Home
http://www.faz.net/-gqm-p6fi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Medien Neue Fusionsrunde im Fernsehkabelmarkt erwartet

22.09.2004 ·  Nach dem endgültigen Scheitern der KDG-Übernahmepläne suchen die Unternehmen bereits nach Alternativen. Unter anderem wird über eine Fusion der nordrhein-westfälischen Ish mit Telecolumbus aus Hannover spekuliert.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Nach dem endgültigen Scheitern der Milliardenfusion im deutschen Kabelfernsehmarkt laufen bereits die Planspiele für andere Zusammenschlüsse in der Branche. "Der deutsche Kabelmarkt braucht eine stärkere Konzentration", sagte der Rundfunkaufseher Hans Hege, Direktor der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg. In Branchenkreisen wird unter anderem über eine Fusion der nordrhein-westfälischen Ish mit Telecolumbus aus Hannover spekuliert. Ish, das nach einer Insolvenz vor zwei Jahren den Gläubigerbanken gehört, versorgt in Nordrhein-Westfalen rund 4 Millionen Fernsehhaushalte. "Telecolumbus wäre einer der möglichen Partner, die für uns interessant sein könnten", sagte Ish-Chef James Bonsall am Mittwoch dieser Zeitung.

Unterdessen hat der größte deutsche Fernsehkabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) seine Übernahmepläne für die drei regionalen Betreiber Ish., Kabel BW und Iesy endgültig begraben. "Wir haben unseren Genehmigungsantrag beim Bundeskartellamt zurückgezogen, weil wir keine Chance für ein positives Ergebnis mehr sehen", sagte ein KDG-Sprecher am Mittwoch. Man werde auch nicht gegen das erwartete Fusionsverbot der Behörde gerichtlich vorgehen oder eine Ausnahmegenehmigung vom Bundeswirtschaftsministerium (Ministererlaubnis) beantragen. "Diese Optionen sind nicht erfolgversprechend, weil die Einwände des Kartellamts zu fundamental sind", sagte der Sprecher.

Zukunft des deutschen Kabelfernsehens wieder offen

Die KDG hätte nach der milliardenschweren Fusion fast das gesamte deutsche Überlandkabelnetz mit rund 18 Millionen angeschlossenen Haushalten kontrolliert. Allein kommt der Branchenprimus dagegen lediglich auf rund 10 Millionen Haushalte. Die KDG hatte gegenüber dem Kartellamt erfolglos argumentiert, der Zusammenschluß sei notwendig, um neue Angebote wie digitales Bezahlfernsehen und die Aufrüstung der Netze als schnellen Internetzugang voranzutreiben.

Nach dem Scheitern der KDG-Pläne ist die Zukunft des deutschen Kabelfernsehens wieder völlig offen. "Mehr Wettbewerb für die Deutsche Telekom im Internetzugangsgeschäft bekommen wir aber wohl nur, wenn die Kabelnetze stärker integriert werden", mahnt Hege. Er favorisiert ein Zusammengehen von Überlandkabelbetreibern wie Ish, Kabel BW und Iesy mit kleineren Gesellschaften, die bislang in vielen Fällen die letzten Meter zur Anschlußbuchse kontrollieren (Netzebene vier).

Fragezeichen hinter kartellrechtlichen Erfolgschancen

Eine Fusion nach diesem Strickmuster wäre beispielsweise ein Zusammengehen von Ish mit Telecolumbus. "Wir haben im Spätherbst ein Gesesellschafter-Treffen, auf dem diese ihre strategischen Interessen darlegen", sagte Ish-Chef Bonsall. "Das vorher eine Entscheidung fällt, ist unwahrscheinlich." Unabhängig davon werde Ish in den kommenden Monaten Schulden im Volumen von 700 Millionen Euro neu refinanzieren müssen. "Das wird aber kein großes Problem sein", sagte Bonsall.

Hege sieht vor allem für die beiden kleineren Betreiber Kabel BW und Iesy Handlungsbedarf. "Für die liegt sicherlich ein Schulterschluß nahe", sagte der Kabelnetzexperte. Gemeinsam kämen die beiden Unternehmen auf etwa 4,3 Millionen Haushalte. Eine mögliche Fusion hatten die Finanzinvestoren, denen Iesy und Kabel BW gehören, vor einem Jahr schon einmal ausgelotet. Von beiden Unternehmen war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

Ein großes Fragezeichen bleiben allerdings die kartellrechtlichen Erfolgschancen alternativer Zusammenschlüsse. "So wie das Kartellamt zur Zeit die Märkte definiert, wird es immer Schwierigkeiten geben", kommentierte Gaby Günther-Eickstädt mit Blick auf Ish, Kabel BW und Iesy. Die Wettbewerbsexpertin der Frankfurter Anwaltskanzlei Ascroft arbeitete früher selbst bei der Bonner Behörde.

Quelle: theu. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2004, Nr. 222 / Seite 15
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Böses Spiel

Von Holger Steltzner

Mit größter Selbstverständlichkeit und in unerträglichem Ausmaß zahlt die Elite Griechenlands keine Steuern und flüchtet mit Milliarden ins Ausland - und jede griechische Regierung lässt sie gewähren. In den Geberländern wächst die Wut der Steuerzahler. Mehr 38 144

29.05.2012 12:20 Uhr
  Vortag
Dax 6.356,67 +0,53%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.385,33 +0,62%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2535 −0,05%
Rohöl Brent Crude 106,83 $ −0,40%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.