04.12.2006 · Kurz vor dem Verkauf eines Teils seiner Anteile macht sich der Verlag noch einmal international interessangt: Erst vor wenigen Woche hatte Springer die türkische Sendergruppe „Dogan TV“ gekauft, jetzt steigt er beim polnischen Privatfernsehen ein.
Von Christian GeinitzDas Verlagshaus Axel Springer macht sich vor dem Verkauf eines Teils seiner Anteile noch einmal international interessant. Kaum zwei Wochen nach dem Erwerb des türkischen Fernsehsenders Dogan kündigte Springer am Montag seine Beteiligung an der polnischen Sendergruppe Polsat an.
Damit verfolgt der Verlag seine Strategie weiter, neben Druckerzeugnissen auch andere Medien anzubieten und das Geschäft internationaler zu gestalten.
Polsat-Börsengang noch vor 2008
Springer hat einen Vertrag unterzeichnet, um 25,1 Prozent an Telewizja Polsat S.A., Warschau, zu übernehmen. Das teilte der Verlag am Montag mit. Der Kaufpreis betrage 250 Millionen Euro, könne je nach Wertentwicklung bis 2008 aber noch um 50 Millionen steigen; es wird angenommen, daß Polsat noch vor 2008 an die Börse geht.
Gleichzeitig gab Springer die Preisspanne für den Verkauf eines Teils der Anteile seiner Minderheitsaktionäre bekannt. Die Finanzinvestoren Hellman and Friedman (H&F) sowie die Brilliant 310 GmbH des Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner böten die Papiere zu einem Preis von 120 bis 135 Euro je Aktie an.
Gesunkenes Anlegerinteresse
Statt, wie zunächst geplant, 3,61 Millionen Papiere und eine mögliche Mehrzuteilungsoption von 340 000 Stück anzubieten, kämen nun 3,27 Millionen Anteilsscheine (plus "Greenshoe" von 340 000) auf den Markt.
Unverändert rund 211.000 davon stammen aus Döpfners Eigentum. Der Transaktionserlös beläuft sich demnach auf bis zu 487 Millionen Euro. Der endgültige Preis soll am Mittwoch veröffentlicht werden.
Gründe für das verringerte Aktienangebot von H&F wurden nicht genannt. Während einige Beobachter vermuten, man reagiere damit auf ein gesunkenes Anlegerinteresse, heißt es aus dem Verkäuferumfeld, H&F wollten angesichts erwarteter Kurssteigerungen mehr Aktien für eine zweite Verkaufstranche zurückhalten.
Döpfner will Beteiligung halten
Nach Bekanntgabe der Preisspanne und des Polsat-Vertrags stieg der Kurs der Aktie um 2,8 Prozent auf 121,95 Euro. Nach der Transaktion dürfte sich der Streubesitz an Axel Springer um 10 Punkte auf etwa 25,8 Prozent erhöhen und würde damit eine der Voraussetzungen zur Aufnahme der Papiere in den M-Dax erfüllen.
H&F halten bisher 19,4 und Döpfner 2 Prozent der Anteile. Döpfner will mit dem Aktienverkauf zum gegenwärtig recht hohen Kurs andere, ihm preisreduziert angebotene Springeranteile finanzieren. Die Erlöse dienten zum Schuldenabbau für die 680 000 Aktien, die Friede Springer ihm im Juli zu 77 Euro je Stück verkauft habe, bestätigte eine Sprecherin. Zudem stehen Döpfner und den anderen Vorständen nach der H&F-Veräußerung Kaufoptionen auf 498 000 Anteile für 54 Euro je Aktie zu.
Döpfner wolle seine Option voll ausüben, sagte die Sprecherin, um genauso viele Aktien zurückzukaufen wie er jetzt anbiete. So werde er seine Zwei-Prozent-Beteiligung halten.
Polsat war für RTL zu teuer
Zu Polsat hieß es, der Sender sei einer der beiden führenden Privatsender in Polen mit zwei Vollprogrammen und drei Spartenkanälen. Nach Springer-Angaben beträgt der Marktanteil unter den Zuschauern 18 Prozent und unter den Werbeeinnahmen 25 Prozent.
Das Unternehmen gehört dem polnischen Privatmann Zygmunt Solorz, der Polsat 1992 gründete. Axel Springer verspricht sich von dem Fernsehgeschäft Synergien mit seinen anderen Medienaktivitäten in Polen, wo man sich mit einem Marktanteil von mehr als 40 Prozent als zweitgrößter Tageszeitungsverlag sieht. Wichtigste Springer-Blätter sind die Boulevardzeitung "Fakt" und die Qualitätszeitung "Dziennik".
Andere Kaufinteressenten hatten sich bei Polsat zuvor zurückgezogen. Der Bertelsmann-Tochtergesellschaft RTL etwa erschien der Preis als zu hoch und die angebotene Beteiligung als zu gering. Der Springer-Verlag sieht das anders, auch weil er sich ausreichende Einwirkungsmöglichkeiten gesichert habe. So stelle man nicht nur den Finanzvorstand und zwei der sieben Aufsichtsräte, sondern habe sich auch wichtige Vetorechte ausbedungen, hieß es.
Springer will „integrierter Medienkonzern werden
"Wir entscheiden bei allen wichtigen strategischen und wirtschaftlichen Fragen in größerem Maße mit, als es bei Minderheitsbeteiligungen üblich ist", sagte die Sprecherin. Der Kaufpreis sei angemessen und werde von polnischen Analysten eher als zu niedrig denn als zu hoch angesehen.
Die Übernahme zeigt nach Ansicht von Beobachtern, daß Springer trotz seines gescheiterten Versuchs, die deutsche Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe zu kaufen, die Hoffnung nicht aufgegeben hat, zu einem "integrierten Medienkonzern" zu werden. Dieses Konzept von Döpfner sieht vor, Inhalte und Werbeplätze gemeinsam (intermedial) anzubieten und auf diese Weise höhere Gewinne zu erzielen.
Erst vor wenigen Wochen hatte Springer für 375 Millionen Euro 25 Prozent der führenden türkischen Sendergruppe Dogan TV gekauft. Damit habe man, wie es hieß, "die bislang auf Beteiligungen in Deutschland konzentrierte TV-Strategie in eine europäische Dimension" gehoben.
Christian Geinitz Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.
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