http://www.faz.net/-gqe-75jo4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.01.2013, 10:19 Uhr

„Lieferheld“ Strafen für Online-Pizzavermittler

Viele Startups vermitteln online den Pizzaservice. Der Konkurrenzkampf ist hart. Jetzt haben Mitarbeiter einer Firma Geldstrafen bekommen, weil sie die Konkurrenz ausspioniert haben.

von
© AFP Adressen von Pizzabäckern wurden gestohlen.

In der sich schnell drehenden Internetwirtschaft sind ein paar Wochen manchmal so lang wie einige Jahre. Doch auch wenn der Fehltritt der Mitarbeiter der Bestellplattform Lieferheld.de aus den ersten drei Wochen der Geschäftstätigkeit des Internetunternehmens datiert, fällt er eher nicht in die Kategorie Kleine-Kinder-Streich.

Martin Gropp Folgen:

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat es nun als erwiesen angesehen, dass sieben Lieferheld-Mitarbeiter im Oktober und November 2010 ohne Einwilligung des Berechtigten eine Adressdatenbank verwendet haben. „Da es zu einer Straftat gekommen ist, ist ein Strafbefehl ergangen“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dieser Zeitung. Gegen sieben Mitarbeiter des Unternehmens wurden unterschiedliche Geldstrafen in einer Gesamthöhe von 58.050 Euro verhängt.

Adressen von Lieferdiensten ausgelesen

Lieferheld hat dem Sprecher zufolge die Anschriften, Telefax- und Telefonnummern Lieferdiensten aus der Datenbank des Wettbewerbers Pizza.de GmbH mittels einer Software unberechtigt und ohne Zustimmung ausgelesen, gespeichert und danach öffentlich wiedergegeben. Demnach hatte Lieferheld 224 Lieferdienste kopiert und online gestellt, 990 Lieferdienste waren kopiert aber nicht in diesem Umfang online gestellt worden. „Unser Unternehmen kann bestätigen, dass ein Ermittlungsverfahren gegen Strafbefehl mit Geldauflage eingestellt wurde“, teilte eine Sprecherin von Lieferheld auf Anfrage mit. Man habe schon im Herbst 2010 „sofort reagiert“ und den Missstand ausgeräumt, und zwar bevor er angezeigt worden sei. „Wir halten den Ausgang in dieser Sache für nicht verhältnismäßig, haben uns aber entschlossen, es zu belassen, so dass dieses Thema nun abgeschlossen ist.“

Aus Datenschutzgründen und Schutz der Persönlichkeitsrechte könne sie sich nicht zu den Personen äußern, gegen die die Strafbefehle ergangen sind. Bei drei der sieben nun Bestraften handelt es sich aber offenbar um die heutigen Geschäftsführer der Lieferheld GmbH Fabian Siegel, Nikita Fahrenholz und Claude Ritter.

Die vollstreckten Strafbefehle werfen wieder einmal ein Schlaglicht auf den Konkurrenzkampf der noch jungen Branche der Bestellplattformen. Der Druck innerhalb der Branche ist hoch, weil sich die einzelnen Anbieter kaum voneinander unterscheiden. Lieferheld, Lieferando, Lieferservice.de oder Pizza.de funktionieren alle nach demselben Prinzip. Ihre Geschäftspartner sind die Pizzeria oder der Sushi-Laden um die Ecke, deren Angebot sie auf ihrer Internetplattform zusammenfassen.

Mehr zum Thema

Hungrige besuchen diese Plattformen, geben ihre Postleitzahl ein und erhalten dann das in der Nähe verfügbare Angebote an Lieferdiensten. Die Plattformen wickeln Bestellungen für die Restaurants ab und erhalten dafür einen Anteil von der Bestellsumme, der je nach Anbieter zwischen 5 und 10 Prozent rangiert. Bei einer durchschnittlichen Bestellung von 16 Euro können die Plattformen bis zu 1,60 Euro pro Bestellung kassieren.

Dass der Konkurrenzkampf innerhalb der Branche hart ist, macht auch ein Ereignis aus dem April vergangenen Jahres deutlich. Damals warf der Konkurrent Lieferando wiederum Lieferheld vor, mit massenhaften computergesteuerten Abfragen (DDoS-Attacken) dessen Server lahmgelegt zu haben. „Wir möchten abermals betonen, dass Lieferheld nicht in DDoS-Attacken gegen andere Unternehmen involviert ist“, teilte die Lieferheld-Sprecherin nun mit. Lieferheld sei im Gegenteil selbst wiederholt Ziel von Attacken geworden.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels war die Rede von 990 öffentlich zugänglich gemachten Lieferdiensten. Diese Angabe wurde inzwischen korrigiert.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gina-Lisa Lohfink Laber nich rum

Gina-Lisa Lohfink sagt, sie wurde vergewaltigt. Ein Gericht sieht das anders. Jetzt kämpft das Starlet um ein Recht, von dem zu viele meinen, sie hätte es verwirkt. Mehr Von Denise Peikert

12.06.2016, 15:39 Uhr | Gesellschaft
Westaustralien Hai-Attacke mit tödlichen Folgen

Nach einem dramatischen Hai-Angriff auf einen Surfer in Westaustralien wurde vermutlich das verantwortliche Tier gefunden, gefangen und getötet. Mehr

02.06.2016, 14:35 Uhr | Gesellschaft
Jack Ma Alibaba-Gründer: Plagiate sind oft besser als Originale

Das chinesische Online-Portal Alibaba gilt manchen als ein Paradies für Fälscher. Jack Ma, der Gründer des Portals, provoziert nun mit einem fragwürdigen Lob für Produktfälschungen seine Kritiker. Mehr

15.06.2016, 13:46 Uhr | Wirtschaft
Angst vor Anschlägen Sicherheitssorgen in Deutschland vor der Fußball-EM

Nach dem Bekanntwerden von Plänen für Anschläge in Düsseldorf gibt es Sorge vor Attacken in Deutschland zur Fußball-Europameisterschaft, etwa auf Fan-Meilen und bei öffentlichen Übertragungen von Spielen. Die Stimmung bleibt weiterhin angespannt. Mehr

10.06.2016, 12:25 Uhr | Sport
Recruiting an Hochschulen Talentspäher auf dem Campus

Geschenke, Praktika, Stipendien: mit immer größerem Aufwand suchen Unternehmen an Hochschulen nach den Mitarbeitern von morgen. Oft profitieren beide Seiten - aber die Kritik wächst. Mehr Von Julia Groth

16.06.2016, 13:29 Uhr | Beruf-Chance

Aktienkurse
Name Kurs Änderung
  Nasdaq 100 --  --
  Facebook --  --
  Alphabet --  --
  Apple --  --
  Zynga --  --

Geld schießt sogar auf Island Tore

Von Sebastian Balzter

Islands Fußball-Mannschaft lässt Fans frohlocken: wenig Marktwert, viel Erfolg. Doch auch Islands Erfolg war teuer. Mehr 3 2