Fernsehen auf dem Handy kommt in die Praxisphase. Der Mobilfunkanbieter Debitel gab am Mittwoch in Stuttgart das Startsignal für das erste allgemein empfangbare TV-Angebot für Mobiltelefone in Deutschland. Das Angebot kann außer in der baden-württembergischen Landeshauptstadt auch in Berlin, Köln, Frankfurt und München genutzt werden.
Mit speziellen Handys kann man zunächst vier TV- und zahlreiche Radioprogramme empfangen. Dazu zählen das ZDF, N24 sowie besonders für das Handy-Fernsehen produzierte Unterhaltungsprogramme von Pro Sieben und Sat.1. Zudem können alle über DAB (Digital Audio Broadcasting) frei verbreiteten Radiostationen sowie ein visualisiertes Programm des privaten Jugendsenders bigFM 2 see über das Handy gehört werden.
Erweiterung des digitalen Radios
Debitel verwendet nicht die DVB-H-Technik wie andere große Mobilfunkanbieter, sondern das so genannte Digital Multimedia Broadcasting (DMB), eine Erweiterung des digitalen Radios DAB. Diese Technik ist bereits praktisch einsetzbar. Handy-Fernsehen über DVB-H soll erst im kommenden Jahr kommerziell eingeführt werden.
Für den DMB-Fernsehempfang werden bei debitel neben den Gebühren für das Mobiltelefon je nach Handy-Vertrag monatlich zwischen 9,95 und 14,95 Euro fällig. Das Mobilfunkunternehmen will das Handy-Fernsehen bis Mitte Juni auch in Hamburg, Hannover und Gelsenkirchen ermöglichen. Im Herbst sollen große Teile des Ruhrgebiets, Saarbrücken und Leipzig versorgt werden. Bereits 2007 will Debitel das Angebot so ausweiten, daß drei Viertel der Bevölkerung in Deutschland Handy-Fernsehen mit den DMB-Standard empfangen können. Das derzeit von Debitel angebotene Handy kostet 199 Euro.
Konkurrenten nutzen einen Funkstandard
Am vergangenen Montag hatten die vier deutschen Mobilfunkbetreiber T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus in Berlin, Hamburg, München und Hannover ein gemeinsames Demonstrationsprojekt für Handy-TV mit dem Funkstandard DVB-H begonnen. Es ist jedoch auf einige tausend ausgewählte Nutzer und zeitlich bis zum 31. August dieses Jahres begrenzt.
Die vier Mobilfunknetzbetreiber können mit ihrer Technik zwar künftig bis zu 40 Programme ausstrahlen. Sie haben aber das Problem, daß die Sendefrequenzen nicht bundesweit zur Verfügung stehen. Sie fordern deshalb von den Landesmedienanstalten kurzfristig Frequenzkapazitäten.
Beiden Standards ist gemeinsam, daß Fernsehinhalte nicht über den UMTS-Mobilfunkstandard auf das Handy transportiert werden, sondern über digitale Rundfunkfrequenzen. Das gilt als kostengünstiger, Kapazitätsengpässe durch starke Nutzung wie bei UMTS soll es nicht mehr geben. Mehrere TV- und Radiokanäle und auch andere Daten können gleichzeitig auf mobile Endgeräte übertragen und auch zeitversetzt wiedergegeben werden.
Ungenau recherchiert
Andreas Seidl (ASeidl)
- 01.06.2006, 19:08 Uhr
Kann man...
Werner Ettenhuber (Tramper1)
- 01.06.2006, 20:23 Uhr
