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Medien Premiere will bis zu einer Milliarde Euro an der Börse holen

17.01.2005 ·  Der Münchner Bezahlfernsehsender Premiere-AG plant bereits für Anfang bis Mitte März den größten Börsengang eines deutschen Medienunternehmens seit acht Jahren.

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Der Münchner Bezahlfernsehsender Premiere-AG plant bereits für Anfang bis Mitte März den größten Börsengang eines deutschen Medienunternehmens seit acht Jahren. "Wir wollen das positive Umfeld im Finanzmarkt nutzen und nicht das Risiko eingehen, daß es im zweiten Quartal schlechter wird", begründete Georg Kofler, der Vorstandsvorsitzende und Großaktionär des Senders, die rasche Aktienplazierung. Bisher hatte das Unternehmen lediglich einen Börsengang bis zum Jahresende in Aussicht gestellt.

Nach Informationen aus Branchenkreisen soll das Emissionsvolumen zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro betragen. Einen ähnlich großen Börsengang hat es in der deutschen Medienindustrie zuletzt 1997 gegeben, als der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat.1 - damals ebenfalls unter Koflers Regie - an den Aktienmarkt ging. Das mit der Emission betraute Bankenkonsortium wird von der Hypo-Vereinsbank (HVB), Credit Suisse First Boston und Morgan Stanley angeführt.

Drei Jahre nach Kirch-Insolvenz steht Premiere an der Gewinnschwelle

Mit einem erfolgreichen Börsengang würde Premiere einen Schlußstrich unter eine rasante Sanierung des Unternehmens ziehen. Noch vor drei Jahren haben die Milliardenverluste des Bezahlkanals seinen damaligen Haupteigner, den Münchner Medienkonzern Kirch, in die Insolvenz getrieben. Mittlerweile steht der Sender, der 2004 mit 3,2 Millionen Abonnenten rund eine Milliarde Euro Umsatz machte, an der Gewinnschwelle. Zugleich ist der Sender, der die Fußball-Bundesliga live überträgt, einer der Hauptfinanziers des deutschen Profifußballs.

Der Börsengang ist nicht nur wegen des Kapitalmarktumfelds mit einigen Fragezeichen behaftet. Den Wert des Senders zu ermitteln ist schwierig, weil Premiere der einzige größere Abo-Sender in Deutschland ist und das Bezahlfernsehen hierzulande noch immer in den Kinderschuhen steckt. Die langfristigen Zukunftschancen sind deshalb schwer einschätzbar. Auch ein Vergleich mit Bezahlsendern in anderen europäischen Ländern bietet dabei nur grobe Anhaltspunkte, weil dort die Konkurrenz durch frei empfangbare Fernsehprogramme meist geringer ist.

Investmentbanker taxieren die Emission auf rund 2 Milliarden Euro

Zur Bewertung des Senders im Rahmen des Börsengangs sind bislang nur grobe Schätzungen bekannt. Nach Informationen aus Finanzkreisen taxieren Investmentbanker, die die Emission vorbereiten, den Wert auf rund 2 Milliarden Euro. Optimisten halten jedoch auch eine Bewertung von bis zu 3 Milliarden Euro einschließlich der Schulden des Unternehmens von rund 400 Millionen Euro für realistisch. Zum Vergleich: Der größte deutsche Fernsehkonzern Pro Sieben Sat.1 wird an der Börse derzeit mit knapp 3 Milliarden Euro bewertet. Allerdings ist das Unternehmen, das sich anders als Premiere über Werbeeinnahmen und nicht über Abo-Gebühren finanziert, gemessen am Umsatz rund doppelt so groß ist wie der Börsenaspirant.

Wie erwartet ist der Premiere-Börsengang als eine Kombination aus Kapitalerhöhung und Umplazierung von Anteilen der Altgesellschafter vorgesehen. Premiere soll dabei mehrere hundert Millionen Euro frisches Kapital erhalten. "Der Mittelzufluß für das Unternehmen wird aber wohl unter einer halben Milliarde Euro liegen", hieß es in Branchenkreisen. Darüberhinaus wollen die bisherigen Eigentümer ihre Aktien teilweise verkaufen. Neben der Risikokapitalgesellschaft Permira sind dies im wesentlichen Kofler selbst und die beiden früheren Kirch-Gläubigerbanken BayernLB und HVB. Bislang sei über die Einzelheiten der Emission aber nicht entschieden worden, sagte Kofler.

Der Premiere-Chef kündigte an, den Anteil des Emissionserlöses, der dem Unternehmen zufließt, teilweise in den Schuldenabbau zu stecken. Außerdem sind offenbar höhere Investitionen in Programminhalte geplant. "Wir wollen bei den Sportarten, die wir schon heute zeigen, mehr Exklusives im Programm haben", sagt Kofler. Schwerpunkte bilden bei Premiere zur Zeit vor allem die Übertragung der Fußball-Bundesliga und die Formel Eins.

Quelle: theu., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2005, Nr. 14 / Seite 11
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