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Veröffentlicht: 31.01.2017, 14:18 Uhr

Künstliche Intelligenz Computergehirn gewinnt Poker gegen Menschen

Erst Schach, dann Go, nun Pokern: Computer übertreffen Menschen in immer mehr intelligenten Herausforderungen. Es geht um mehr als nur das Spiel.

von
© Carnegie Mellon University Warum beim Pokern gegen den Computer antreten?

In einem Spielkasino in der amerikanischen Stadt Pittsburgh hat ein schlaues Computerprogramm vier der besten Pokerspieler der Welt geschlagen. Das Ergebnis wird schon als nächster Meilenstein gefeiert, den die „Künstlichen Intelligenz“ genommen hat auf ihrem Weg, sich der natürlichen Intelligenz von Menschen anzunähern.

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Beinahe drei Wochen haben sich die vier Poker-Profis jeweils viele Stunden am Tag mit der Software namens „Libratus“ gemessen, Chips gesetzt, ihre Strategien analysiert - und nun verloren. „Es fühlte sich an, als ob ich gegen jemanden spielen würde, der betrügt, so, als ob er meine Karten sehen könnte“, sagte der 28 Jahre alte amerikanisch-koreanische Pokerspieler Dong Kim vor einigen Tagen. Da deutete sich nach seinen Worten schon an, dass die Chancen der menschlichen Mitspieler eher schlecht stehen.

Es ist das erste Mal, dass Menschen auf diesem Niveau in diesem Spiel, konkret der Poker-Variante Texas Hold'Em, gegen einen Computer verlieren. Aus einem entsprechenden Wettstreit vor zwei Jahren gingen sie noch als Sieger hervor. Tuomas Sandholm, Computerwissenschaftler an der Carnegie Mellon University, und sein Doktorand Noam Brown haben beide Programme entwickelt.

Anders als Schach und Go

Die neue Software „Libratus“ kann sich dabei nicht nur auf größere Rechenleistung stützen als ihr Vorgänger „Claudio“, sondern auch auf verbesserte Algorithmen. Sie können besser unvollkommene oder irreführende Informationen wie einen „Bluff“ korrekt interpretieren. Darin unterscheidet sich der Erfolg der Computer im Pokern auch von den zuvor schon erzielten Leistungen im Schach und im traditionellen asiatischen Strategiespiel Go - in diesen beiden Spielen gibt es keine „versteckten Informationen“. Wo die Spielsteine stehen und welche Züge möglich sind, ist vollkommen transparent.

„Diese Herausforderung ist so groß und kompliziert, dass sie bislang kaum fassbar war für Forscher im Bereich der Künstlichen Intelligenz“, sagte Sandholm gegenüber dem „Guardian“. Das Programm, das er mit seinem Mitarbeiter erdachte, lernt dabei vieles selbst.

„Wir erklärten Libratus nicht, wie man Poker spielt. Wir statteten es mit den Regeln aus und sagten dann: 'Bring es dir selbst bei'“, kommentierte Brown. Der Computer habe dann Milliarden Hände (eine Hand ist ein Spiel) gespielt und daraus gewinnbringende Strategien abgeleitet. Brown gab zu, so etwas wie „elterliche Gefühle“ gehabt zu haben während des Wettstreits. „Als ich es (das Programm) Bluffen gesehen habe, fühlte ich mich wie: 'Ich habe ihm das nicht gesagt. Ich hatte nicht einmal die Idee, dass es dazu überhaupt fähig ist.'“ Wie beeindruckt das Programm die Spieler hat, drückte exemplarisch wiederum der ebenfalls teilnehmende Pokerprofi Jason Les aus: „Es ist eine wirklich andere emotionale Erfahrung, wenn du nicht gewohnt bist, so oft zu verlieren.“

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Offenbar ist die Software grundsätzlich auch nicht darauf beschränkt, Poker zu spielen. Für zugrunde liegenden Algorithmen sind nach Ansicht von Experten viele andere Anwendungen denkbar. „Poker ist die kleinste unserer Sorgen“, kommentierte der Computerwissenschaftler Roman Yampolskiy von der Universität Louisville. „Es geht um eine Maschine, die uns im geschäftlichen und militärischen Bereich herausfordern kann. Ich mache mir Sorgen, wie die Menschheit insgesamt damit umgehen wird.“

Das Interesse an den Fortschritten im Bereich der Künstlichen Intelligenz ist derzeit besonders ausgeprägt. In eine breitere Öffentlichkeit dringen Durchbrüche stets dann, wenn es sich um bekannte Herausforderungen handelt, in denen Computer Menschen schlagen. Für großes öffentliches Interesse und Begeisterung sorgte beispielsweise, als der Computer Deep Blue im Jahr 1997 einen Zweikampf gegen den damaligen Schachweltmeister Gary Kasparow gewann. IBM hatte dafür drei Forscher von der Carnegie-Mellon-Universität angeheuert. „Schach wurde lange für eine unnachgiebige Bastion intellektuellen Vermögens gehalten, die voraussichtlich jedem Versuch von Automatisierung widersteht“, erinnert sich der Jerry Kaplan, Unternehmensgründer und Wissenschaftler auf diesem Gebeit. Jahre später gewann IBMs Supercomputer Watson ebenfalls öffentlichkeitswirksam das Quizformat „Jeopardy“.

Vor einem Jahr wiederum besiegte ein Programm, das Mitarbeiter von Googles Abteilung für künstliche Intelligenz „Deep Mind“ erschaffen hatten, den Weltmeister im traditionsreichen Brettspiel Go. Auch das ging durch die Medien – und vollkommen zu Recht. Go beinhaltet wesentlich mehr Zugmöglichkeiten als Schach;  durch den mathematisch-technischen Ansatz, mit dem Deep Blue Kasparow geschlagen hatte, wäre das nicht lösbar gewesen.

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