02.03.2007 · Die Gewerkschaft sieht in Fehlentscheidungen des Managements den Grund für die schlechte Entwicklung der Telekom. Doch sind Arbeitnehmervertreter mitverantwortlich für Fehlbesetzungen auf den Chefsesseln. Von Holger Steltzner.
Von Holger SteltznerWie schlimm die Lage der Deutschen Telekom ist, zeigt der Blick auf die Demonstranten vor der Konzernzentrale nicht. Aber er lässt erahnen, welche Konflikte der Telekom bevorstehen. Wie groß die Verzweiflung in der Führung und in der Belegschaft wirklich ist, verrät das Protokoll der Aufsichtsratssitzung vom Mittwochabend.
Dort ist für die Konsenskultur der mitbestimmten Aufsichtsräte in Deutschland Ungeheuerliches vermerkt: In einer Kampfabstimmung hat der Aufsichtsrat die Sanierungspläne gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften gebilligt. Am Ende hat die Doppelstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden Zumwinkel den Ausschlag gegeben. Ausgerechnet Zumwinkel, der als Vorstandschef der Deutschen Post bewiesen hat, dass er wie wenige andere Manager hierzulande die in der Mitbestimmung angelegten Verflechtungen zwischen Kapital- und Arbeitnehmerinteressen für seine Zwecke zu nutzen versteht, greift zum letzten Mittel – und macht das auch noch öffentlich.
Arbeitnehmervertreter haben mitgestimmt
Die Gewerkschaft sieht in Fehlentscheidungen des Managements den Grund für die schlechte Entwicklung des vormaligen Staatsmonopolisten. Ja, die hat es gegeben. Doch die Arbeitnehmervertreter haben im Aufsichtsrat für alle Beschlüsse gestimmt, auch für die vorangegangenen Fehlbesetzungen auf den Chefsesseln. Das Ergebnis ist bekannt: Die Telekom versagt am Markt; zum katastrophalen Kundenservice kann jedermann eine Episode beitragen; millionenfach flüchten Kunden zu Wettbewerbern. Die Wünsche der Kunden müssen endlich befriedigt und die Kosten gesenkt werden, sonst bleiben die Preise zu hoch. Und das inmitten technischer Umwälzungen, durch die immer mehr Menschen fast kostenlos über das Internet telefonieren.
Der Bund ist als Großaktionär der Telekom in einer Zwitterrolle. Als Aktionär wünscht sich der Finanzminister eine schnelle und erfolgreiche Sanierung. Als Politiker aber möchte Steinbrück nicht als Befürworter von Entlassungen am Pranger stehen. Die Reaktion der Börse zeigt, dass ausländische Investoren auf ihre Weise auf die Konfrontation mit der Gewerkschaft reagieren: Sie verkaufen die Aktie. Das wird den Druck noch erhöhen. An der schmerzhaften Sanierung einschließlich sinkender (Personal-)Kosten führt kein Weg vorbei.