18.06.2009 · An Twitter kommt keiner vorbei. Auch nicht die Unternehmen. Sie tummeln sich auf der Kommunikationsplattform. Die Betreiber haben wenig davon: Twitter ist noch ohne Umsatz. Dafür sind sie der Liebling der Internetbranche.
Von Holger SchmidtDer amerikanische Computerbauer Dell ist als eines der ersten Unternehmen auf den Zug aufgesprungen. Seit Sommer des vergangenen Jahres vertreibt Dell seine Computer auch über den Internet-Kommunikationsdienst Twitter. "Wir sehen, dass Menschen über unseren Twitterkanal auf die Internetseite kommen und dort Produkte kaufen", sagt Vertriebsmitarbeiterin Stephanie Nelson, die den Twitter-Kanal steuert. Drei Millionen Dollar Umsatz hat das Unternehmen auf diesem Weg bisher erzielt, der auch für die Kommunikation mit den Kunden genutzt wird. Rund 660.000 Twitterer lassen sich per Twitter mit Angeboten des Unternehmens versorgen.
Twitter kann in Unternehmen aber nicht nur als Vertriebskanal genutzt werden. Der amerikanische Kabelnetzbetreiber Comcast setzt Twitter als Instrument für den Kundendienst ein, reagiert dort auf Beschwerden und schickt Techniker los. Comcast hat seine Lektion aber erst bitter lernen müssen. Denn als ein Servicetechniker des Unternehmens dabei ertappt wurde, als er einen Mittagsschlaf im Wohnzimmer seines Kunden hielt, statt den Internetanschluss zu reparieren, verbreitete sich die Geschichte im Internet wie ein Lauffeuer - und Comcast war nicht in der Lage, die Sache zu stoppen. "Unternehmen sollten es nicht an sich vorbeigehen lassen, wenn sich Kunden über die eigenen Produkte oder Marke unterhalten. Wenn ein Unternehmen nicht dabei ist, kann es sein, dass sich auf Twitter etwas aufbaut, was hinterher nur mit viel Mühe wieder bereinigt werden kann", sagt Twitter-Expertin Nicole Simon. Immerhin setzen die meisten Unternehmen heute Monitoring-Instrumente ein, um überhaupt mitzubekommen, was über sie getwittert wird. Um dann entsprechen reagieren zu können, bauen viele Unternehmen auf Twitter immerhin ihre eigene Reichweite auf.
Viele Unternehmen müssen noch lernen, richtig mit dem Instrument umzugehen
In Deutschland interessieren sich immer mehr Entscheider aus den Marketing- und Vertriebsabteilungen für Twitter. Allerdings müssen viele Unternehmen noch lernen, richtig mit dem Instrument umzugehen. Plumpe Werbung wird auf Twitter schnell enttarnt und führt eher zu negativen Effekten für ein Unternehmen. "Es gibt in Deutschland nur wenige Unternehmen wie Vodafone, in denen man eine Systematik im Umgang mit Twitter erkennt. Die Firmen erkennen aber jetzt, dass sie Twitter in ihre Kommunikationsstrategie einbauen müssen", sagt Mirko Lange von der Münchner Kommunikationsagentur Talkabout.
Twitter, Facebook, Xing: Das Internet und seine Communities sind ein einziger Kindergarten, findet Peter Richter. Deshalb ist er ab sofort dabei. Als Kindergärtner.
Viele Unternehmen sind allerdings noch im Experimentierstadium. Zum Beispiel setzt die Lufthansa auf Twitter als Vertriebskanal und bietet Reisen an. "Von den 2900 Followern sind aber nur 800 aktive, deutschsprachige Twitterer, welche die Angebote in deutscher Sprache auch verstehen können. Das kann daher nur ein Einstieg sein; die Lufthansa bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück", sagt Lange. Auch Volkswagen versucht sich jetzt auf der neuen Kommunikationsplattform. In einer Werbekampagne können die Twitterer Empfehlungen für Autos abgeben. Der Autohersteller Daimler hat lange überlegt, ob sich ein Engagement auf Twitter lohnt.
Seit kurzem ist das Stuttgarter Unternehmen mit gleich drei Accounts aktiv, twittert offizielle Unternehmensnachrichten ebenso wie Informationen aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Lange hat das Unternehmen mit sich gehadert, ob neben der Kommunikationsabteilung noch andere Mitarbeiter in dem neuen Medium für das Unternehmen schreiben dürfen. Es führt nach Ansicht der Fachleute aber selten zum gewünschten Erfolg, Twitter nur in der Kommunikationsabteilung anzusiedeln. "Es macht Sinn, wenn mehrere Abteilungen twittern. Die Mitarbeiter sollten aber vorher geschult werden, was sie schreiben dürfen und was besser nicht. Denn ein Tweet lässt sich nicht zurückholen. Man sollte aber nicht versuchen, es zu unterdrücken. Das klappt nicht", sagt Simon.
„Ein echter Mehrwert für ein Unternehmen“
Richtig gut funktioniert Twitter aber nur, wenn die Unternehmen oder Organisationen eine echte Beziehung zu ihren Followern aufbauen. "Die Unternehmen sollten ihren Followern das Gefühl geben, Teil des Prozesses zu sein", sagt Lange. Das gelingt vielen Unternehmen heute weniger gut als einzelnen Mitarbeitern. "Stefan Keuchel von Google oder Claudia Sommer von Greenpeace gelten als Blaupausen, wie man auf Twitter richtig kommuniziert", sagt Lange.
Großes Potential sieht er auch in der Verbreitung von Ad-hoc-Mitteilungen. "Es gibt kein schnelleres Medium als Twitter. Wenn es auf Minuten ankommt, schafft Twitter einen echten Mehrwert für ein Unternehmen", sagt Lange.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |