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Mobile Viren Der erste Virus für das Handy ist ungefährlich

17.06.2004 ·  Die Hackerszene rüstet sich für den Angriff auf Mobiltelefone. Ein erster Handywurm wurde vorgestellt. Bisher sind nur wenige Geräte angreifbar. Dennoch könnten in Zukunft große Schäden entstehen.

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Viren und Würmer sind inzwischen als massive Bedrohung der Computersicherheit bekannt. Dennoch haben Schädlinge wie Sober oder Lasser häufig noch leichtes Spiel und verbreiten sich binnen kürzester Zeit rund um den Erdball.

Was Computernutzer schon längst als Bedrohung erkannt haben, droht künftig auch den Besitzern von Mobiltelefonen: Jetzt ist der erste Handy-Wurm aufgetaucht. Er hört auf den Namen Cabir. Der Wurm wurde allerdings von seinen stolzen Entwicklern zunächst gar nicht in Umlauf gebracht, sondern erst mal an die Hersteller von Anti-Viren-Software geschickt. Offenbar war man sich nicht sicher, ob der Wurm funktionieren würde, und wollte zunächst einen Test durch die Experten der Sicherheitsanbieter vornehmen lassen.

Diese haben jetzt bescheinigt: Cabir funktioniert, ist aber eigentlich unschädlich. Es handelt sich nach Angaben der Unternehmen wie Symantec oder Kaspersky lediglich um den Beweis, daß die Funktionsweise von Cabir in Ordnung ist und er seine Aufgaben erledigt. Dies Vorgehen ist in der Hackerszene auch unter dem Begriff "Prove of Concept" bekannt.

Kein Grund zur Panik

Im Display der befallenen Mobiltelefone sorgt Cabir dafür, daß sein Name eingeblendet wird. Außerdem sucht er über die drahtlose Bluetooth-Schnittstelle, die eigentlich zur Synchronisierung der Mobiltelefone mit anderen Geräten vorgesehen ist, permanent nach anderen Bluetooth-Handys. Findet er ein solches Gerät in der näheren Umgebung - Bluetooth hat einen Übertragungsradius von höchstens 15 Metern um den Ausgangspunkt -, verschickt er sich selber auf dieses neue Gerät und installiert sich dort ebenso.

Es gibt nach Ansicht von Fachleuten allerdings bisher noch keinen Grund zur Panik unter den Mobilfunkanwendern. Erstens funktioniert Cabir nur auf Mobiltelefonen mit eingeschalteter Bluetooth-Funktion. Zweitens wird er nur auf den multimediafähigen Smartphones, den programmierbaren Handys mit offenem Betriebssystem der Marke Symbian aktiv. Auch muß die Nokia-Betriebssoftware Series 60, die auch von anderen Herstellern als Benutzeroberfläche genutzt wird, auf dem Gerät installiert sein. Erst offene Betriebssysteme, die eine nachträgliche Installation verschiedenster Software erlauben, öffnen Hackern den Weg auch auf die Handys. Insgesamt sind bisher aber nur rund 10 Millionen Handys mit diesen Betriebssystem im Umlauf.

Aber schon und in diesem Jahr sollen nach Schätzungen von Nokia abermals rund 20 Millionen solcher Geräte hinzukommen. Allerdings ist dies bei einem Gesamtmarkt von 600 Millionen Mobiltelefonen, die in diesem Jahr verkauft werden sollen, immer noch ein sehr kleiner Anteil.

Hohe Schäden möglich

Bei Symbian macht man außerdem darauf aufmerksam, das die Installation von Cabir auf dem Gerät dreimal vom Nutzer bestätigt werden müsse. "Es bedarf schon einer gehörigen Mithilfe des Nutzers, um diesen Wurm auf einem solchen Gerät zu installieren", sagte Symbian-Sprecherin Anatolie Papas.

Allerdings gibt es nach Ansicht der Virenexperten aber auch keinen Grund zur Entwarnung. Der Schaden, den solche Angriffe verschärfter Wurm- oder Virusvarianten auf Mobiltelefonen anrichten könnten, ist immens. So könnte das Gerät selbständig damit beginnen, Kurzmitteilungen an teure Premiumnummern zu schicken oder könnte diese Nummern - besser bekannt unter dem Code 0190 - permanent anrufen. So könnten innerhalb kurzer Zeit sehr hohe Kosten für den Inhaber des Telefons entstehen. Weniger kostenintensiv, aber um so ärgerlicher wäre das Löschen von Daten oder das permanente einschalten des Displays, was zu einer schnellen Entladung der Batterie führen würde.

Quelle: jcw., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2004, Nr. 138 / Seite 18
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Von Holger Steltzner

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