Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist auf Erholungskurs. Die Anzeigen- und Vertriebserlöse sind in den ersten fünf Monaten des Jahres weiter gestiegen. Aus heutiger Sicht werde die F.A.Z.-Verlagsgruppe den im Geschäftsjahr 2004 erzielten operativen Gewinn übertreffen können, sagte die Geschäftsführung der F.A.Z. auf der Gesellschafterversammlung in Frankfurt. Sofern sich die konjunkturelle Lage in Deutschland nicht verschlechtere, dürften in diesem Jahr Umsatz und Ergebnis nochmals steigen.
Als Marktführer für Fach- und Führungskräfte profitiere die F.A.Z. von der leichten Aufwärtsentwicklung in diesem wichtigen Anzeigensegment. Durch die Zahlungsüberschüsse aus dem laufenden Geschäft habe sich die finanzielle Lage des Konzerns weiter verbessert. Die Verlagsgruppe verfüge über eine gute Liquidität und bedeutende stille Reserven und sei bis auf einen kleinen Investitionskredit, der von der Tochtergesellschaft Märkische Allgemeine planmäßig zurückgeführt werde, ohne Bankschulden. Die in den Vorjahren eingeleiteten Kostensenkungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen wirkten sich nachhaltig positiv auf das Ergebnis aus.
Sonntagszeitung erfolgreich
Die verkaufte Auflage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist im Jahresdurchschnitt 2004 in einem schwierigen Marktumfeld mit Auflagenverlusten für Tages- und Wochenzeitungen um 1,1 Prozent auf 380.223 Exemplare gesunken. Hingegen kletterte die Auflage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gegen den Markttrend kräftig, jahresdurchschnittlich um 4,9 Prozent auf 290449 Exemplare. Im ersten Quartal 2005 beschleunigte sich der Anstieg noch, im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg die verkaufte Auflage der F.A.S. um 9,8 Prozent auf 309625 Stück.
Im Berichtsjahr 2004 sind die Umsatzerlöse der F.A.Z.-Verlagsgruppe um 1,6 Prozent auf 465,5 Millionen Euro gestiegen. Aufgrund gesunkener Material-, Personal- und der übrigen Betriebsaufwendungen lagen die operativen Aufwandsposten 36,3 Millionen Euro niedriger als im Vorjahr. Durch höhere Erlöse und niedrigere Kosten hat die F.A.Z. GmbH nach drei vorangegangenen Jahren mit Umsatzrückgängen und Verlusten das Jahr 2004 wieder mit einem positiven Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in Höhe von 10,9 Millionen Euro abgeschlossen, im Konzern liegt das entsprechende Ergebnis noch deutlich höher. Dennoch weist der F.A.Z.-Konzern für das Geschäftsjahr 2004 einen Jahresfehlbetrag von 30 Millionen Euro aus, verglichen mit 15,8 Millionen Euro aus dem Vorjahr. Dieser Jahresfehlbetrag resultiert aus der Bildung einer Rückstellung bei der F.A.Z. GmbH im Zusammenhang mit einem Finanzgerichtsverfahren, das seine wirtschaftliche Ursache in der Übernahme von Verlagen im Zuge der deutschen Wiedervereinigung hat.
Wegen eines anhängigen Finanzrechtsstreits beim Bundesfinanzhof hat die F.A.Z. im Jahresabschluß rein vorsorglich das volle Risiko zurückgestellt. Zur Vermeidung von Zinsnachteilen im Falle eines - nicht erwarteten - negativen Ausgangs des Rechtsstreits hat der Verlag die entsprechende Liquidität beim Finanzamt hinterlegt. Damit ist auch für diese lang zurückliegende Geschäftstätigkeit eine vollständige bilanzielle und finanzielle Vorsorge getroffen worden.
Rezessive Branchenkonjunktur
Die rezessive Branchenkonjunktur spürte auch das zur F.A.Z. gehörende Verlagsunternehmen Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH (MVD) in Potsdam. Die Auflage der Märkischen Allgemeinen Zeitung lag im Geschäftsjahr mit rund 178.000 Exemplaren 4,3 Prozent unter dem Vorjahr. Die Umsätze der MVD fielen um 1,2 auf 80,4 Millionen Euro. Durch die zum Umsatz überproportional gesunkenen betrieblichen Aufwendungen hat sich das MVD-Jahresergebnis um 1,3 auf 3,6 Millionen Euro verbessert. Die zu den Buchverlagen der F.A.Z.-Verlagsgruppe gehörende Deutsche Verlags-Anstalt hat 2004 die Umsatzerlöse um 2,8 Prozent auf 22,1 Millionen Euro gesteigert und einen kleinen Jahresüberschuß erzielt. Im Prestel-Verlag stieg der Umsatz mit Büchern zu Kunst, Architektur, Fotografie und Design um 4 Prozent auf 11,7 Millionen Euro. Auch im Kinderbuchverlag Xenos-Verlagsgesellschaft mbH kletterten Umsatz und Gewinn.
Reichweite des Online-Angebots ausgebaut
Die Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen F.A.Z.-Institut für Management-, Markt- und Medieninformationen GmbH, MainCom Telemarketing Services GmbH und die Leadermedia Gruppe entwickelten sich im Berichtsjahr über Plan und schlossen mit guten Ergebnissen ab.
Die F.A.Z. Electronic Media GmbH hat mit der redaktionellen Betreuung des Internet-Auftritts der Tages- und der Sonntagszeitung sowie mit dessen Vermarktung nicht nur erfolgreich die Bekanntheit und Reichweite des Online-Angebots ausgebaut, sondern auch Umsatz und Ergebnis gesteigert.
Neue Köpfe im Aufsichtsrat
Die Gesellschafterversammlung wählte Professor Dr. Michael Hoffmann-Becking, Senior-Partner der Anwaltskanzlei Hengeler Mueller in Düsseldorf, und Dr. h.c. Ludwig Georg Braun, Vorstandsvorsitzender der Braun Melsungen AG in Melsungen, als weitere Mitglieder in den Aufsichtsrat, beide sind bereits Kuratoren der FAZIT-Stiftung, der Mehrheitsgesellschafterin der F.A.Z.
Außerdem wurde Professor Dr. Wolfgang Bernhardt vom 1. Januar 2006 an in den Aufsichtsrat gewählt, dann wird er den Vorsitz der Geschäftsführung der F.A.Z. abgeben und Tobias Trevisan neuer Sprecher der Geschäftsführung werden. Wie berichtet, wechselt Trevisan im September von der Neuen Zürcher Zeitung in die Geschäftsführung der F.A.Z. Altersbedingt scheiden Professor Dr. Otto Rudolf Kissel und Gert Silber-Bonz aus dem Aufsichtsrat der F.A.Z. aus. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Professor Dr. Helmut Diederich, dankte beiden Aufsichtsräten für ihren langjährigen Rat und ihre wertvolle Unterstützung.
