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Microsoft gegen Symbian Kampf um das Betriebssystem auf dem Handy

14.02.2007 ·  Multimediahandys brauchen Betriebssysteme, genau wie PCs. Der Kampf um die Marktdominanz ist im vollen Gange. Doch es ist keinesfalls schon klar, ob Microsoft daraus als Sieger hervorgehen wird.

Von Johannes Winkelhage, Barcelona
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Der Wettbewerb im Handygeschäft gerät immer stärker auch zu einer Konkurrenz um das Betriebssystem auf dem Mobiltelefon. Vor allem im Segment der multimediafähigen Handys, die auch als Smartphones bezeichnet werden und das Spitzensegment des Marktes bilden, tobt dieser Kampf. Ähnlich wie beim PC bestimmt das Betriebssystem, welche Anwendungen auf dem Handy funktionieren.

Auch hier gilt langfristig das Gesetz der Marktdominanz, durch das das Windows-Betriebssystem schon die PC-Welt beherrscht: Je mehr Mobiltelefone mit einem bestimmten Betriebssystem ausgerüstet sind, desto mehr Softwareentwickler konzentrieren sich auf diese Plattform und desto mehr Anwendungen stehen entsprechen zur Verfügung. Auch wird solche Handysoftware durch hohe Absatzerwartungen preiswerter, da eine größere Nutzergruppe angesprochen werden kann. An vorderer Front konkurrieren derzeit Microsoft und das Gemeinschaftsunternehmen Symbian, das allerdings von Nokia dominiert wird, um die Vorherrschaft auf diesem Markt.

Zersplitterter Markt

Bisher beherrschen allerdings die spezialisierten Betriebssysteme der Handyhersteller die Szene. „Unser größter Wettbewerber ist nicht Microsoft. Wir konkurrieren mit den proprietären Betriebssystemen der Handyhersteller“, erklärt entsprechend Nigel Clifford der Vorstandsvorsitzende von Symbian während der Mobilfunkmesse 3GSM in Barcelona. Symbian hat seit seiner Gründung rund 110 Millionen Softwarelizenzen für seine Software verkauft. Allein im Jahr 2006 wurden 51,7 Millionen Handys mit dem Symbian-System verkauft. Ein Plus von 52 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in dem 34 Millionen Softwarepakete an die Handyhersteller ausgeliefert wurden. Umgesetzt wurden nach Angaben von Clifford umgerechnet gut 67 Millionen Euro.

Der Anteil von Symbian im Smartphonemarkt liegt damit weiterhin bei etwas mehr als 70 Prozent. Entsprechend hoch ist die Zahl der Softwareanwendungen für die Symbian-Geräte Diese hat sich im vergangenen Jahr auf fast 7000 verdoppelt. Microsoft kommt auf einen deutlich geringeren Absatz von Geräten mit seinem Betriebssystem, legt aber ein erheblich höheres Wachstum an den Tag. Um mehr als 135 Prozent ist der Absatz der Windows-Mobile-Software im vergangenen Jahr in die Höhe geschnellt, errechnen die Marktbeobachter von IDC. Bis zum Jahr 2009 soll der Absatz auf dann rund 69 Millionen Einheiten im Jahr wachsen.

Starkes Wachstum der Smartphones

„Gemeinsam mit den Wettbewerbern kommen die Smartphones aber insgesamt nur auf einen Marktanteil von 4 bis 5 Prozent am Handymarkt“, erklärt Clifford und fügt hinzu: „Dieser Anteil soll aber im laufenden Jahr um mindestens 10 Prozent steigen.“ Bis zum Jahr 2011 oder 2012 soll dann aber die erste Milliarde Smartphones im Markt sein, glauben die Marktbeobachter von Canalys und IDC, was Clifford für durchaus realistisch hält. Insgesamt sind weltweit inzwischen allerdings rund 2,6 Milliarden Mobiltelefone in Gebrauch – bis zum Jahr 2008 sollen es 4 Milliarden werden, hofft die Branche.

Die Wachstumsraten der Smartphones sind allerdings enorm, da immer mehr private Nutzer in dies ehemals von Geschäftkunden dominierte Marktsegment vordringen und programmierbare Telefone mit E-Mail-Funktion, Musikspieler oder anderen Softwareanwendungen nachfragen. Das gilt nach Angaben von Clifford vor allem für die Schwellenländer, die oft über eine bessere Infrastruktur im Mobilfunk als im Festnetz verfügen. „In Indien kommen schon heute vier Mobiltelefone auf einen PC. Die Kunden können ihre Geschäfte dort mit den mobilen Geräten sehr viel besser abwickeln. Daher steigt dort die Nachfrage nach den Smartphones besonders stark“, erklärt der Symbian-Chef. Gleiches gelte für China. Dort seien im dritten Quartal des vergangenen Jahres rund 3,2 Millionen solchen Handys verkauft worden. Im Vergleich dazu sei der amerikanische Markt mit einem Absatz von 1,4 Millionen Geräten im gleichen Zeitraum geradezu unterentwickelt.

Microsoft will PC-Dominanz auf dem Handy

Dies Geschäft will Microsoft natürlich nicht an sich vorbei ziehen lassen. Schon seit Jahren arbeitet der Konzern daher mit Hochdruck daran, auf diesem Feld Fuß zu fassen. „Wir brauchen ein einheitliches Betriebssystem für Mobiletelefone“, erklärte Steve Balmer, der Vorstandsvorsitzende von Microsoft im vergangenen Jahr und ließ keinen Zweifel daran, dass dies Betriebssystem aus seiner Sicht am besten aus dem Hause Microsoft kommen solle.

Diese Konkurrenz sieht Nigel Clifford allerdings gelassen: „Die nächsten 100 Millionen Symbian-Kunden werden wir mit Sicherheit nicht dadurch gewinnen, dass wir sie Microsoft abjagen. So viele Nutzer haben die Strategen aus Redmond gar nicht.“ Auch den Vorstoß des Computerherstellers Apple, der vor wenigen Wochen sein erstes Handy, das iPhone, vorgestellt hat, sieht er gelassen. „Apple hat bei der Vorstellung viel Wirbel gemacht und ein kleines, mediales Erdbeben ausgelöst. Bei genauerer Betrachtung ist es aber nur ein Handy mit Musikplayer und berührungssensitivem Bildschirm. Das ist ein Gerät, das schon jetzt kein Alleinstellungsmerkmal hat. Apple kann aber mit diesem Vorstoß für eine Belebung der Nachfrage nach solchen Geräten sorgen und das ist gut für den Gesamtmarkt.“

Linux-System kommt

Auch die Allianz von Motorola, Samsung und Vodafone, die gemeinsam ein Betriebssystem auf der Basis der freien Software Linux entwickeln wollen, macht dem Symbian-Chef keine Sorgen. „Wir haben acht Jahre gebraucht, um Symbian dahin zu bringen, wo wir jetzt .stehen. Es ist gar nicht so einfach eine solche Plattform zu entwickeln und ich wünsche diesem Konsortium viel Glück - und dass es in weniger als acht Jahren mit der Arbeit fertig ist.“

Insgesamt bestätigt sieht Clifford durch diese Entwicklung aber die seit Jahren verfochtene Symbian-These, dass „monofunktionale Geräte, die also nur mit einer einzigen Anwendung aufwarten können, keine große Zukunft mehr haben.“ Deren Niedergang sieht in innerhalb der nächsten Jahre kommen. Das gilt seiner Ansicht sowohl für Handys als auch für die Musikplayer – wie den iPod von Apple.

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