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Medienunternehmen : Der türkische Medienzar

Viele Machthebel liegen in seiner Hand: Aydin Dogan Bild: ddp

Viele nennen ihn den „türkischen Berlusconi“: Aydin Dogan schaffte den Aufstieg vom Autohändler zu einem der mächtigsten Männer seines Landes. Nun greift er nach der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1.

          Viele halten Aydin Dogan, an dessen Fernsehgruppe sich in der vergangenen Woche der deutsche Axel Springer Verlag beteiligt hat, für den drittmächtigsten Mann der Türkei - nach Ministerpräsident Erdogan und dem Chef des Generalstabs Yasar Büyükanit. Wenig schmeichelhaft nennen ihn einige den „türkischen Berlusconi“. In Wirklichkeit aber verkörpert Dogan den Traum vom Aufstieg aus der armen anatolischen Provinz in den Kreis der Reichen Istanbuls. Auf 1,6 Milliarden Dollar schätzt „Forbes“ sein Vermögen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die anderen Reichen kommen aus großen Städten: die Familie Koc stammt aus Ankara, die Sabanci aus Adana, die Eczacibasi aus Izmir. Aydin Dogan hingegen wurde am 15. April 1936 in einem Dorf der Provinz Gümüshane geboren, in einer der ärmsten Regionen der Türkei.

          „Hürriyet“ zum Schnäppchenpreis gekauft

          Noch immer tritt Dogan zurückhaltend auf, und noch immer schickt er seine vier Töchter vor, wenn es um Fremdsprachen geht. Zwei von ihnen haben in New York an der Columbia University Betriebswirtschaftslehre studiert. Aydin Dogan holte sich sein theoretisches Rüstzeug von 1956 bis 1960 noch an der Handelsakademie in Istanbul. Seine Führungsqualitäten fielen bereits dort auf: Er wurde Sprecher der Studenten, und 1958 gründete er sein erstes Handelsunternehmen für Baumaschinen, für Ford wurde er Vertragshändler. Eine Großhandelsfirma kam 1961 hinzu, der erste Industriebetrieb 1974.

          1979 verwirklichte er einen Lebenstraum und stieg mit dem Erwerb der von ihm geschätzten linksliberalen Zeitung „Milliyet“ in die Medienbranche ein. 1994 nutzte er eine Liquiditätskrise der auflagenstärksten Tageszeitung der Türkei, „Hürriyet“, und kaufte sie zu einem Schnäppchenpreis. Mit einem Schlag war Dogan Medienzar.

          Die Medien sind nur ein Standbein

          Schritt für Schritt erweiterte er seine Marktführerschaft. Heute gehören ihm acht landesweite Tageszeitungen und 24 Zeitschriften sowie die drei großen Fernsehsender Kanal D, Star TV und CNN Türk. Seine Fernsehsender halten einen Marktanteil von 24 Prozent. Mehr als 40 Prozent der Werbeerlöse in der Medienbranche fließen an ihn. Das allein macht Dogans Medienholding zu einem Esel, der goldene Dukaten abwirft. Ferner hält er beim Vertrieb der Tagespresse nahezu ein Monopol, was den Eintritt neuer Wettbewerber erheblich erschwert. Ihm gehören die erfolgreiche Plattenfirma „DMC“ und der Buchverlag „Dogan Kitab“, der viele türkische Bestseller verlegt.

          Der „Weltverband für Zeitungen“ berief ihn 1998 als ersten Türken in seinen Vorstand. Die Medien sind aber nur ein Standbein von Aydin Dogan. Mit drei Beschäftigten hatte der Selfmademan begonnen, heute beschäftigt die „Dogan Holding A.S.“ mehr als 11.000 Personen. Sie erwirtschafteten 2005 in den Branchen Medien, Energie, Finanzen, Versicherungen und Handel einen konsolidierten Umsatz von 7,3 Milliarden Dollar. Die Dogan Holding ist damit die drittgrößte Unternehmensgruppe der Türkei.

          Dogan greift nach Pro Sieben Sat. 1

          Als Partner holte Dogan Time Warner, die Universal Music Group und Burda in die Türkei. Zuletzt gab Dogan den Verkauf von 25 Prozent seiner Fernsehgruppe Aydin Dogan TV an Springer bekannt. Im vergangenen März hatte er für 1,1 Milliarden Dollar 33 Prozent des Ölverarbeiters und der Tankstellenkette Petrol Ofisi, die er bei der Privatisierung erworben hatte, an die österreichische OMV AG abgetreten. In Deutschland, wo seine Mediengruppe nahe Frankfurt ein hochmodernes Druckzentrum unterhält, greift er nach der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1.

          Anders als Berlusconi war Dogan nie in der aktiven Politik. Vor dem Einsatz seiner Medienmacht scheut er dennoch nicht zurück. Der frühere Bundespräsident Johannes Rau rang ihm ab, daß sich die Deutschlandausgaben seiner Zeitungen endlich für die Integration seiner türkischen Landsleute einsetzen. Gegenwärtig führen seine Medien die Kampagne gegen die Regierung Erdogan. Jene hatte Petrol Ofisi zu einer hohen Geldbuße wegen der Verletzung einer Lizenzbestimmung verurteilt. Aydin Dogan hält genügend Hebel in seiner Hand, um das nicht unwidersprochen hinzunehmen.

          Quelle: F.A.Z., 22.11.2006, Nr. 272 / Seite 20

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