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Veröffentlicht: 28.03.2013, 13:29 Uhr

„Let’s Play“ Guck mal, wer da spielt: Die neue Youtube-Masche

Computerspieler filmen sich beim Zocken am heimischen PC - und Millionen schauen im Internet zu. „Let’s Play“ heißt der Trend.

von Sumin Nam
© Getty Images Zuschauen, wie ein Wildfremder ein Spiel zockt, und lauschen, wie er dabei über Gott und wie Welt palavert - das gefällt Millionen Internetnutzern

“Servus und willkommen“, schallt es aus den PC-Lautsprechern, wenn Sinan Sözen alias „SinanGaming“ wieder eins seiner Videos dreht. Der Münchner betreibt ein skurriles Hobby: Er filmt sich selbst beim Computerspielen - und jeden Tag schauen ihm dabei Leute zu. Der Sinn dabei erschließt sich erst auf den zweiten Blick: Sözen ist ein sogenannter „Let’s Player“, der von ihm moderierte Spielevideos auf der Internetplattform Youtube veröffentlicht. 2300 Menschen wollen das tagtäglich sehen, so viele haben seinen Kanal abonniert.

Der Trend stammt aus Amerika, jetzt setzt er sich in Deutschland durch. Als wäre es ein Actionfilm im Fernsehen, klicken Millionen von Internetnutzern bei Youtube die Videos an, in denen PC-Spiele vorgespielt werden - zu sehen ist das Ballerspiel oder die Städtebausimulation, sonst nichts. Der Zuschauer erlebt das Spiel in dem Video genau aus der Perspektive, in der er es auch zu Hause am eigenen PC sehen würde, nur dass er nicht selbst spielt. Das übernehmen Let’s Player wie Sözen, die Computerspiele ähnlich wie eine Sitcom in täglich erscheinenden Episoden aufzeichnen und auf ihren persönlichen Video-Kanal hochladen.

Längst hat die deutsche Szene ihre Idole

Nicht das Spiel allein, die Kombination mit den flotten Sprüchen des Moderators macht dabei den Reiz aus. Sei es das klassische Rollenspiel „World of Warcraft“ oder auch ein gruseliges Horrorspektakel - die Fans von Sözen hören dem 25-Jährigen einfach gerne zu. Dieser redet nicht nur über das Spielgeschehen, der Student plappert über Gott und die Welt: „Deutschland hat Mitschuld am Integrationsproblem!“ Sözen sagt, als Let’s Player müsse man vor allem Spaß am Sprechen“ haben. „Ohne eine gewisse Qualität als Entertainer wird das nichts.“ Ziel ist, das Spielgefühl mit den Zuschauern zu teilen und diese wie in einer Comedyshow zu unterhalten.

Die Produktion eines Let’s Play und das Verwalten eines solchen Kanals ist dabei kein Kinderspiel: Die technische Umsetzung und alles, was nach dem reinen Spielen passiere, die Audiobearbeitung und das Verkleinern der Videos, koste eine Menge Zeit, berichtet Student Sözen, der von seinem Hobby nicht leben kann. Über ein Youtube-Partnerprogramm gibt es zwar Geld für Werbung, die vor, nach und auch zwischen des Videos läuft. „In meinem Fall ist das aber allenfalls ein netter Nebenverdienst.“

Längst hat die deutsche Let’s-Play-Szene ihre Idole, deren Videos nicht nur tausendfach, sondern gleich millionenfach geklickt werden, wie bei Dennis Brammen. Der gelernte Personalberater ist besser bekannt unter seinem Youtube-Namen „Br4mm3n“. Zusammen mit fünf weiteren Spielern betreibt er den Kanal „PietSmiet & Co“. „Wir machen das alles, weil wir Spaß dran haben. Das ist das Wichtigste.“ Let’s Plays sind eine ideelle Angelegenheit. „Richtig Geld verdienen war nie die Motivation.“

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