22.03.2006 · Bertelsmann wächst beachtlich, das geht aus der Jahresbilanz 2005 hervor, die das Unternehmen vorgelegt hat. Die Frage nach dem Börsengang ist noch offen. Liz Mohn steht ihm skeptisch gegenüber.
Nach Milliardeninvestitionen ist Europas größter Medienkonzern Bertelsmann im vergangenen Jahr deutlich gewachsen. Nach Aussagen seines Vorstandschefs Gunter Thielen haben die Gütersloher jedoch keine weiteren Erkenntnisse über den vom belgischen Großaktionär Groupe Bruxelles Lambert (GBL) angekündigten Börsengang.
Bertelsmann habe von dem bislang nur eine mündliche Ankündigung erhalten und führe auch keine Gespräche mit dem Investor, sagte Thielen am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz in Berlin. „Es ist viel zu früh, etwas zu sagen. Ich kann nur sagen, wir sind vorbereitet. Wir haben damit überhaupt kein Problem“, ergänzte der Unternehmenschef. „Wir respektieren die Ankündigung der GBL, ab Ende Mai von dem Recht des Börsenlistings Gebrauch zu machen.“
GBL hält 25,1 Prozent an Bertelsmann und hat sich im Januar für einen Börsengang ausgesprochen. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ steht die Vorsitzende der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft, Liz Mohn, dem Gang an die Börse aber eher skeptisch gegenüber (lesen Sie dazu: Planspiele in Gütersloh).
Sperrfrist läuft im Mai ab
Der belgische Finanzinvestor GBL hatte die Bertelsmann-Anteile 2001 im Tausch gegen seinen 30prozentigen Anteil an Europas größtem Fernsehkonzern RTL Group erhalten und sich das Recht einräumen lassen, das Aktienpaket nach einer Sperrfrist an die Börse zu bringen. Diese läuft im Mai 2006 ab. Der Gang aufs Börsenparkett könnte zu einem der größten in der Branche werden. Experten schätzen, daß Bertelsmann mindestens 20 Milliarden Euro wert ist.
Im Januar hatte GBL-Chef Thierry de Rudder erklärt, Bertelsmann habe dem Börsengang zugestimmt. Dieser werde im Frühjahr 2007 stattfinden. Gegenwärtig ist das Gütersloher Medienunternehmen eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft. Die Aktienmehrheit von 57,6 Prozent ist im Besitz der Bertelsmann Stiftung. Weitere 17,3 Prozent hält die Gründerfamilie Mohn. Die Groupe Bruxelles Lambert, die im mehrheitlich im Besitz der Unternehmer Albert Frère und Paul Desmarais ist, hält 25,1 Prozent der Anteile. Doch sind davon davon 0,1 Prozent stimmrechtslos, so daß die Minderheitsaktionäre über keine Sperrminorität verfügen.
Alle Unternehmensbereiche mit besserem Ergebnis
Wie Bertelsmann am Mittwoch in Berlin mitteilte, stieg 2005 das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen (Operating Ebit) um 12,7 Prozent auf den Rekordwert von 1,61 Milliarden Euro. Alle Unternehmensbereiche hätten ihr Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr verbessert. „Von dieser starken Basis aus werden wir verstärkt in neue Wachstumsmärkte und die digitalen Mediengeschäfte der Zukunft investieren“, sagte Bertelsmann-Chef Thielen. Der neue Finanzvorstand Thomas Rabe sagte, Bertelsmann habe einen finanziellen Spielraum in den nächsten zwei bis drei Jahren von zwei bis drei Milliarden Euro über die laufenden Investitionen von 600 bis 800 Millionen Euro hinaus, ohne den Verschuldungsrahmen zu sprengen.
Der Umsatz stieg um 5,1 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro. Der operative Gewinn kletterte um 13 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Der Nettogewinn blieb jedoch mit 1,04 Milliarden Euro knapp unter der Vorjahreszahl in Höhe von 1,17 Milliarden Euro. Bertelsmann machte dafür Sondereffekte im Vorjahr, etwa den Verkauf von Immobilien in Amerika, verantwortlich.
Vor allem die Fernsehsparte RTL-Group, die Dienstleistungstochter Arvato und der Zeitschriftengruppe Gruner + Jahr glänzten mit deutlich verbesserten Ergebnissen. Doch auch die Musiktochter BMG konnte trotz sinkender Umsätze das Ergebnis verbessern. Im laufenden Jahr rechnet der Konzern nach Angaben von Finanzvorstand Rabe mit einer weiteren Ergebnis- und Umsatzsteigerung.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,92 | +0,52% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2534 | −0,06% |
| Rohöl Brent Crude | 106,82 $ | −0,41% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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