schwierig, einen solchen Tarif zu ergattern. Inzwischen hat sich diese Situation aber entspannt. Damit gehört der Debitel-Tarif zu den preiswertesten Angeboten, obwohl im Minutentakt (60/60) abgerechnet wird, während andere nach der ersten Minute auf einen Sekundentakt umschalten (60/10).

Für diejenigen, die sehr viel ins Festnetz telefonieren, lohnen sich auch die Zusatzoptionen eines Pauschaltarifs, die bei Base oder auch von Tchibo angeboten werden. Auch sollte der Verbraucher auf die Laufzeit der Verträge achten, bevor er sich für ein Angebot entscheidet.

Teuer bleiben die Telefonate ins Ausland

Andere Wege, sich untereinander abzugrenzen, sind zum Beispiel niedrige SMS-Tarife oder auch die Frage, ob das Abrufen der Nachrichten von der eigenen Mailbox kostenpflichtig ist oder nicht. Große Unterschiede gibt es zudem bei den Datentarifen. Hier sind die Preisunterschiede sogar unter den Discountern gewaltig. Während sMobil von Schlecker ganze 19 Euro für das Megabyte an Daten verlangt, kann der Kunde bei Aldi oder Fonic schon für 24 Cent die gleiche Datenmenge über das Netz schicken. Preiswert ist hier auch Bild Mobil, wo 35 Cent je Megabyte anfallen und zudem das Datennetz von Vodafone genutzt wird, das als gut ausgebaut gilt.

Früher hatten die Discounter noch den Nachteil, dass die Handynutzung im Ausland sehr teuer war. Hier wurden teilweise Minutenpreise von mehr als 1,80 Euro berechnet. Nachdem die EU diese Entgelte jetzt aber einer Regulierung unterworfen hat, telefonieren auch die Discounterkunden zumindest im europäischen Raum für 58 Cent in der Minute. Ankommende Gespräche schlagen mit 28 Cent zu Buche.

Weiterhin teuer sind allerdings bei allen Anbietern die Telefonate aus Deutschland ins Ausland, aber auch hier gibt es schon Sparpotential in Form von spezieller Software für das Handy. Diese leitet den Ruf entweder um oder sorgt für einen Rückruf. Mit beiden Varianten lässt sich sparen - wie überall im Handygeschäft.

Quelle: F.A.Z., 29.10.2007, Nr. 251 / Seite 19
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Böses Spiel

Von Holger Steltzner

Mit größter Selbstverständlichkeit und in unerträglichem Ausmaß zahlt die Elite Griechenlands keine Steuern und flüchtet mit Milliarden ins Ausland - und jede griechische Regierung lässt sie gewähren. In den Geberländern wächst die Wut der Steuerzahler. Mehr 38 144

29.05.2012 12:25 Uhr
  Vortag
Dax 6.358,72 +0,56%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.386,08 +0,68%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2530 −0,09%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ −0,34%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.