Home
http://www.faz.net/-gqm-73voy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Microsoft Neustart mit Windows 8

 ·  Es ist eine der riskantesten Produkteinführungen für den Softwarekonzern: Mit Windows 8 möchte Microsoft auf PCs und Tablets punkten. Nun sind auch Preise bekannt.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (37)

Der Softwarekonzern Microsoft hat den offiziellen Startschuss für eine seiner wichtigsten und auch riskantesten Produkteinführungen seit Jahren gegeben. Vorstandsvorsitzender Steve Ballmer stellt in New York Windows 8 vor, die Neuauflage seines dominierenden Betriebssystems für Personalcomputer. Es ist ein Versuch, sich auf den rapiden Wandel in der Branche einzustellen.

Die Konkurrenz mobiler Geräte wie Tabletcomputer und Smartphones setzt dem traditionellen PC-Revier von Microsoft mit Laptops und Desktop-Computern zu. Microsoft hat daher Windows 8 für den Einsatz sowohl auf PCs als auch auf Tablets konzipiert. Zusätzlich bringt der Konzern auch sein erstes eigenes Tablet namens Surface heraus, das es mit dem iPad von Apple aufnehmen soll.

Das Handy gibt die Richtung vor

Ballmer nannte Windows 8 den „Anfang einer neuen Ära bei Microsoft“. Der Konzern hat das Betriebssystem der radikalsten Überarbeitung seit 17 Jahren unterzogen. Damals erschien Windows 95 und etablierte die zum Standard gewordene grafische Benutzeroberfläche auf Windows-PCs. Für die Neuauflage orientierte sich Microsoft an seiner Handysoftware Windows Phone.

Übernommen wurden deren Oberfläche mit bunten Kacheln. Diese Kacheln stehen jeweils für bestimmte Programme und Funktionen. Sie aktualisieren sich fortlaufend, etwa dann, wenn neue E-Mails hereinkommen. Die Software erlaubt die Bedienung sowohl mit Berühren des Bildschirms (Touchscreen) als auch mit Tastatur und Maus.

Kacheloberfläche

Microsoft hat sich allerdings nicht völlig vom alten Erscheinungsbild verabschiedet. Vielmehr lässt Windows 8 das Hin- und Herwechseln zwischen der neuen Kacheloberfläche und dem gewohnten Desktop-Modus zu. Letzterer ist auch für die Bedienung mit Tastatur und Maus konzipiert, wobei der Nutzer sich auch hier auf Veränderungen einstellen muss. So fehlt zum Beispiel das gewohnte Startmenü.

Um den Kunden das neue Betriebssystem rasch schmackhaft zu machen und sie möglichst schnell zu einem Umstieg zu bewegen, bietet Microsoft spezielle Einführungsangebote in den kommenden drei Monaten an. Bis zum 31. Januar ist die „Profi“-Version Windows 8 Pro bereits zu einem Preis von 29,99 Euro an erhältlich. Dabei müssen Interessierte das System aus dem Internet herunterladen.

Ab Februar wird Windows teurer

Im stationären Handel ist Windows 8 Pro für 59,99 Euro zu haben. Vom 1. Februar an werden sämtliche neuen Windows-Varianten deutlich teurer. Die normale Windows-Version schlägt dann mit 119,99 Euro zu Buche, für die Pro-Version werden 279,99 Euro fällig. Wer Windows 8 im kommenden Jahr online beziehen will, muss ebenfalls 119,99 Euro bezahlen.

In all diesen Fällen handelt es sich um Upgradeprogramme, die Windows XP, Vista oder 7 voraussetzen. Der Elektronikhandel hofft, dass das neue Betriebssystem viele Kunden gleich zum Erwerb eines neuen Computers animiert. Windows-8-Endgeräte gibt es alleine in Deutschland in mehr als 1500 Fachhandelsgeschäften zu kaufen. „Ich bin überzeugt davon, dass Windows 8 im deutschen Markt sehr gut aufgenommen wird“, sagte der neue Microsoft-Deutschland-Geschäftsführer Christian Illek.

