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„Lieferheld“ Strafen für Online-Pizzavermittler

Viele Startups vermitteln online den Pizzaservice. Der Konkurrenzkampf ist hart. Jetzt haben Mitarbeiter einer Firma Geldstrafen bekommen, weil sie die Konkurrenz ausspioniert haben.

© AFP Adressen von Pizzabäckern wurden gestohlen.

In der sich schnell drehenden Internetwirtschaft sind ein paar Wochen manchmal so lang wie einige Jahre. Doch auch wenn der Fehltritt der Mitarbeiter der Bestellplattform Lieferheld.de aus den ersten drei Wochen der Geschäftstätigkeit des Internetunternehmens datiert, fällt er eher nicht in die Kategorie Kleine-Kinder-Streich.

Martin Gropp Folgen:

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat es nun als erwiesen angesehen, dass sieben Lieferheld-Mitarbeiter im Oktober und November 2010 ohne Einwilligung des Berechtigten eine Adressdatenbank verwendet haben. „Da es zu einer Straftat gekommen ist, ist ein Strafbefehl ergangen“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dieser Zeitung. Gegen sieben Mitarbeiter des Unternehmens wurden unterschiedliche Geldstrafen in einer Gesamthöhe von 58.050 Euro verhängt.

Adressen von Lieferdiensten ausgelesen

Lieferheld hat dem Sprecher zufolge die Anschriften, Telefax- und Telefonnummern Lieferdiensten aus der Datenbank des Wettbewerbers Pizza.de GmbH mittels einer Software unberechtigt und ohne Zustimmung ausgelesen, gespeichert und danach öffentlich wiedergegeben. Demnach hatte Lieferheld 224 Lieferdienste kopiert und online gestellt, 990 Lieferdienste waren kopiert aber nicht in diesem Umfang online gestellt worden. „Unser Unternehmen kann bestätigen, dass ein Ermittlungsverfahren gegen Strafbefehl mit Geldauflage eingestellt wurde“, teilte eine Sprecherin von Lieferheld auf Anfrage mit. Man habe schon im Herbst 2010 „sofort reagiert“ und den Missstand ausgeräumt, und zwar bevor er angezeigt worden sei. „Wir halten den Ausgang in dieser Sache für nicht verhältnismäßig, haben uns aber entschlossen, es zu belassen, so dass dieses Thema nun abgeschlossen ist.“

Aus Datenschutzgründen und Schutz der Persönlichkeitsrechte könne sie sich nicht zu den Personen äußern, gegen die die Strafbefehle ergangen sind. Bei drei der sieben nun Bestraften handelt es sich aber offenbar um die heutigen Geschäftsführer der Lieferheld GmbH Fabian Siegel, Nikita Fahrenholz und Claude Ritter.

Die vollstreckten Strafbefehle werfen wieder einmal ein Schlaglicht auf den Konkurrenzkampf der noch jungen Branche der Bestellplattformen. Der Druck innerhalb der Branche ist hoch, weil sich die einzelnen Anbieter kaum voneinander unterscheiden. Lieferheld, Lieferando, Lieferservice.de oder Pizza.de funktionieren alle nach demselben Prinzip. Ihre Geschäftspartner sind die Pizzeria oder der Sushi-Laden um die Ecke, deren Angebot sie auf ihrer Internetplattform zusammenfassen.

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Hungrige besuchen diese Plattformen, geben ihre Postleitzahl ein und erhalten dann das in der Nähe verfügbare Angebote an Lieferdiensten. Die Plattformen wickeln Bestellungen für die Restaurants ab und erhalten dafür einen Anteil von der Bestellsumme, der je nach Anbieter zwischen 5 und 10 Prozent rangiert. Bei einer durchschnittlichen Bestellung von 16 Euro können die Plattformen bis zu 1,60 Euro pro Bestellung kassieren.

Dass der Konkurrenzkampf innerhalb der Branche hart ist, macht auch ein Ereignis aus dem April vergangenen Jahres deutlich. Damals warf der Konkurrent Lieferando wiederum Lieferheld vor, mit massenhaften computergesteuerten Abfragen (DDoS-Attacken) dessen Server lahmgelegt zu haben. „Wir möchten abermals betonen, dass Lieferheld nicht in DDoS-Attacken gegen andere Unternehmen involviert ist“, teilte die Lieferheld-Sprecherin nun mit. Lieferheld sei im Gegenteil selbst wiederholt Ziel von Attacken geworden.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels war die Rede von 990 öffentlich zugänglich gemachten Lieferdiensten. Diese Angabe wurde inzwischen korrigiert.

Quelle: F.A.Z.

 
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