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Medien Das Internet überflügelt die Printmedien

15.11.2004 ·  In nur zehn Jahren hat das Internet die Printmedien in der Gunst der Deutschen klar überflügelt. Im Durchschnitt nutzt jeder Deutsche das Internet mehr als doppelt so lang wie die Zeitung.

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In nur zehn Jahren hat das Internet die Printmedien in der Gunst der Deutschen klar überflügelt. Im Durchschnitt nutzt jeder Deutsche das Internet jeden Tag 58 Minuten, liest 26 Minuten Zeitung und 18 Minuten Zeitschriften. Klar vorne liegen weiterhin das Fernsehen (178 Minuten) und das Radio (151 Minuten).

Obwohl das Internet in der Mediengunst stetig zulegt, bleibt die Nutzung der traditionellen Medien weitgehend konstant oder geht leicht zurück. Internetnutzer lesen zum Beispiel genauso lange Zeitung wie die Nichtnutzer, hat die zehnte Timebudget-Studie des Marktforschungsunternehmens Forsa im Auftrag von Sevenone-Media ergeben. „Die Zeit, die die Deutschen im Internet surfen, ist zusätzliche Medienzeit. Das Internet ergänzt die anderen Medien - von Verdrängung keine Spur“, sagt Daniel Haberfeld, Forschungsleiter von Sevenone-Media.

Rückstand in der Reichweite

Rückstand hat das Internet noch in der Reichweite: Gut 40 Prozent der Deutschen surfen täglich im Internet, während rund 60 Prozent täglich eine Zeitung lesen und rund 80 Prozent Fernsehen schauen. Da die Internetzeit aber stärker zugenommen als die Reichweite, hat das Netz seinen Anteil an der gesamten Medienzeit der Deutschen im ersten Halbjahr um ein Fünftel auf 12 Prozent ausgebaut. „Das Internet ist der große Gewinner der vergangenen Jahre: 1999 betrug die durchschnittliche Online-Zeit lediglich neun Minuten; bis heute hat sich dieser Wert mehr als versechsfacht“, sagt Haberfeld.

Die starke Zunahme der Medienzeit ist vor allem auf die rasche Verbreitung der neuen DSL-Internetzugänge zurückzuführen. DSL-Nutzer sind signifikant länger online als Nutzer, die sich noch mit einem Modem oder über eine ISDN-Verbindung einwählen. Da jedes Jahr mehr als eine Million Nutzer auf DSL umsteigen, wird die Internetzeit wohl auch in den kommenden Jahren kräftig wachsen.

Hohes Bildungsniveau, viele Studenten, durchschnittliches Einkommen

Die Internetnutzerschaft unterscheidet sich signifikant von den anderen Mediengattungen: Sie sind weit überdurchschnittlich hoch gebildet, erzielen wegen des hohen Studentenanteils aber nur ein durchschnittliches Einkommen. Dagegen weisen Zeitungsleser eine durchschnittliche Bildung, aber ein überdurchschnittliches Einkommen auf, haben die Marktforscher herausgefunden.

Auf der Suche nach Informationen setzen die Menschen die verschiedenen Medien gezielt ein: Für die Suche nach Wirtschaftsinformationen greifen die Deutschen zuerst zur Zeitung. Politische Informationen und Sportnachrichten suchen die Menschen zunächst im Fernsehen.

Internet, das Reise-Medium

Das Internet ist für die Information über Reisen inzwischen die erste Wahl, da die Interaktionsmöglichkeiten große Vorteile gegenüber den anderen Medien bringen. Im Thema Musik hat das Internet das Fernsehen überholt und zum Spitzenreiter Radio aufgeschlossen. Den größten Sprung in der Rolle als Erstinformationsquelle hat das Netz im vergangenen Jahr in den Themen Gesundheit, Wirtschaft, Wetter und Sport erzielt.

Neben den objektiven Meßkriterien haben die Forscher auch die subjektive Wichtigkeit der Medien erfragt. Das wichtigste Medium ist für die meisten Deutschen das Fernsehen. Die Wichtigkeit des Internets ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen und hat bereits die Zeitschrift und das Buch überflügelt. Vor die Frage gestellt, auf welches Medium die Menschen nicht verzichten wollten, antworten 44 Prozent das Fernsehen, 23 Prozent das Internet, 13 Prozent das Radio, 8 Prozent das Buch und 7 Prozent die Tageszeitung.

Die Nettoreichweite des Internts hat sich im Tagesverlauf in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Zahl der Onliner steigt im Tagesverlauf stetig an und erreicht einen ersten Höhepunkt zwischen 9 und 10 Uhr und einen zweiten Höhepunkt zwischen 15 und 18 Uhr. Am Abend hat das Netz wie die anderen Medien keine Chance gegen das Fernsehen: Um 20 Uhr sitzen fast 80 Prozent aller Deutschen im Fernsehsessel.

Quelle: ht., Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15.11.2004, Seite 19
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