18.02.2012 · Das kommende Betriebssystem „Mountain Lion“ macht die Macintosh-Computer dem iPad noch ähnlicher. Microsoft geht mit Windows 8 einen vergleichbaren Weg. Das Programm hat seine Wurzeln in Handy-Software - und soll sowohl mit Tablets als auch mit Computern arbeiten.
Von Roland LindnerDer Macintosh-Computer war einst das Kerngeschäft des amerikanischen Elektronikkonzerns Apple. Dann aber kamen der digitale Musikspieler iPod, das internetfähige Handy iPhone und der Tabletcomputer iPad. Heute dominieren vor allem das iPhone und das iPad das Geschäft von Apple. Der Konzern spricht selbst gern von der neuen "Post-PC"-Ära, in der traditionelle Personal Computer gegenüber mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets an Bedeutung verlieren.
Diese Entmachtung des PC treibt Apple mit seinem in dieser Woche vorgestellten neuen Macintosh-Betriebssystem "Mountain Lion" weiter voran. Der Mac bekommt den Anstrich eines iPhone oder iPad und wird diesen Geräten, die mit dem Betriebssystem iOS ausgestattet sind, immer ähnlicher. Mit dieser zunehmenden Verschmelzung der Produktfamilie will Apple seine Kunden noch enger an sich binden: Wer ein iPhone oder ein iPad hat, soll verführt werden, sich für einen Mac zu entscheiden, wenn er denn überhaupt noch einen Computer will. Denn so kann sich der Nutzer mit allen seinen Geräten in einer vertrauten Umgebung bewegen, und Programme können über verschiedene Geräte hinweg zusammenarbeiten und synchronisiert werden. Apple treibt seine bekannte Ökosystem-Strategie somit weiter voran.
Aber Apple ist nicht das einzige Unternehmen, das die verschiedenen Geräteplattformen über gemeinsame Softwareelemente zusammenführt. Genau diese Strategie verfolgt auch der Softwarekonzern Microsoft mit Windows 8, der im Herbst erwarteten neuen Version seines Betriebssystems. Windows 8 soll sowohl in traditionellen Desktop- und Laptopcomputern als auch in Tablets zum Einsatz kommen.
Das Programm hat außerdem die Smartphone-Software "Windows Phone 7" zum Vorbild und übernimmt dessen "Metro"-Oberfläche. Dabei besteht der Bildschirm aus einer Reihe von Feldern und Kacheln, die jeweils bestimmte Programme oder Funktionen repräsentieren und in Echtzeit aktualisiert werden können. Microsoft geht in mancher Hinsicht mit der Integration sogar noch ein Stück weiter als Apple: So soll Windows 8 auch bei einem Laptop die Bedienung per Touchscreen erlauben, also mit Berühren des Bildschirms. Dies ist bei Apple auch mit "Mountain Lion" noch nicht vorgesehen.
Apple hat die Hinführung des Mac in Richtung von iPhone und iPad schon im vergangenen Jahr begonnen, als das aktuelle Betriebssystem "Lion" herauskam. "Lion" hat einige Funktionsweisen übernommen, die Nutzern der mobilen Geräte bereits vertraut waren, wenn auch zum Teil in etwas anderer Form. So kann die Steuerungsfläche vor der Tastatur mit mehreren Fingern gleichzeitig bedient werden, ähnlich wie mit der "Multi-Touch"-Funktion beim iPad und dem iPhone.
Das kommende Betriebssystem, das im Sommer auf dem Markt sein soll, geht mit dieser Integration noch viel weiter. Vom iPad und iPhone bekannte Applikationen wie Notizen, Nachrichten, Kontakte oder Erinnerungen kommen nun auch auf den Macintosh-Computer und ersetzen dessen bisherige entsprechende Dienste. Mit der neuen "Nachrichten"-Funktion, die den bisherigen "iChat" ablöst, können Nachrichten auch vom Computer aus zu anderen Rechnern oder iPhones und iPads verschickt werden. "Mountain Lion" übernimmt zudem die Benachrichtigungszentrale der iOS-Geräte. Auch der erstmals bei iPad und iPhone zum Einsatz gekommene Dienst iCloud, der Inhalte online über verschiedene Geräte hinweg synchronisiert, wird mit "Mountain Lion" verknüpft.
Das neue Betriebssystem integriert außerdem den Kurznachrichtendienst Twitter viel stärker mit den einzelnen Macintosh-Anwendungen. So können Twitter-Botschaften leichter aus den Applikationen heraus veschickt werden. Apple-Chef Tim Cook sagte dem "Wall Street Journal", die Verschmelzung des Macintosh-Computers mit iPhone und iPad werde auch in Zukunft weitergehen. "Wo immer es sinnvoll ist, werden wir Dinge auf den Mac übertragen." Er wollte sich nicht zur Frage äußern, ob auch die sprachgesteuerte Assistentenfunktion Siri bald ihren Weg vom iPhone auf den Computer finden wird. Cook schloss nicht aus, dass sich die Integration auch auf der Hardwareseite fortsetzt und Macintosh-Rechner künftig mit den gleichen Mikroprozessoren arbeiten könnten wie iOS-Geräte.
Apple hat im noch immer von Windows-Rechnern dominierten PC-Markt nicht annähernd eine so starke Position wie bei Smartphones oder gar wie im bislang vom iPad beherrschten Tabletmarkt. Laut Marktforschungsinstitut IDC hatte Apple im Schlussquartal 2011 einen Anteil von 5,4 Prozent am weltweiten PC-Markt. Doch schlägt sich Apple viel besser als die Konkurrenz: So konnte das Unternehmen laut IDC im Jahr 2011 seine Mac-Absätze um 16 Prozent ausbauen, während der Gesamtmarkt um 5 Prozent geschrumpft ist. In seinem jüngsten Quartal baute Apple den Umsatz mit Macintosh-Computern um 22 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar aus. Das entsprach 14 Prozent des Konzernumsatzes. Das iPhone steuerte 53 Prozent zum Umsatz bei, das iPad 20 Prozent. Microsoft wiederum musste in seinem Geschäft mit Windows für PCs im vergangenen Quartal ein Umsatzminus von 6 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar hinnehmen.
Auch der erstmals im iPad und im iPhone zum Einsatz gekommene Dienst iCloud wird mit "Mountain Lion" verknüpft.
Mir ist bisher nicht zu Ohren gekommen ...
roger mafli (mtume)
- 19.02.2012, 17:44 Uhr
Softwarekontrolle
Wolfgang Theodor von Rosenberg (WTvR)
- 19.02.2012, 07:44 Uhr
empört euch!
Arribert Kotz (arribert)
- 19.02.2012, 04:51 Uhr
"Ecosystem"
Javier Rodriguez (Max_Frisch)
- 18.02.2012, 23:34 Uhr
Apple und Microsoft entmachten überhaupt nicht den PC!
Sven Peter Harings (spanther)
- 18.02.2012, 19:34 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,92 | +0,52% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2534 | −0,06% |
| Rohöl Brent Crude | 106,82 $ | −0,41% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?