10.04.2008 · Dramatische Wende im Milliarden-Poker um Yahoo: Zur Abwehr der drohenden Übernahme durch Microsoft verhandelt der Konzern laut amerikanischen Medien mit dem Konkurrenten AOL über eine Allianz. Yahoo flirtet außerdem eifrig mit Google - und stellt dem Unternehmen einen Teil seiner Werbeflächen zur Verfügung.
Der Internet-Dienstleister Yahoo will sich über Kooperationen gegen die drohende Übernahme durch den Softwarekonzern Microsoft wehren: Zum einen kündigte Yahoo kündigte eine Werbepartnerschaft mit Google an. Zum anderen berichtete die Zeitung „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Insider, Yahoo wolle sein Internet-Angebot mit AOL kombinieren.
Yahoo hat das Übernahmeangebot von Microsoft in Höhe von ursprünglich rund 44,6 Milliarden Dollar (28,4 Milliarden Euro) als zu niedrig abgelehnt. Mit dem Kauf von Yahoo will Microsoft seine Position im Markt der Online-Werbung mit der Internet-Suche und anderen Diensten verbessern, vor allem gegenüber Google.
Jetzt wurde vereinbart, dass Yahoo dem Suchmaschinenbetreiber Google einen Teil seiner Werbeflächen zur Verfügung stellt. Diese Zusammenarbeit soll zwei Wochen lang getestet werden. Vorgesehen ist zunächst, dass Google rund drei Prozent der Anfragen, die in den Vereinigten Staaten bei der Suchmaschine von Yahoo eingehen, mit Anzeigen verknüpfen darf. Yahoo ist nach dem Marktführer Google die zweitgrößte Suchmaschine im Internet.
Google und Yahoo kontrollieren 80 Prozent des Suchmaschinenmarkts
Zusammen kontrollieren Google und Yahoo mehr als 80 Prozent des Suchmaschinenmarkts in den Vereinigten Staaten. Analyst Scott Kessler von der Ratingagentur Standard and Poor's erklärte, Yahoo wolle über den „Flirt“ mit Google signalisieren, dass es andere Möglichkeiten gebe, als vor Microsoft zu Kreuze zu kriechen. Die Anleger könnten darin aber einen Akt der Verzweiflung sehen.
Laut „Wall Street Journal“ sieht der mögliche Web-Zusammenschluss mit AOL vor, dass Yahoo eine Milliardensumme für den Rückkauf von Aktien ausgibt. AOL-Konzernmutter Time Warner soll eine Barinvestition tätigen und dafür etwa 20 Prozent des gemeinsamen Unternehmens erhalten. Yahoo werde dieses Geld verwenden, um eigene Aktien im Wert von mehreren Milliarden Dollar zu einem Preis von jeweils 30 bis 40 Dollar vom Markt zu kaufen.
Gegenzug von Microsoft geplant
Aber Microsoft plant angeblich bereits einen Gegenzug. Die „New York Times“ berichtet, Microsoft erwäge zusammen mit Rupert Murdochs Medienimperium News Corp. ein gemeinsames Angebot für Yahoo.
Microsoft hatte Yahoo erst kürzlich ein Ultimatum für eine gütliche Einigung noch im April gestellt und andernfalls die feindliche Übernahme angedroht. Yahoo lehnt das Angebot bislang als zu niedrig ab und arbeitet fieberhaft an Alternativen.
Alle nun diskutierten Kombinationen der Internet-Rivalen würden von den Wettbewerbshütern genau geprüft werden. Besonders eine Allianz von Yahoo und Google dürfte wegen des riesigen Marktanteils bei suchbasierten Werbeanzeigen auf Bedenken stoßen, meinen Fachleute. Microsoft kritisierte die mögliche Anzeigenkooperation von Yahoo und Google scharf: Ein solche Zusammenarbeit schränke den Wettbewerb dramatisch ein.
Time Warner arbeitet seit langem an einer neuen Strategie für AOL. Der Konzern trennt das bezahlte Internet-Zugangsgeschäft, das in Europa schon verkauft wurde, vom nun werbefinanzierten Portal. Der im Jahr 2000 als Jahrhundertehe gefeierte Zusammenschluss von AOL und Time Warner gilt heute als Paradebeispiel einer misslungenen Fusion.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.386,12 | +0,68% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2535 | −0,05% |
| Rohöl Brent Crude | 106,83 $ | −0,40% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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