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Medien Murdoch warnt vor „Orwell-BBC“

31.08.2009 ·  Harter Tobak: James Murdoch, Kronprinz im weltumspannenden Medienimperium seines Vaters Rupert Murdoch, hat in einer Rede mit heftiger Kritik um sich geworfen. Er verglich die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt BBC mit der Propagandabehörde in George Orwells Roman „1984“.

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Der drahtige junge Mann vorne am Rednerpult des Edinburgh TV Festival schickte seinem Frontalangriff ein paar Scherze voraus. Er komme sich auf dem Branchentreffen des britischen Fernsehens vor, „wie der verrückte Verwandte, der allen ein bisschen peinlich ist und bestimmt von niemandem ernst genommen wird“, sagte James Murdoch. Der Kronprinz im weltumspannenden Medienimperium seines Vaters Rupert Murdoch machte sich damit kleiner, als er ist. Aber da er nun mal „zur Party eingeladen“ worden sei, wolle er jetzt auch die Gelegenheit nutzen, fuhr Murdoch, der das Europa- und Asien-Geschäft der News Corp. leitet, fort.

Was dann folgte, war harter Tobak vor allem für die Vertreter der staatlichen BBC im Saal. Murdoch verglich die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt mit der Propagandabehörde in George Orwells Roman „1984“. In dieser düsteren Zukunftsvision eines totalitären Staates hat das „Miniwahr“, das Ministerium für Wahrheit, die nahezu vollständige Kontrolle über die öffentliche Meinung.

Die wachsende Dominanz der BBC, nach deren Vorbild auch die deutsche ARD konzipiert wurde, bedrohe den unabhängigen Journalismus, sagte Murdoch. Während private Medien unter Digitalisierung und Wirtschaftskrise litten, könne die wie ARD und ZDF aus Zwangsgebühren finanzierte BBC finanziell aus den Vollen schöpfen.

„Es ist wie von Orwell vorhergesagt“

„60 Jahre nachdem George Orwell ‚1984‘ veröffentlicht hat, ist seine Botschaft relevanter denn je“, warnte Murdoch in Edinburgh seine verblüfften Zuhörer. „Es ist wie von Orwell vorhergesagt: Wer dem Staat ein weitreichendes Informations-Monopol einräumt, schafft damit zwangsläufig Manipulation und eine verzerrte Wirklichkeit.“

Aus dem Mund des 36 Jahre alten James Murdoch kommt die Attacke ziemlich überraschend, denn sein Vater Rupert Murdoch steht seit Jahrzehnten selbst in der Kritik, seine Meinungsmacht rücksichtslos für eigene Interessen auszunutzen. Mit Händen und Füßen und letztlich erfolglos hatte sich vor zwei Jahren die Redaktion des „Wall Street Journal“ gegen die Übernahme ihres Blattes durch Murdochs Medienkonzern News Corp. gewehrt. In Großbritannien dominiert Murdoch mit seiner Bezahlsender-Gruppe Sky und seinen Tageszeitungen „Times“ und „Sun“ die private Medienbranche. Auch im deutschen Mediengeschäft mischt Murdoch kräftig mit: In München kontrolliert die News Corp. den mittlerweile in Sky Deutschland umgetauften Abonnementsender Premiere. Den Nerv seiner Zuhörer in Edinburgh hat James Murdoch jedenfalls getroffen. Sein Orwell-Vergleich sorgten bei dem Branchentreffen für hitzige Debatten. theu.

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Von Holger Steltzner

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