25.05.2006 · Für die Anteile seines belgischen Mitaktionärs GBL will der Gütersloher Konzern 4,5 Milliarden Euro zahlen. Die Summe fällt damit deutlich höher aus, als Bertelsmann bislang angeboten hatte. Damit verfehlt der Konzern sein Verschuldungsziel.
Europas größter Medienkonzern Bertelsmann kauft den Anteil von Minderheitsaktionär GBL für 4,5 Milliarden Euro zurück und verhindert damit einen möglichen Börsengang. Auf den Rückkauf hätten sich die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG), die Familie Mohn und die Stiftung sowie die Groupe Bruxelles Lambert (GBL) „in freundschaftlichen Gesprächen“ geeinigt, teilte Bertelsmann am Donnerstag mit. Die Belgier halten insgesamt 25,1 Prozent der Bertelsmann-Aktien, der Rückkauf der Anteile soll zum 1. Juli wirksam werden.
GBL hatte die Anteile vor fünf Jahren im Tausch gegen ihre Beteiligung an RTL erhalten. Damit verbunden war das Recht, die Papiere nach Ablauf einer Wartefrist an die Börse bringen zu können.
Die GBL-Aktien, deren Rückkauf zum 1. Juli vorgesehen ist, sollen eingezogen werden. 100% der Stimmrechte werden dann bei der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) liegen, in der die Anteile der Familie Mohn und der Bertelsmann Stiftung gebündelt sind. Wie sich die Bertelsmann-Anteile dann verteilen werden, sei noch nicht genau durchgerechnet. Es laufe aber darauf hinaus, daß die Familie Mohn 25% und die Bertelsmann-Stiftung 75% der Aktien halten werde.
Verschuldungsziel deutlich verfehlt
Trotz der Finanzierung dieser Transaktion könne der Gütersloher Konzern auch in Zukunft in Wachstum investieren und die finanzielle Solidität behalten, ist man bei Bertelsmann überzeugt. Finanziert wird der Rückkauf mit einem Zwischenkredit mehrerer Banken. Der Kredit werde jedoch im Verlauf der nächsten 12 bis 18 Monate durch hohe Mittelfreisetzung aus dem laufenden Geschäft und den Erlösen aus dem geplanten Verkauf von BMG Music Publishing deutlich zurückgeführt. Der Auktionsprozeß für den geplanten Verkauf dieses Geschäfts, an dem Bertelsmann nach eigenen Angaben „ausgewählte Interessenten“ beteiligen will, beginnt der Mitteilung zufolge Anfang Juni.
Damit wird Bertelsmann sein selbst gestecktes Verschuldungsziel deutlich verfehlen. Die wirtschaftliche Verschuldung werde nach dem Rückkauf für 4,5 Milliarden Euro beim 3,4-fachen des operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) liegen, sagte Finanzvorstand Thomas Rabe am Donnerstag. Sie soll bis Jahresende auf das 3,0-fache EBITDA zurückgeführt werden. Ende 2007 soll das bei Bertelsmann als Höchstgrenze definierte Ziel des 2,3-fachen wieder erreicht sein.
In Gütersloh wird Optimismus verbreitet
Thielen bezeichnete den Kaufpreis von 4,5 Milliarden Euro als angemessen. Er enthalte die Dividenden, die dieses Jahr nicht mehr gezahlt werden. „Wir waren gut beraten, ganz schnell zu kaufen“, sagte der Vorstandschef. Bertelsmann befinde sich „in einer hervorragenden“ Verfassung“, und nächstes Jahr wäre es bestimmt teurer geworden.
Der Kaufpreis berücksichtige die zu erwartende Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr. Thielen stellte einen Umsatzzuwachs „in Richtung zweistellig“ in Aussicht. Die hervorragende Entwicklung im ersten Quartal habe sich ungebrochen auch in den Monaten April und Mai fortgesetzt. „Wenn der Umsatz um 10% wächst, dann wird das Ergebnis mindestens ebenso wachsen“, sagte Thielen.
Die Bertelsmann-Manager erklärten, daß der Konzern auch sehr optimistisch für die Folgejahre sei. Im laufenden Geschäftsjahr solle auch angesichts des GBL-Anteils-Rückkaufs keine einzige Investition gestoppt werden.
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