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Medien Springer gibt Fernsehpläne auf

01.02.2006 ·  Der Axel Springer Verlag verzichtet auf die Übernahme der Sendergruppe Pro Sieben Sat.1. Deren Eigentümer, Haim Saban, sieht sich bereits nach anderen Käufern um. Springer will das Verfahren ohne wirtschaftlichen Schaden beenden.

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Der Axel Springer Verlag verzichtet auf die milliardenschwere Übernahme der Fernsehsendergruppe Pro Sieben Sat.1. Das Verlagshaus teilte am Mittwoch in Berlin mit, auf Grund zahlreicher wirtschaftlicher und juristischer Unsicherheiten einer möglichen Klage oder eines Ministererlaubnisverfahrens entstünden für alle Beteiligten unzumutbare Risiken. Damit würden der Kaufvertrag mit den bisherigen Eigentümern des Fernseh-Konzerns sowie das öffentliche Übernahmeangebot an die außenstehenden Aktionäre hinfällig.

„In der Summe“ seien die Unwägbarkeiten zu groß gewesen, sagte Springer-Sprecherin Edda Fels. „Besonders hoch“ erscheine das wirtschaftliche Risiko einer möglicherweise erforderlichen Neuauflage des öffentlichen Übernahmeangebotes an die Pro-Sieben-Aktionäre.

Springer: Bisher kein finanzielles Risiko eingegangen

Das derzeitige Angebot läuft im Juli aus. Das Risiko bestehe insbesondere darin, daß der Kurs der Pro-Sieben-Aktie gerade in Erwartung eines neuerlichen Angebots steigen könne, und das Angebot müsse sich am Durchschnittskurs der jeweils letzten drei Monate orientieren, sagte die Sprecherin. Zwar solle über eine Ministererlaubnis, deren Beantragung nach dem Verdikt des Bundeskartellamtes zunächst nicht ausgeschlossen wurde, innerhalb von vier Monaten entschieden werden, aber „sicher ist das nicht“. Der Klageweg dauere möglicherweise noch länger.

Dazu komme, daß der Antrag auf Ministererlaubnis abgelehnt werden könne, ebenso wie der Ausgang einer Klage gegen den Kartellamtsbescheid offen sei. Mögliche Auflagen könnten erteilt werden; mehrere Behörden wären involviert.

Döpfner nimmt es sportlich

Fels legte Wert darauf, daß das bisherige Verfahren für Springer mit keinerlei finanziellen Risiken verbunden gewesen sei. Es gebe keine Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Verkäufer, und die Anwalts- und Beratungskosten „in niedriger zweistelliger Millionenhöhe“ würden durch die Auflösung eines Zinssicherungsgeschäfts nahezu ausgeglichen.

„Wir kommen da absolut ohne wirtschaftlichen Schaden heraus“, sagte Fels. Auf die Frage, welche anderen Expansionspläne Springer nun verfolge, verwies sie auf die Aussage des Vorstandschefs Mathias Döpfner, der vor einigen Wochen erklärt habe, Springer werde für den Fall einer Untersagung des „Schritts in den TV-Markt“ versuchen, sich in digitalen Märkten und im Ausland zu engagieren.

Springer Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner kommentierte seine Entscheidung mit den Worten: „Die zuständigen Behörden haben entschieden. Wir nehmen das sportlich und schauen nach vorne.“

Enttäuscht und dennoch zufrieden: Haim Saban

Der Pro-Sieben-Sat.1-Eigentümer Haim Saban äußerte sich enttäuscht über das Scheitern der Übernahme des Konzerns durch Springer. Dennoch seien er und seine Investoren weiterhin extrem zufrieden mit der Entwicklung von Pro Sieben Sat.1 und mit ihrem Investment, erklärte Saban am Mittwoch in einer Mitteilung. Nun würden alle Alternativen geprüft.

Der Sender-Chef Guillaume de Posche sprach sich dafür aus, die Sendergruppe aus eigener Kraft weiterzuentwickeln.„Die Transaktion wäre eine gute Lösung für die ProSiebenSat.1-Gruppe gewesen“, sagte de Posch. „Wir werden die Gruppe aus eigener Kraft weiterentwickeln und uns weiterhin auf unser operatives Geschäft konzentrieren.“ Ziele der Sendergruppe sei, das Kerngeschäft Fernsehen zu stärken und die Umsatzquellen zu diversifizieren.

Positive Reaktion vom Journalisten-Verband

Die Konferenz der Direktoren der Landesmedienanstalten (KDLM) stellt nach der Absage der ProSiebenSat.1-Übernahme durch die Axel Springer AG ihr Verfahren ein. Nun müßte darüber nicht weiter nachgedacht werden, sagte eine KDLM-Sprecherin der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Das Gremium hatte sich am Dienstag erstmals getroffen, um das Übernahmeverbot durch die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) zu überprüfen.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat das Scheitern der geplanten Übernahme positiv bewertet. „Das ist eine gute Entscheidung für den Fortbestand der Medienvielfalt in Deutschland“, erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken.

Quelle: FAZ.NET mit Material der Agenturen
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