20.11.2003 · Der Medienkonzern Bertelsmann hat im dritten Quartal nach dem Verkauf von Beteiligungen operativ mehr verdient als im Vorjahr. Am Mittwochabend hatte Aufsichtsrats-Chef Schulte-Hillen seinen Rücktritt erklärt.
Der Medienkonzern Bertelsmann hat im dritten Quartal trotz eines Umsatzrückgangs nach dem Verkauf von Beteiligungen operativ mehr verdient als im Vorjahr. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) habe Bertelsmann im dritten Quartal 207 (Vorjahr 116) Millionen Euro verdient, teilte der Konzern am Donnerstag in Gütersloh mit.
Der Umsatz sank auf 3,9 von 4,2 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Finanzvorstand Siegfried Luther sagte, Bertelsmann halte an seiner Prognose fest, im Gesamtjahr ein besseres operatives Ergebnis als im Vorjahr (936 Millionen Euro) erreichen zu wollen.
Wieder raus aus Verlustzone
Unter dem Strich konnte Bertelsmann beim Gewinn vor Fremdanteilen die Verlustzone verlassen und verzeichnete hier 20 Millionen Euro nach einem Minus von 367 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die Nettofinanzschulden sanken per Ende September auf 1,45 Milliarden Euro nach 2,7 Milliarden Euro zum Jahresende 2002.
Das Ergebnis wurde den Angaben zufolge vor allem durch Veräußerungsgewinne von 761 Millionen Euro aus dem Verkauf der Fachinformationssparte BertelsmannSpringer und der Beteiligung an Barnesandnoble.com beeinflußt.
Konjunkturflaute belastet Medienkonzern
Bertelsmann gehören neben der RTL Group unter anderem der weltgrößte Buchverlag Random House und der weltweit zweitgrößte Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr sowie die BMG, die mit der Musiksparte von Sony zusammengelegt werden soll. Die Medienbranche leidet weltweit unter der Konjunkturflaute und einer Krise auf dem Werbemarkt.
Noch im ersten Quartal 2003 hatte Bertelsmann einen operativen Verlust verbucht. Vorstandschef Gunter Thielen hatte bei Bertelsmann im Sommer 2002 das Ruder von Thomas Middelhoff übernommen und damals eine Konzentration auf das Stammgeschäft angekündigt. Middelhoff hatte noch auf einen aggressiven Expansionskurs gesetzt.
Schulte-Hillen verläßt Bertelsmann
Aufgrund von Differenzen um die künftige Strategie des Konzerns hatte Aufsichtsratschef Gerd Schulte-Hillen am Vorabend seinen Rücktritt bekanntgegeben. Bertelsmann erklärte nach einer Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend, Schulte-Hillen werde sein Amt abgeben und das Unternehmen nach 34 Jahren verlassen.
„Ich bedaure die Entwicklung sehr, die zu der Entscheidung von Gerd Schulte-Hillen geführt hat“, erklärte Thielen. Mit Schulte- Hillen verbinde ihn eine langjährige freundschaftliche Beziehung. Bis zur Wahl eines Nachfolgers übernimmt Vize-Aufsichtsratschef Dieter Vogel die Leitung des Gremiums.
Über Fusion mit Sony entzweit
Konkreter Anlaß für den Rücktritt des Managers war nach Angaben aus Unternehmenskreisen der Plan von Bertelsmann und Sony, ihre Musiksparten zum zweitgrößten Musikkonzern der Welt zu fusionieren. Schulte-Hillen habe als einziger im Aufsichtsrat gegen dieses Vorhaben gestimmt. Da Thielen Rückendeckung von den Aktionären - der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft und der Groupe Bruxelles Lambert - bekommen habe, habe er dann seinen Rücktritt erklärt, hieß es. Allerdings war es in den vergangenen Monaten bereits wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen dem Manager und dem Bertelsmann-Mehrheitseigner, der Familie Mohn, gekommen.
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