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Microsoft will Yahoo kaufen Die Verzweiflungstat

02.02.2008 ·  Der größte Softwarekonzern der Welt hat es aus eigener Kraft nicht geschafft, Punkte gegen Google zu machen. Jetzt soll eine Übernahme von Yahoo den Durchbruch bringen. Es wäre eine Kombination von zwei schwachen Partnern.

Von Roland Lindner und Uta Bittner
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Im Nachhinein klingt es fast prophetisch: „Wir sind in einer Phase der Investition“, sagte Microsoft-Mitgründer und -Verwaltungsratsvorsitzender Bill Gates vor wenigen Wochen in einem Interview mit dieser Zeitung mit Blick auf das Internetgeschäft. Wie ernst er das gemeint hat, weiß man jetzt: Der weltgrößte Softwarehersteller plant die mit weitem Abstand größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte. Mit dem Kauf von Yahoo will das Unternehmen endlich den lange ersehnten Durchbruch im Internetgeschäft schaffen.

Das feindliche Angebot für Yahoo wirkt wie eine Verzweiflungstat. Es ist das Eingeständnis, dass Microsoft es aus alleiniger Kraft nicht schafft, dem zunehmend übermächtigen Wettbewerber Google Konkurrenz zu machen. Bill Gates selbst sagte in dem Interview: „Ich bin der Erste, der zugibt, dass Google im Geschäft mit der Online-Suche und -Werbung weit, weit vor uns liegt.“ In der Branche wird schon seit geraumer Zeit geunkt, dass Microsoft und Yahoo am Ende nicht um einen Zusammenschluss herumkommen, wenn sie im Wettbewerb mit Google Punkte machen wollen. Microsoft hat jetzt zugegeben, dass die beiden Unternehmen vor gut einem Jahr schon einmal über eine Kombination gesprochen haben. Am Ende habe Yahoo die Gespräche abgebrochen.

Suche nach einem Standbein in der Onlinewerbung

Seit Jahren versucht Microsoft, sich im lukrativen Wachstumsmarkt mit Onlinewerbung zu etablieren, der für Google zu einer Goldgrube geworden ist. Das Unternehmen hat Milliardenbeträge in Internetdienste wie MSN oder Windows Live investiert. So hat das Unternehmen aus eigener Kraft eine Suchmaschine entwickelt, um mehr Nutzer auf seine Seiten zu ziehen. Ebenso hat Microsoft eine Technik geschaffen, mit der Anzeigen neben Suchergebnisse gestellt werden. Genau diese Anzeigen sind es, die Google so erfolgreich machen: Der unumstrittene Marktführer hat eine überlegene Technologie, Anzeigen auszuwählen, die inhaltlich zu dem Suchvorgang eines Nutzers passen. Die Anzeigen von Google sind relevanter als bei anderen Suchmaschinen, werden häufiger angeklickt. Und bei jedem Klick fließt Geld in die Kassen von Google.

Von diesen Anzeigen kann ein Unternehmen aber nur profitieren, wenn die Suchmaschine auch genutzt wird, und hier kommt Microsoft nicht voran. Im Gegenteil: Nach jüngsten Zahlen des Marktforschungsinstituts Comscore lag der Anteil von Microsoft an Internetsuchen in Amerika bei weniger als 10 Prozent. Im Jahr 2005 lag Microsoft noch bei mehr als 15 Prozent. Auch für Yahoo ging es bergab, von mehr als 30 Prozent auf knapp 23 Prozent. Google dagegen hat zuletzt 58 Prozent aller Internetsuchen ausgeführt, vor drei Jahren waren es noch knapp über 40 Prozent. Bis heute ist das Internetgeschäft für Microsoft ein Verlustbringer. Im jüngsten zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2007/2008 (30. Juni) hat sich der operative Verlust hier von 118 Millionen auf 245 Millionen Dollar verdoppelt.

Verstärkt auf Akquisitionen gesetzt

Microsoft hat schon vor dem Angebot an Yahoo verstärkt auf Akquisitionen gesetzt: So kaufte das Unternehmen im vergangenen Jahr für 6 Milliarden Dollar den Online-Werbevermarkter Aquantive. Das Unternehmen ist auf Techniklösungen zur Bereitstellung von Internetanzeigen spezialisiert. Microsoft wollte damit die kurz vorher angekündigte Akquisition des Aquantive-Wettbewerbers Doubleclick durch Google kontern.

Im Herbst stieg Microsoft außerdem bei der aufstrebenden amerikanischen Online-Gemeinde Facebook ein. Dabei handelte es sich zwar nur um einen kleinen Minderheitsanteil von 1,6 Prozent, für den Microsoft 240 Millionen Dollar zahlte. Trotzdem galt die Verbindung mit Facebook als einer der wenigen Erfolge, die Microsoft im Kampf gegen Google verbuchen konnte.

Der Zeitpunkt für den Vorstoß von Microsoft ist günstig, denn Yahoo ist sehr anfällig für eine Übernahme geworden. Yahoo hat die Märkte zuletzt ein ums andere Mal mit seinen Zahlen enttäuscht, und der Aktienkurs hat dramatisch an Wert verloren. Erst in dieser Woche hat Vorstandsvorsitzender Jerry Yang bei der Vorlage der Quartalszahlen zugegeben, dass das Unternehmen vor einem weiteren schwierigen Jahr steht. Vor dem Hintergrund der schlechten Aussichten dürfte es Yahoo schwerfallen, das üppige Angebot von Microsoft abzulehnen. Für Microsoft wiederum ist eine Übernahme von Yahoo finanziell leicht zu stemmen. Das Unternehmen hat allein mehr als 21 Milliarden Dollar an Barvorräten. Auch wenn das Internetgeschäft in der Verlustzone steckt: Die Kernprodukte von Microsoft wie das Betriebssystem Windows oder die Bürosoftware Office sind hochprofitabel.

Lukrativ: bezahlte Plazierung bei Suchmaschinen

Marktbeobachter rechnen indes mit einem langsameren Wachstum des Online-Werbemarkts. Lagen die jährlichen Zuwachsraten im amerikanischen Online-Werbegeschäft in den Jahren 2004 bis 2006 noch bei mehr als 30 Prozent, rechnet das Marktforschungsunternehmen E-Marketer für 2010 nur noch mit 15 Prozent Wachstum. Das entsprechende Marktvolumen der Online-Werbung soll dann bei 36,5 Milliarden Dollar liegen, was etwas mehr als 11 Prozent des gesamten Werbemarktes entspricht.

Das meiste Geld geben Unternehmen hierbei für die Suche im Netz aus: Fast die Hälfte der Online-Werbeausgaben entfallen auf die bezahlte Plazierung bei Suchmaschinendiensten. Und das soll, glaubt man den Angaben der Marktforscher, auch in den nächsten Jahren so bleiben. Zudem gewinnen Videowerbebotschaften immer mehr an Bedeutung – zu Lasten der klassischen Bannerwerbung. Hier hat Google mit dem Kauf von Youtube im Herbst 2006 einen wichtigen Coup gelandet und scheint gewappnet zu sein, wenn die Ausgaben für Werbung über Videobotschaften sich in den nächsten zwei Jahren auf etwa 4 Milliarden Dollar verdoppeln.

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