15.02.2010 · Das iPhone hat den Weg bereitet, jetzt springen alle auf den Zug auf: Mobiltelefone, mit denen sich unterwegs im Internet surfen lässt, sind die Zugpferde der Branche. Doch die strategische Schlacht wird um die Betriebssysteme geschlagen.
Von Holger Schmidt, Barcelona„Das mobile Internet ist die nächste große Welle“, sagte der Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt – allerdings schon vor zwei Jahren. In der Zwischenzeit ist aus dem ewigen Hoffnungsträger tatsächlich ein Geschäft geworden. Mit internetfähigen Handys, den sogenannten Smartphones, werden Milliarden umgesetzt. 174 Millionen dieser Smartphones haben die Hersteller nach Schätzungen des Marktforschers IDC im vergangenen Jahr in aller Welt verkauft; 15 Prozent aller abgesetzten Mobiltelefone gehören in diese Geräteklasse.
In diesem Jahr wird der Anteil weiter steigen, denn immer mehr Anbieter drängen in den Markt, was die Preise wohl deutlich purzeln lassen wird. Da die Konsumenten gleichzeitig bereit sind, für den Mehrwert, den ihnen ein sogenanntes Smartphone gegenüber einem herkömmlichen mobilen Telefon bietet, auch etwas mehr Geld auszugeben, könnte der Marktanteil der Smartphones in den entwickelten Ländern nun auf bis zu 25 Prozent oder noch mehr steigen.
Nach Berechnungen des Branchenverbandes Bitkom wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 5,6 Millionen Smartphones verkauft, 79 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In diesem Jahr sollen 8,2 Millionen Geräte über die Ladentische gehen, erwartet der Verband. Trotz schwacher Wirtschaftslage wäre dies ein Zuwachs von fast 50 Prozent, verbunden mit einem Umsatzanstieg auf 1,5 Milliarden Euro. Nach einer Umfrage des Beratungsunternehmens Accenture gehen inzwischen 7,7 Millionen Menschen in Deutschland mobil ins Internet. Nutzten vor zwei Jahren nur 22 Prozent der Handy-Surfer das mobile Internet täglich, sind es jetzt schon 43 Prozent, die täglich per Handy im Internet unterwegs sind.
„LTE wird vorwiegend für Datenübertragung genutzt“
Meist nutzen die Menschen ihre mobilen Geräte, um ihre E-Mails zu lesen. Danach folgen Wetterinformationen, allgemeine Nachrichten, Wegbeschreibungen und Reiseverbindungen. Das größte Wachstum verzeichnen die mobilen Zugriffe auf soziale Medien, Videos und Online-Spiele, während das Geschäft mit dem Verkauf von Klingeltönen stark nachgelassen hat. Immerhin 7 Prozent der mobilen Surfer schauen sich Fernsehsendungen an oder telefonieren per Internet. Dieser Anteil wird aber steigen, wie Hans Vestberg, der Vorstandsvorsitzende des schwedischen Netzwerkausrüsters Ericsson, vermutet.
„Die nächste Netzwerkgeneration LTE wird vorwiegend für Datenübertragung genutzt. Aber Sprache wird langfristig zunehmen“, sagte Vestberg auf der Mobilmesse in Barcelona. Ericsson testet gerade ein LTE-Netzwerk mit einem Gigabit je Sekunde Übertragungsgeschwindigkeit. Auch Nokia Siemens Networks bereitet sich auf eine „Explosion des Datenverkehrs“ vor. „Der Datenverkehr mit diesen smarten Geräten wird von 2009 bis 2015 um 10 000 Prozent steigen“, sagte Rejeev Suri, der Vorstandsvorsitzende des finnisch-deutschen Gemeinschaftsunternehmens, in Barcelona. Da das Geschäft mit den normalen Handys eher stagniert oder nur noch leicht wächst, drängen alle Gerätehersteller in dieses lukrative Segment vor. Dort ist der Wettbewerb aber noch härter als gewöhnlich, denn neue Anbieter machen den Platzhirschen wie Nokia, Motorola oder Samsung dort das Leben schwer.
Jedes fünfte ausgelieferte Gerät stammt von den Kanadiern
Zwar ist der finnische Hersteller Nokia mit einem Anteil von knapp 39 Prozent im Smartphone-Markt weiterhin auch in dieser Sparte Weltmarktführer, doch die Konkurrenz hat den Finnen in den vergangenen Jahren spürbar Marktanteile abgenommen. Das ist einerseits der kanadische Hersteller Research in Motion (RIM), dessen Blackberrys immer noch in der Geschäftswelt führend sind. Jedes fünfte ausgelieferte Gerät in dieser Klasse stammt von den Kanadiern. Der Aufsteiger der vergangenen Jahre ist jedoch der amerikanische Anbieter Apple, dessen iPhone trotz hoher Zuwächse 2009 aber nur einen Anteil von 14,4 Prozent an allen abgesetzten Smartphones erreicht hat. Schon mit weitem Abstand folgen die Hersteller Motorola, Samsung und HTC, während Anbieter wie Sony-Ericsson oder Palm von IDC in der Kategorie „Sonstige“ untergebracht worden sind, mithin keine nennenswerte Rolle gespielt haben.
Der Wettbewerb verlagert sich zurzeit von den Geräten auf die Ebene der Betriebssysteme. Das Ziel der Anbieter lautet, möglichst viele Geräte mit seinem Betriebssystem in den Markt zu drücken, um eine breite Basis für den Verkauf von Zusatzprogrammen („Apps“), Inhalten oder auch mobiler Werbung zu schaffen. Während Apple und RIM den Ansatz verfolgen, Gerät und Betriebssystem aneinander zu koppeln, setzen Google und neuerdings auch Nokia auf das Geschäftsmodell „Free“, verschenken also ihre Systeme Android und Symbian, um die Hersteller anzulocken. Auch Palm und Samsung gehen mit eigenen Betriebssystemen an den Start.
Eigenes Gerät unter dem Namen „Pink“?
Einen dritten Weg geht der Softwarehersteller Microsoft, der mit seinem Betriebssystem Windows Mobile 6.5 seit Jahren um den Anschluss ringt. In Barcelona stellte der Vorstandsvorsitzende Steve Ballmer seine Antwort auf die Herausforderer Apple und Google vor: Windows Phone 7 heißt das neue Betriebssystem von Microsoft, das sich anders als frühere Varianten an die privaten Konsumenten richtet, aber auch mobile Varianten des Microsoft-Bürosoftwarepaketes Office an Bord hat.
Gerüchte, auch Microsoft plane, ein eigenes Gerät unter dem Namen „Pink“ auf den Markt zu bringen, bestätigte Ballmer nicht. In der Preispolitik ist Microsoft konservativ: Windows Phone 7 soll weiterhin verkauft werden. Google verfolgt den anderen Weg: Weil die Gerätehersteller nach Ansicht von Google nicht genügend Geräte mit dem Betriebssystem Android verkauft haben, brachte der Suchmaschinenriese ein eigenes Gerät mit dem Name Nexus One auf den Markt, das zwar zurzeit technisch ist, aber bei weitem nicht den Absatzerfolg eines iPhones erreichte. Weitere Nexus-Geräte sollen folgen. Möglicherweise auch deutlich günstiger als das aktuelle Gerät.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |