17.02.2004 · Der Verwaltungsrat des Disney-Konzerns hat das Übernahmeangebot des Kabelnetzbetreibers Comcast als zu niedrig zurückgewiesen und stellt sich hinter Disney-Chef Michael Eisner.
Der Medienkonzern Walt Disney hat das milliardenschwere Übernahmeangebot des amerikanischen Kabelfernsehbetreibers Comcast abgelehnt. Das Disney-Board teilte mit, es habe völliges Vertrauen in die geschäftliche, finanzielle und kreative Ausrichtung unter der Führung von Konzern-Chef Michael Eisner.
Comcast rechtfertigte allerdings sein Angebot als großzügigen und zwingenden Vorschlag. In der vergangenen Woche hatte Comcast überraschend ein Angebot zur Übernahme des traditionsreichen amerikanischen Unterhaltungskonzerns gemacht und dies damit begründet, daß Eisner Gespräche darüber abgelehnt habe. Bei einer Übernahme Disneys würde Comcast zum weltgrößten Medienkonzern aufsteigen und den derzeitigen Branchenprimus Time Warner überholen.
„Das Board geht davon aus, daß die gegenwärtige Struktur und Strategie des Unternehmens zum maximalen Nutzen der Aktionäre ist", hieß es in einer Mitteilung des Disney-Konzerns. Über ein verbessertes Angebot werde man aber noch einmal nachdenken, kündigte der Unterhaltungskonzern an.
Comcast bekräftigt vorgelegtes Angebot
Comcast bekräftigte in einer ersten Reaktion, man halte an der Ansicht fest, daß das vorgelegte Angebot den Wert und die Aussichten von Disney „umfassend und großzügig“ bewerte.
Analysten hatten positiv auf die Aussicht eines neuen Mediengiganten reagiert, zugleich aber die Erwartung geäußert, daß Comcast sein Angebot von ursprünglich mehr als 54 Milliarden Dollar erhöhen müsse, um die Disney-Aktionäre zu überzeugen. Comcast und Walt Disney kämen zusammen auf einen Jahresumsatz 2003 von 46 Milliarden Dollar, verglichen mit rund 40 Milliarden Dollar bei Time Warner.
Rückendeckung für Disney-Chef Eisner
Die Rückendeckung für Eisner durch das Konzern-Board kommt zu einer Zeit, in der er unter erheblichen Druck durch eine Kampagne zweier ehemaliger Spitzenmanager des Konzerns steht. Roy Disney, Neffe des Firmengründers Walt Disney, und Stanley Gold werfen Eisner jahrelanges Mißmanagement vor und wollen ihn aus dem Amt drängen.
Die beiden Kritiker versuchen Großinvestoren davon zu überzeugen, den Konzernchef nicht weiter zu unterstützen. Vorige Woche empfahl eine einflußreiche Interessenvertretung institutioneller Anleger, die Institutional Shareholder Services (ISS), Eisner bei der Aktionärsversammlung Anfang März nicht im Amt zu bestätigen.
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