18.09.2007 · Steve Ballmer gilt als Polterer. Er nimmt den Wettbewerb persönlich. Seinen Kindern verbietet er, die Suchmaschine seines großen Rivalen Google zu nutzen. Für ein Unternehmen, das seit Jahren mit Wettbewerbsbehörden ringt, kann man sich kaum einen passenderen Chef vorstellen.
Von Roland LindnerFür ein Unternehmen, das seit Jahren immer wieder mit Wettbewerbsbehörden aneinandergerät, kann man sich vielleicht kaum einen passenderen Vorstandsvorsitzenden als Steve Ballmer vorstellen. Der Mann an der Spitze des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft ist ein Polterer und immer wieder für rüde Verbalattacken gut, und er nimmt den Wettbewerb persönlich. Seinen drei Kindern verbietet er, die Suchmaschine seines großen Rivalen Google zu benutzen, und auch der digitale Musikspieler iPod von Apple ist im Hause Ballmer tabu. Von ihm ist die Episode überliefert, einmal einen Stuhl quer durch ein Büro geworfen zu haben, als ihm ein Mitarbeiter gestand, zu Google wechseln zu wollen. „I'm going to fucking kill Google“, soll Ballmer geschrien haben (Ballmer hat diese Schilderung des Vorfalls „grob übertrieben“ genannt, aber nicht völlig bestritten). Das lizenzgebührenfreie Betriebssystem Linux hat er einmal als „Krebsgeschwür“ beschimpft.
Steve Ballmer steht eben ständig unter Hochspannung. Seine Attacken sind nicht ein Zeichen von Bösartigkeit. Sie unterstreichen, wie viel Herzblut er in seine Arbeit bei Microsoft steckt. Er führt das Unternehmen mit einer Leidenschaft, die an Besessenheit grenzt. Das zeigen eindrucksvoll seine berühmt gewordenen Auftritte, die zu den Evergreens unter den Internetvideos gehören und unter Überschriften wie „Steve Ballmer going crazy“ zu finden sind: Bilder eines brüllenden und wild über die Bühne tanzenden Ballmer, der sein aus Mitarbeitern oder Partnern bestehendes Publikum anpeitscht.
Das krasse Gegenteil zu Bill Gates
Mit seinem überschäumenden Temperament ist der 51 Jahre alte Ballmer das krasse Gegenteil zu dem ruhigeren Denkertypen Bill Gates, dem Gründer und Verwaltungsratsvorsitzenden von Microsoft. Und doch gelten die beiden als geradezu symbiotisches Gespann. Gates brütet über die große strategische Marschrichtung, während Ballmer das operative Geschäft steuert. Das ist im Groben die Aufteilung der Arbeit, seit Ballmer im Jahr 1980 zu Microsoft kam.
Ballmer kannte Gates aus seiner Studienzeit an der Eliteuniversität Harvard. Während Gates sein Studium abbrach und im Jahr 1975 Microsoft gründete, machte Ballmer seinen Betriebswirtschaftsabschluss und sammelte erste Managementerfahrungen beim amerikanischen Konsumgüterkonzern Procter & Gamble. Gates holte Ballmer, um kaufmännische Ordnung in das damals chaotische und von Technikern dominierte Softwareunternehmen zu bringen.
Ein entscheidender Einschnitt kam im Jahr 2000, als Bill Gates seinen Posten als Vorstandsvorsitzender an Ballmer abtrat und sich auf das Amt des Verwaltungsratsvorsitzenden beschränkte. Damit zog Gates sich formell aus dem operativen Alltag zurück. Allerdings ist der Gründer noch immer sehr präsent und mindestens so sehr wie Ballmer das öffentliche Gesicht von Microsoft. Auch das wird sich aber wohl bald ändern, denn Gates hat angekündigt, sich Mitte nächsten Jahres ganz aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen und sich auf seine wohltätige Stiftung zu konzentrieren. Gates wird zwar formell das Amt des Verwaltungsratsvorsitzenden behalten, aber zweifellos wird Ballmer nun noch stärker ins Rampenlicht rücken. Erfolg oder Misserfolg von Microsoft werden also mehr denn je mit ihm identifiziert werden.
Microsoft muss heute gegen den Ruf kämpfen, ein träger und innovationsschwacher Gigant geworden zu sein, der von vergangenem Ruhm lebt. Das Unternehmen macht den größten Teil seines Geschäfts mit alteingesessenen Produkten wie dem Betriebssystem Windows und der Bürosoftware Office. Der Aufbau neuer Geschäftsfelder wie Internetdienste, Videospiele oder Musikspieler verläuft mühsam. Und auch bei den etablierten Produkten sieht sich das Unternehmen immer stärkerer Konkurrenz gegenüber. So dringt zum Beispiel der Rivale Google mit kostenlosen Diensten zunehmend auf das Revier von Microsoft vor. Steve Ballmer hat heute mehr denn je Anlass zur Aufgeregtheit.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.728,19 | −0,15% |
| FAZ-INDEX | 1.500,83 | −0,21% |
| TecDAX | 773,85 | −0,19% |
| MDAX | 10.253,60 | −0,35% |
| SDAX | 5.023,80 | +0,24% |
| REX | 421,66 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.488,29 | −0,13% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,26 | −0,27% |
| Dow Jones | 12.878,30 | +0,03% |
| Nasdaq 100 | 2.575,24 | +0,22% |
| S&P500 | 1.350,50 | −0,09% |
| Nikkei225 | 9.052,07 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3125 | 0,00% |
| Rohöl Brent Crude | 118,17 $ | +0,32% |
| Gold | 1.722,00 $ | +0,61% |
| Bund Future | 138,53 € | +0,15% |