Home
http://www.faz.net/-gqm-qxo0
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Donnerstag, 16. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Medien Saban-Manager Posch soll Springer-Vorstand werden

08.08.2005 ·  Nach Informationen der F.A.Z. soll der Fernsehmanager Guillaume de Posch, bislang Vorstandschef der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1, bei dem Verlag ein neues Ressort für Fernsehen leiten.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der Axel Springer Verlag will mit dem Fernsehmanager Guillaume de Posch einen engen Vertrauten seines amerikanischen Geschäftspartners Haim Saban in den Vorstand holen. Nach Informationen der F.A.Z. aus Branchenkreisen soll Posch, der bislang Vorstandschef der Münchner Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1 ist, bei dem Verlag ein neues Ressort für Fernsehen leiten.

Springer hatte am Freitag nach monatelangen Verhandlungen angekündigt, den Fernsehkonzern, bei dem der größte deutsche Zeitungshaus bisher nur Juniorpartner ist, für bis zu 4,2 Milliarden Euro komplett zu übernehmen. Verkäufer ist Saban, der Pro Sieben Sat.1 zwei Jahre lang gemeinsam mit einem Investorenkonsortium kontrolliert hat. Das bislang börsennotierte Fernsehunternehmen soll mit Springer verschmolzen werden. Dagegen formiert sich nun auch in der Branche Widerstand (siehe: Widerstand gegen neuen Medienriesen).

Saban will eine kleinere Beteiligung bei Springer erwerben und wird dabei vermutlich Stammaktien im niedrigen einstelligen Prozentbereich erhalten Er soll zudem den neugeschaffenen Posten eines "TV-Beirats" bei Springer erhalten. Daß der amerikanisch-israelische Medienmilliardär einen Sitz im Springer-Aufsichtsrat erhält, gilt dagegen als eher unwahrscheinlich.

Was heißt „maximale Kontinuität“?

Eine Sprecherin des Verlages wollte sich am Sonntag auf Anfrage nicht zu konkreten Personalentscheidungen im Zuge der Fusion mit Pro Sieben Sat.1 äußern. Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hatte am Freitag gesagt, er strebe nach der Übernahme "maximale Kontinuität" im Management von Pro Sieben Sat.1 an, ohne Einzelheiten zu nennen. Als wahrscheinlich gilt, daß das Personaltableau des künftigen Springer-Fernsehgeschäfts erst nach der kartell- und medienrechtlichen Genehmigung bekanntgegeben wird. Die Prüfung des umstrittenen Vorhabens durch das Bundeskartellamt wird voraussichtlich bis Jahresende dauern.

Der designierte Springer-Fernsehvorstand Posch ist seit Herbst 2003 im Topmanagement von Pro Sieben Sat.1. Saban hatte den Belgier, mit dem er bereits zuvor zusammengearbeitet hatte, zu dem Fernsehkonzern geholt. Posch wurde zunächst Chief Operating Officer (COO) und im Mai 2004 Vorstandschef von Pro Sieben Sat.1. Die Nähe Poschs zu Saban läßt allerdings im Umfeld des Fernsehkonzerns die Frage aufkommen, ob er auch längerfristig das Springer-Fernsehgeschäft leiten wird. "Posch ist ein hundertprozentiger Saban-Mann. Auf Dauer wird Döpfner da einen Springer-Mann hinsetzen", heißt es in den Kreisen. Die Springer-Sprecherin sagte dagegen, der Verlag habe nicht vor, eigene Manager zu Pro Sieben Sat.1 zu schicken, und suche auch nicht extern nach Kandidaten. "Solche Spekulationen entbehren jeder Grundlage", sagte sie.

Der Kostendrücker

Posch hat bei der Sendergruppe bisher vor allem als Kostendrücker agiert. Im Geschäftsjahr 2004 stieg der Jahresüberschuß vor allem wegen der drastischen Kürzungen auf 133,6 (Vorjahr 39,4) Millionen Euro. Der Umsatz stieg wegen des weiterhin schlappen Werbemarktes nur um 1,5 Prozent auf 1,835 Milliarden Euro. Die Gewinnmarge liegt damit im Fernsehgeschäft etwas höher als im angestammten Geschäft mit Zeitungen und Zeitschriften, das bei Springer bisher bei weitem dominiert. Zum Vergleich: Axel Springer erwirtschaftete vergangenes Jahr bei einem Umsatz von 2,402 (2,321) Milliarden Euro einen Jahresüberschuß von 148 (112) Millionen Euro.

Döpfner lobte Pro Sieben Sat.1 als „ein auch in schwierigen Zeiten hochprofitables Geschäft“. Allerdings ist das Unternehmen wegen des weiterhin schwachen Werbemarktes zuletzt zunehmend unter Druck geraten. Im ersten Quartal hat der Fernsehkonzern zwar seine Einschaltquoten gesteigert, Umsatz und operativer Gewinn schrumpften jedoch. Besonders stark traf dies den profitabelsten Sender der Gruppe, Pro Sieben, dessen Betriebsgewinn um ein Viertel einbrach. Seine Halbjahreszahlen will Pro Sieben Sat.1 erst am 26. August veröffentlichen. Posch hat im Frühjahr bereits ein weiteres Sparprogramm angekündigt, das die Kosten um weitere 60 Millionen Euro drücken soll. Skeptiker weisen allerdings darauf hin, daß immer weitere Kürzungsrunden die Programmqualität und damit die Werbeeinnahmen zusätzlich gefährdeten.

Eine rasche Erholung des Fernsehwerbemarktes, der seit dem Jahr 2000 um knapp ein Fünftel geschrumpft ist, zeichnet sich unterdessen nicht ab. Pro Sieben Sat.1 und der zum Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann gehörende Hauptkonkurrent RTL rechnen für dieses Jahr mit weiteren Einnahmerückgängen. Die Sendergruppen versuchen schon seit Jahren, ihre Abhängigkeit vom Werbemarkt zu verringern. Pro Sieben Sat.1 hat deshalb im Frühjahr den Kleinsender Neun live, der sich über Telefongebühren finanziert, komplett übernommen.

Quelle: theu., F.A.Z., 08.08.2005, Nr. 182 / Seite 13
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Zu ausgeklügelt

Von Kerstin Schwenn

Das System des Mautbetreibers Toll Collect ist eine tolle deutsche Erfindung, aber leider nicht wirtschaftlich. Eine Maut lässt sich auch mit einem weniger ausgeklügelten System erheben. Mehr 7 12

15.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.757,94 +0,44%
 OK
Umfrage

Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

16.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.757,94 +0,44%
FAZ-INDEX 1.508,12 +0,49%
TecDAX 780,92 +0,91%
MDAX 10.353,00 +0,97%
SDAX 5.020,82 −0,06%
REX 421,24 −0,10%
Eurostoxx 50 2.493,96 +0,23%
F.A.Z. EURO INDEX 80,55 +0,36%
Dow Jones 12.781,00 −0,76%
Nasdaq 100 2.556,01 −0,75%
S&P500 1.343,23 −0,54%
Nikkei225 9.244,48 −0,17%
EUR/USD 1,3016 −0,34%
Rohöl Brent Crude 118,53 $ −0,43%
Gold 1.733,00 $ +0,64%
Bund Future 139,05 € +0,38%