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Medien Film und Fernsehen auf iTunes

08.12.2005 ·  Apple kommt mit seinen Medienallianzen im Geschäft für seinen videotauglichen iPod nur langsam voran. Doch das Unternehmen kann sich zugute Halten, dem digitalen Vertrieb von Filmen die Initialzündung gegeben zu haben.

Von Roland Lindner, New York
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Manchmal schafft es auch ein Marketinggenie wie Steve Jobs nicht, sein Publikum zu beeindrucken. Im Oktober stellte der Chef des Computer- und Elektronikkonzerns Apple bei einer wie üblich pompös inszenierten Produktpräsentation die lange erwartete Videoversion des digitalen Musikspielers iPod vor.

Mit dem Gerät will Jobs eine digitale Plattform für Videoinhalte wie Musikclips oder Fernsehshows schaffen, so wie er das mit den früheren iPods und der Software iTunes bereits für Musik geschafft hat. Allerdings hatte Steve Jobs seinem Publikum einmal nicht allzu viele Inhalte anzubieten: Der größte Teil entfiel auf Musikvideos, rund 2000 Clips wurden über iTunes verfügbar gemacht.

Größere Relevanz von Fernsehshows und Filmen

Für die Unterhaltungsindustrie, die nach Strategien zum digitalen Vertrieb ihrer Inhalte nachdenkt, liegt die größere Relevanz aber im Verkauf von Fernsehshows und Filmen, und hier hatte Apple zunächst nicht allzu viel im Programm. Im Gegensatz zum Start des Musikvertriebs vor einigen Jahren, als Apple alle großen Musikkonzerne hinter sich hatte, konnte das Unternehmen für das Videogeschäft zunächst nur zwei Partner auffahren, den Medienkonzern Walt Disney und das Filmstudio Pixar, das ebenfalls von Steve Jobs geführt wird.

Die Allianz mit Disney erstreckt sich auf fünf erfolgreiche Fernsehserien des Disney-Senders ABC, zum Beispiel "Desperate Housewives" und "Lost". Diese Shows können am Tag nach ihrer Erstausstrahlung über iTunes für jeweils 1,99 Dollar heruntergeladen werden. Für den gleichen Preis gibt es Kurzfilme von Pixar. Beim Start des Musikvertriebs bot iTunes 200.000 verschiedene Titel an. Mittlerweile sind es zwei Millionen, und Apple hat insgesamt 600 Millionen Musiktitel verkauft.

Trotz weiterer Kooperation nur sehr eingeschränktes Programm

Im Videogeschäft hat es nun zwei Monate gedauert, bis Apple seine zweite Allianz präsentieren konnte. Diesmal ist es das Medienunternehmen NBC Universal, eine Tochtergesellschaft des Mischkonzerns General Electric. Ebenso wie bei ABC wird aber auch das Angebot von NBC auf iTunes noch sehr begrenzt sein. NBC wird einige populäre aktuelle Fernsehshows wie "Law & Order" und Segmente aus Talk Shows wie der "Tonight Show" mit Jay Leno zur Verfügung stellen, daneben ältere Programme aus dem Archiv wie zum Beispiel die Serie "Knight Rider".

Der digitale Vertrieb von Videoinhalten hat sich als weitaus schwierigeres Unterfangen herausgestellt als der Verkauf von Musik. Das hat unter anderem mit dem komplexeren Beziehungsgeflecht vieler Entscheidungsträger zu tun, also zum Beispiel Produzenten, Fernsehkanäle, Kabelanbieter und andere Rechteinhaber. Auch wenn Apple nur recht langsam mit einer Allianz nach der anderen vorankommt, kann sich das Unternehmen doch zugute halten, eine Initialzündung gegeben zu haben.

Drei Millionen Videotitel in zwei Monaten

So hat nach Angaben von Steve Jobs die Partnerschaft mit Disney die Gespräche mit anderen Medienkonzernen beschleunigt und nun auch die Allianz mit NBC ermöglicht. Auch die zum Medienkonglomerat News Corp. gehörende Film- und Fernsehsparte Fox hat kürzlich Interesse an einer Zusammenarbeit mit iTunes bekundet. Seit dem Start vor zwei Monaten sind Steve Jobs zufolge über iTunes insgesamt drei Millionen Videotitel verkauft worden. Wieviel davon auf Musikvideos und wieviel auf Filme und Fernsehshows entfällt, sagt er allerdings nicht.

Neben dem Vertrieb über iTunes suchen Medienkonzerne auch nach anderen Wegen, ihre Inhalte für die Verbraucher jederzeit abrufbar zu machen, also "on demand" anzubieten. Vor einem Monat kündigten NBC Universal und der Wettbewerber CBS an, erstmals bestimmte Fernsehsendungen kurze nach ihrer Ausstrahlung für die Zuschauer auf dem Fernseher selbst abrufbar zu machen, für einen Preis von jeweils 99 Cent.

Filmvertrieb für immer mehr Geräte vertreiben

Das funktioniert im Prinzip genauso wie der sogenannte Pay-per-view-Vertrieb von Filmen, den es schon länger gibt. Die Medienkonzerne versuchen also zunehmend, ihre Inhalte auf verschiedenen Geräten abrufbar zu machen. Jeff Zucker, Chef der Fernsehsparte von NBC, sagt dazu: "In einem Jahr wird man uns auf immer mehr Plattformen sehen. Ob jetzt ein Mobiltelefon, ein iPod oder ein Computer, uns ist egal, auf welchem Bildschirm."

Daß Medienkonzerne den Verbrauchern auf immer mehr Vertriebswegen entgegenkommen, ist auch deshalb notwendig, weil Internetpiraterie ein unverändert großes Problem ist. Das gilt auch bei Videoinhalten. Über Internettauschbörsen werden Fernsehshows und Filme illegal heruntergeladen und finden dann auch ihren Weg auf den Video-iPod. Trotz juristischer Siege der Unterhaltungsindustrie gegen solche Tauschbörsen ist deren Popularität ungebrochen. So waren nach Angaben des Marktforschungsdienstes Big Champagen im September zu jedem Zeitpunkt 9,3 Millionen Nutzer an eine kostenlose Online-Börse angeschlossen, ein Jahr zuvor waren es 6,8 Millionen.

Immer noch erste Gehversuche der Unterhaltungsindustrie

Der Vertrieb über iTunes und andere On-Demand-Angebote sind nur die ersten Gehversuche der Unterhaltungsindustrie für den Vertrieb ihrer Videoinhalte. Es ist eine völlig offene Frage, welche Dienste in Zukunft die populärsten sein werden. Ebenso wird sich zeigen müssen, inwiefern diese Dienste vom für die Medienindustrie so wichtigen Umsatzträger Werbung unterstützt werden. Apple verzichtet bislang darauf, seine Angebote von Werbung begleiten zu lassen. Dabei soll es nach Angaben von Steve Jobs vorerst auch bleiben. Er fügt allerdings hinzu, "niemals nie" zu einem solche Modell sagen zu wollen.

Quelle: F.A.Z., 08.12.2005, Nr. 286 / Seite 20
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