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Medien Comcast will Disney kaufen

11.02.2004 ·  Der größte amerikanische Kabelnetzbetreiber Comcast will den weltweit zweitgrößten Unterhaltungskonzern Walt Disney für 66 Milliarden Dollar übernehmen.

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Der amerikanische Kabelnetzbetreiber Comcast will den Disney-Konzern kaufen. Dies teilte Comcast am Mittwoch mit. Bei einer erfolgreichen Übernahme würde Comcast zu einem der weltgrößten Medienkonzerne aufsteigen.

Comcast will den Disney-Aktionären 0,78 eigene Aktien pro Walt-Disney-Titel bieten. Damit würde die Anteilseigner von Walt Disney anschließend 42 Prozent an dem fusionierten Unternehmen halten, teilte Comcast am Mittwoch weiter mit. Demnach bietet das Unternehmen für die Mediengruppe - nach Schlußkursen vom Dienstag - 66 Milliarden Dollar (rund 52 Milliarden Euro). Das entspreche einem Aufschlag von 5 Milliarden Dollar zum aktuellen Börsenwert von Disney. Das gesamte Transaktionsvolumen soll die angenommenen Schulden von Disney von 11,9 Milliarden Dollar einschließen.

Analysten: Prämie zu gering

Branchenexperten erwarteten, daß Comcast sein Angebot noch erhöhen muß, um die Zustimmung der Disney-Aktionäre zu gewinnen. „Ich glaube nicht, daß es leicht wird für Comcast", sagte Rick Meckler von LibertyView Capital Management. Die Offerte werde aber zumindest die internen Diskussionen bei Disney zur Konzernstrategie anheizen. „Es zeigt, daß wir in eine neue Phase der Fusionen und Übernahmen eintreten", sagte Meckler.

Die vor Börsenbeginn in Amerika überraschend mitgeteilten Kaufpläne gaben den europäischen Aktienmärkten Auftrieb, wobei vor allem Medienwerte wie ProSiebenSat.1 Media und Vivendi Universal kräftig zulegten. In den ersten Handelsstunden brachen Comcast-Papiere neun Prozent auf 30,87 Dollar ein. Disney-Aktien schossen 13,9 Prozent auf 27,43 Dollar nach oben.

Disney fährt Gewinne ein

Disney berichtete außerdem die Zahlen für das erste Quartal. Der Gewinn schnellte auf 688 Millionen Dollar oder 33 Cent je Aktie hoch, nach 36 Millionen. Dollar oder 5 Cent je Aktie im Vorjahresquartal. Der Umsatz kletterte von 7,17 Milliarden Dollar auf 8,5 Milliarden Dollar.

Comcast: „Einmalige Gelegenheit“

Comcast-Chef Brian Roberts sprach von einer „einmaligen Gelegenheit“ für die Aktionäre von Comcast und Disney, einen führenden Konzern in der Welt der Unterhaltungsindustrie zu gründen. Disney-Chef Michael Eisner habe sich allerdings geweigert, das Angebot zu diskutieren. Comcast mit Sitz in Philadelphia ist der größte Kabelnetzbetreiber der Vereinigten Staaten mit 21 Millionen Kabel-TV-Kunden. Zum Disney-Konzern gehören die gleichnamigen Filmstudios, der Fernsehsender ABC, der Sportkanal ESPN und die Disney-Freizeitparks.

Disney kämpft seit Jahren mit Problemen. Neben den Auswirkungen der Medienkrise brachten auch hausinterne Querelen das Micky-Maus-Imperium in die Schlagzeilen. Anfang Dezember verließ Roy Disney, der Enkel des Konzerngründers Walt Disney, die Firma im Streit. Seitdem versucht Roy Disney Eisner durch eine öffentlich geführte Kampagne nach fast 20 Jahren an der Spitze des Unternehmens zum Rücktritt zu zwingen. Ein schwerer Rückschlag war für Disney auch die jüngst aufgekündigte Partnerschaft mit dem Trickfilm-Studio Pixar, das dem Konzern unter anderem Kino-Kassenschlager wie „Findet Nemo“ brachte.

Deutscher Markt unberührt

Der deutsche Markt dürfte Experten zufolge von den Plänen kaum betroffen sein. „In Deutschland gibt es nicht sehr viel Möglichkeiten für Fusionen oder Übernahmen, weil der deutsche Markt relativ verschlossen ist", sagte Florian Leinauer von Helaba Trust. „Im TV-Bereich stehen sich zwei große Blöcke gegenüber, die nicht fusionieren können", ergänzte er mit Blick auf die beiden großen deutschen privaten Sendergruppen ProSiebenSat.1 und die zum Bertelsmann-Konzern gehörende RTL Group.

Quelle: @tor, mit Material von Reuters, AFP, vwd
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