Nach seinen Angaben stehen bis zum Jahresende mehr als 100 Geräte – von Tablets über Notebooks bis zu All-in-one-PCs – mit dem neuen Betriebssystem zur Verfügung. Zu den Windows-8-Hardwareproduzenten gehören Acer, Asus, Dell, HP, Lenovo, Samsung, Sony und Toshiba.

Zu Weihnachten soll das Geschäft brummen

Microsoft hat den Handel und vor allem die großen Elektronikmarktketten in Deutschland schon im Vorfeld auf Windows 8 eingestimmt. 3000 Verkäufer wurden im Rahmen einer Trainings-Roadshow geschult. Der Handel zeige sich „euphorisch“ zum Start, hieß es. „Damit werden wir pünktlich zum Weihnachtsgeschäft die Hard- und Softwareverkäufe in Deutschland deutlich ankurbeln“, sagte Gustavo Möller-Hergt, Vorstandsvorsitzender des Großhändlers Also-Actebis.

In mehr als 130 Märkten der Ketten Media-Markt, Saturn und Expert finden bis zum 17. November sogenannte „Device Days“ statt, also Werbeveranstaltungen. In zehn Geschäften der Media-Saturn-Holding werde „auf der Fläche der Größe einer Zweizimmerwohnung“ demonstriert, wie Windows 8 über unterschiedliche Plattformen hinweg funktioniert.

Zweite Version für Tablets

Neben Windows 8 kommt am Freitag eine zweite Version des Betriebssystems namens Windows RT auf den Markt. Diese eingeschränkte Variante ist vor allem für den Einsatz auf Tablets gedacht. Sie erlaubt nicht den Wechsel zur alten Bildschirmoberfläche und kann auch nicht mit vielen traditionellen Windows-Programmen arbeiten.

Für Windows RT hat Microsoft neue Allianzen geschlossen. Sie wurde nicht für Mikroprozessoren der traditionellen Partner wie Intel entwickelt, sondern für solche mit dem Design des Anbieters ARM. Unter anderem ist Microsofts erster eigener Tabletcomputer Surface in einer von Freitag an erhältlichen Version mit Windows RT ausgestattet; später soll als teurere Variante ein Windows-8-Gerät dazukommen.

Surface kostet ähnlich viel wie iPad

Microsoft positioniert das Surface als Produkt, das sich nicht nur zum Konsum von Inhalten eignet, sondern auch als Arbeitsgerät. Dazu wurde eine spezielle Hülle entwickelt, die gleichzeitig als Tastatur genutzt werden kann. Mit einem Startpreis von 479 Euro liegt das Surface auf einer Höhe mit dem iPad. Die Analysten von Morgan Stanley trauen Microsoft zu, bis Jahresende drei Millionen Tablets zu verkaufen.

Die Einführung von Windows 8 wird auch von Skepsis begleitet. Die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten und Beschränkungen der neuen Windows-Varianten bringen nach Auffassung vieler Analysten die Gefahr mit sich, die Kunden zu verwirren. Gerade Unternehmen, die sich ohnehin oft viel Zeit nehmen, Windows-Neuauflagen zu implementieren, könnten zögern, den Sprung zu Windows 8 zu machen.

Der Rivale Apple konnte sich mit Blick auf die Strategie von Microsoft, Windows auf die Tablet- und PC-Welt gleichermaßen auszurichten, einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Man kann auch einen Toaster und einen Kühlschrank konvergieren lassen, aber das wird wohl kein angenehmes Nutzererlebnis bieten“, sagte Vorstandschef Tim Cook im Frühjahr.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

Jüngste Beiträge

Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Aktienkurse
Name Wert Änderung
  Nasdaq 100 --  --
  Facebook Inc. --  --
  Google --  --
  Apple --  --
  Zynga Inc. --  --

Protektionismus nach Brüsseler Art

Von Hendrik Kafsack, Brüssel

Die Europäische Kommission will Strafzölle auf Solarmodule aus China erheben. Zahlreiche Unternehmen warnen vor der Reaktion Chinas. Davon darf sich die EU nicht beeinflussen lassen – trotzdem sollten die Mitgliedsstaaten alles daran setzten, die Kommission von ihren Plänen abzubringen. Mehr 26 12

Wichtigste Werte
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --