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Künstliche Intelligenz : Googles Maschine lernt ihre eigene Sprache

Intelligentes Leben: Die klügsten Hirne arbeiten an künstlicher Intelligenz. Bild: © Steven T. Caputo, CereberallHack.com

Der Internetkonzern Google forscht gleich in mehreren Abteilungen an Künstlicher Intelligenz und lernenden Maschinen. Dabei überraschen die Computer nun sogar ihre Erschaffer.

          Google verdient sein Geld vor allem mit den Anzeigen im Suchmaschinengeschäft, der Internetkonzern finanziert damit sogar viele andere Experimente seiner Muttergesellschaft Alphabet. So forscht das Unternehmen Deep Mind, das Alphabet vor zwei Jahren gekauft hat, zu Künstlicher Intelligenz und dazu, wie durch technischen Fortschritt Maschinen komplexe Probleme eigenhändig lösen können.

          Doch selbst unter dem eigenen Dach haben sich bei Google inzwischen mehrere Forschungsgruppen entwickelt, die in eine ähnliche Richtung gehen. Das „Brain Team“ sucht sich selbst aus, woran es interessiert ist. Gerade erst haben Forscher analysiert, wie Maschinen dabei helfen können, Diabetische Retinopathie frühzeitig zu erkennen. Die Augenkrankheit führt zu Erblinden und wird durch die Zuckerkrankheit Diabetes hervorgerufen.

          „Aufregende Ergebnisse“

          Nach Angaben der Forscher Lily Peng und Varun Gulshan ist es die am schnellsten wachsende Augenerkrankung. In einem nun vorgestellten wissenschaftlichen Artikel zeigen die Forscher, wie selbst lernende Maschinen ihren eigenen Algorithmus programmieren - um in diesem Fall anhand von Fotos Merkmale der Netzhauterkrankung festzustellen.

          Von 9963 untersuchten Bildern erkannte die Maschine Anzeichen der Diabetischen Retinopathie in 98,1 Prozent der Fälle. Peng und Vulshan beschreiben in einem Blogbeitrag, dass sie noch ganz am Anfang stünden. „Das sind aufregende Ergebnisse, aber es ist noch einiges an Arbeit zu tun.“

          Trotzdem zeigt das jüngste Forschungsprojekt, welche Fortschritte sich gerade die Medizin von selbstlernenden Maschinen verspricht. Auch Deep Mind arbeitet stark im Gesundheitssektor. Gut möglich, dass die verschiedenen Ansätze der Forschungsgruppen in einem so stark vernetzten Unternehmen wie Google und der Muttergesellschaft Alphabet die Entwicklung beschleunigen.

          Eine Art Software-Bibliothek bündelt die Forschung

          Mit gut 1000 Entwicklern von 34.000, die sich um Machine Learning kümmern, steht auch das Unternehmen noch am Anfang - aber bündelt inzwischen die ganze Forschung in einer Art Software-Bibliothek namens Tensorflow. Damit nicht jeder Unternehmensbereich vor sich wurschtelt und an drei Stellen das gleiche entwickelt wird.

          Ursprünglich ebenfalls vom „Brain Team“ entwickelt, hat Google die Bibliothek inzwischen sogar als Open-Source-Projekt ins Netz gestellt. Das bedeutet, das auch andere Unternehmen auf der Plattform aufbauen können, außerdem ist der Code hinter der Plattform so überprüfbar. Darauf basieren Google-Produkte wie die Foto-App, die mit maschinellem Lernen erkennt, wenn man im Suchfeld „Flugzeug“ eingibt oder alle Bilder mit „Hunden“ zeigt, wenn man danach sucht. Genauso nutzen die Foto-App Snapchat, die Verteidigungssparte von Airbus oder der Chiphersteller ARM Tensorflow.

          In einem Blogbeitrag schreibt Google-Chef Sundar Pichai persönlich: „Wir haben gesehen, was Tensorflow kann und wir glauben, dass es außerhalb Googles noch einen größeren Effekt haben kann.“ So würde sich die Forschung nach maschinellem Lernen beschleunigen und am Ende allen nutzen.

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